Das Jahr des Affen hat gut angefangen

 

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Vor Auftritten oder Prüfungen jeglicher Art strömen gefühlt 2 Liter Adrenalin durch meinen Körper. Sie verteilen sich auf die Zeit der Vorbereitung und ganz besonders auf den Tag des Geschehens. Der 28.01.2016 war so ein Tag. Wir haben zusammen das Chinesische Neujahrsfest gefeiert, ein buntes Programm mit Musik, Tanz und Kultur stand mir bevor. Am Abend um sechs Uhr, also genau eine Stunde bevor es ernst werden sollte hat mein Körper abrupt aufgehört mit dem Adrenalin Kick und ich wäre gerne nach Hause gegangen so müde und entspannt war ich. Meine Lehrerin hatte mir kurz davor nach dem Unterricht gesagt: „Sie müssen nicht nervös sein. Haben Sie Spaß, Sie machen das gut.“

In der Mensa waren um sieben Uhr schon viele Menschen und fast alle Stühle waren besetzt. Ich fand in der zweiten Reihe einen Platz für meine Mutter, die extra aus der Schweiz angereist war. Sie saß nun vorne, umgeben von netten Chinesen und ich zeigte ihr wie man mit dem Handy ein Video aufnimmt. Alles klar soweit. Der Adrenalin Kick setzte spätestens wieder ein, als Yani vom Organisations Team sagte „Jorinde, schön dass du da bist. Stell dich gleich vorne hin, du bist bald dran!“

Innerlich ging ich noch einmal meine 5 Gründe durch warum ich Chinesisch lerne. Waren es wirklich 5? Würde ich sie noch auf die Reihe bekommen? Ich flüsterte leise:

1. Es macht Spaß.

2. Was ich einmal angefangen habe, beende ich auch.

3. Ich lerne noch einmal neu Lesen und Schreiben.

4. Es ist meine Geheimsprache

5. Es gibt noch 1000 weitere Gründe

Dabei lies ich vor lauter Nervosität mein Stimmgerät auf den Boden fallen und sagte kopfschüttelnd „Ich bin gar nicht aufgeregt. Kein bisschen. Nein…“

Kurz vor meinem Auftritt gewann mein Chinesisch Tandempartner Yitong Quan bei der Tombola einen Preis und ich umarmte ihn überschwänglich. Das kann man nicht mit allen Chinesen machen. Ich glaube für viele fühlt es sich so ungewohnt an wie meine ersten „Bisous“ Erfahrung in Frankreich, also Küsschen links und rechts zur Begrüßung. Darüber konnte ich aber nicht lange nachdenken.

„大家好!Herzlich willkommen zusammen!“

Und los geht’s!

Es waren wirklich viele Menschen im Publikum und ich war erstaunt wie ruhig es wurde. Obwohl einige keinen Platz gefunden hatten, hörten alle bis auf vereinzelte Quatschbacken konzentriert zu. Sogar meine Langnasen Theater Geschichte, die sich im Detail genauso zugetragen hat, konnte ich erzählen. Das hat unglaublich viel Spaß gemacht! Es sind diese Erlebnisse, die mein Leben bereichern.

 

Auftritt5

 

Das Lied 彩虹 cǎihóng (Regenbogen) von Jay Chou verfolgt mich seit dem Tag an dem Wenxin, meine chinesische Freundin mich gebeten hatte sie auf der Gitarre zu begleiten. Wir hatten eigentlich vor gemeinsam zu singen, aber spätestens nach der ersten Strophe verhaspelte ich mich jedes Mal. Nach ein paar mislungenen Versuchen bei denen wir Tränen lachten, sang irgendwann nur noch Wenxin, weil ich es einfach nicht so schnell umsetzen konnte. Ich habe ihr damals versprochen, dass ich eines Tages das Lied singen würde inklusive dem dazugehörigen Rap. Heute verstehe ich den gesamten Text, im dritten Semester kam viel Grammatik und viele Wörter dazu und somit kann ich dieses wunderschöne, schnulzige Liebeslied jetzt tatsächlich auswendig.

 

Auftritt1

 

Beim Sommerfest im Vauban hatte ich schon einmal einen Versuch gestartet ein chinesisches Lied auf die Bühne zu bringen, es scheiterte mit Bravour. Chinesisch ist schwer, Chinesisch zu singen und dazu Gitarre zu spielen will geübt sein! Auch am Abend des Neujahrsfests fiel mir eine Zeile partout nicht ein, aber da sehr viele im Publikum das Lied kannten wurde lautstark mitgesungen.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei einem tollen Publikum, bei meiner Mama die alles aufgenommen hat (ihr erstes Video) und natürlich bei Yani, Kyulee, Yin und Jule, welche die gesamte Organisation und Moderation des Abends übernommen haben.

多谢多谢!

Hier das Video: Chinesisch Lernen