Sommer ist was ist deinem Kopf passiert

Winter is coming 🙂

„Winter is coming.“, raunt meine Zimmernachbarin Jannat mir zu und ich verstehe zunächst nicht, dass dies ein Insider aus Game of Thrones ist. Ja der Winter kommt bald, auch wenn er in Shanghai nicht ganze 10 Jahre dauern wird. Es wird trotzdem jeden Tag kälter, umso wichtiger, dass Sommer in meinem Kopf ist.

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„Jetzt ist Sommer!
Egal, ob man schwitzt oder friert:
Sommer ist, was in deinem Kopf passiert.
Es ist Sommer!
Ich hab das klar gemacht:
Sommer ist, wenn man trotzdem lacht.“  

Wise Guys (Jetzt ist Sommer)

Ich glaub mich tritt ein Pferd

Im Chinesisch Unterricht war ich um 8 Uhr morgens zu müde für Grammatik Übungen und hörte nur mit einem Ohr bei den Beispielsätzen zu. “我准备一个马拉松。”,sagt Evan und ich verstehe nur die Hälfte, weil ich das Schlüsselwort des Satzes “马拉松” mǎlāsōng (Marathon) nicht kenne. In meinem Kopf kommt nur der erste Teil des Satzes an und Evan sagt: „Ich bereite einen *piep* vor.“

Das passiert mir sehr oft, denn immer wenn ich ein chinesisches Wort nicht kenne wird der Satz zu einem unvollständigen Puzzle, weil ganze Satzbausteine fehlen. „Ein Halbmarathon, oder ein Marathon?“, fragt die Lehrerin Evan und ich verstehe bloß: „Ein *piep* oder ein *piep* ?“ und dabei schreibt sie die Abkürzungen für Marathon an die Tafel:  全马  (Marathon) und 半马 (Halbmarathon). „Ein *piep*.“ antwortet Evan. Fassungslos schaue ich an die Tafel, denn dort steht das Zeichen für Pferd: einmal mit dem Wort davor was so viel wie „ganz, vollständig“ bedeutet und einmal mit dem Wort davor was „halb, die Hälfte“ bedeutet.

全马   Ein ganzes Pferd   半马  Ein halbes Pferd

„Was zum Himmel bereitet Evan vor? Was hat er mit einem Pferd am Hut und warum nur ein halbes Pferd und gibt es überhaupt halbe Pferde?“, geht es mir durch den Kopf und: „Die spinnen die Chinesen, halbe Pferde, das ist doch verrückt.“ Entgeistert drehe ich mich um und frage Anna was es bitteschön mit dem halben Pferd auf sich hat.

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„Das ist kein halbes Pferd Jori, das heißt Halbmarathon!“, klärt Anna mich auf. „Marathon?“, frage ich ungläubig „Wie kommst du denn auf Marathon?“, hake ich nach. „Es ist die Abkürzung von Marathon! 马拉松 mǎlāsōng.“, wiederholt sie und mir geht langsam ein Licht auf. Ich muss über mich selber lachen, erst leise, dann immer glucksender und irgendwann laufen mir die Tränen über die Wangen und ich fange laut an zu prusten. Ich entschuldige mich und verlasse das Klassenzimmer, weil ich vor lauter Lachen keine Luft mehr bekomme. Draußen entlädt sich alles und ich laufe lachend und schwankend den Flur entlang ins Badezimmer um mir die Lachtränen mit kaltem Wasser wegzuwischen. Als ich wieder im Klassenzimmer bin, hat mein halbes Pferd Missverständnis bereits die Runde gemacht und seit diesem Tag schaut mich der ein oder andere manchmal mit verschmitztem Grinsen an und sagt: “ Jori:马拉松 Marathon.“

Meine große Mauer in China

Vokabelblätter als Zimmerdeko

In der ersten Woche schon hatte ich die Idee meine Vokabelblätter an die Wand zu kleben. Das ist zwar theoretisch verboten, sieht aber trotzdem schön aus! 🙂 Woche um Woche wächst die Vokabelwand um mindestens 3 Blätter und mein Plan ist es meine komplette Zimmerhälfte inklusive Decke mit Vokabelblättern zu tapezieren. Das ist verrückt? Ich weiß.

Die Wand der Emotionen 

Im Gebäude der Deutschen Bibliothek auf dem Campus habe ich vor kurzem die Wand der Emotionen entdeckt. Was zum Kuckuck ist bitte eine Wand der Emotionen? Nun, es stellte sich heraus, dass dort chinesische Studenten über das Leben in Deutschland und ihre Gefühle in Deutschland berichteten. Die Wand der Emotionen stimmte mich sehr emotional.

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Chinesische Handschriften sind noch immer schwer zu entziffern

Wäre ich Herr meiner Sinne, ich ließe sie frei

Das Chinesisch Lernen ist definitiv eine zeitaufwändige Angelegenheit und auch wenn ich noch immer froh bin guten Unterricht an der Sprachschule zu haben, so hält sich die Vorfreude auf jede neue Lektion sehr in Grenzen. Nächste Woche packen wir zum Beispiel zwei Lektionen in eine Woche, weil danach Prüfungen sind (Die Logik möge mir jemand erklären!) und ich „freue“ mich somit auf 140 neue Wörter in einer Woche.

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Siebenmeilenstiefel

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Foto (Quelle: Fotocommunity)

Ich hätte gerne Siebenmeilenstiefel made in China mit denen ich pro Tag riesige Fortschritte machen könnte. Alles geht so langsam voran, das macht mich wahnsinnig! Jemand schrieb mir vor kurzem: „Versuch auch mal locker zu machen. Chinesisch lernt man halt nicht so schnell.“, aber ich will schnell lernen! Es fuchst mich, dass ich noch immer nur kleine Geschichten schreiben kann und zum Beispiel keinen einzigen Witz auf Chinesisch erzählen kann.

Ein Job als Pandabär?

Vor kurzem erhielt ich die Nachricht, dass ich einen Schreibwettbewerb an der Uni gewonnen habe. Wir sollten unsere Eindrücke von Shanghai beschreiben und mit einigen Fotos einen bunten Beitrag gestalten. Das Schreiben fiel mir relativ leicht und das ist ein gutes Zeichen und lässt mich zumindest kleine Fortschritte spüren. Was mich wohl als Preis erwartet? Meine Eltern meinten es könnte für mich dabei ein Badeurlaub im Mekong Delta rausspringen, oder ein Job im Kaufhaus als Pandabär. Letzteres würde ich wohl dankend ablehnen.

Hier ein kleiner Einblick in meine letzte schriftstellerische Meisterleistung:

我的自行车被偷了! Mein Fahrrad wurde geklaut. (Übersetzung für Langnasen)

„Eines Tages war ich in Freiburg Fahrrad fahren und führte dabei meinen kleinen Hund Rumo aus. Wir kamen an einem besonders schönen Ort an: Es sah sehr interessant aus und ähnelte einem Berg. Ich lief neben Rumo her und vergaß dabei mein Fahrrad abzuschließen. Wir beide liefen sehr glücklich den Hügel hoch, die Aussicht war wunderschön! (Sprechblase: „Wunderschön!“) Als wir die Spitze des Hügels erreicht hatten, sah ich mein Fahrrad nicht mehr. Zwei Minuten später ging ich zurück zu meinem Fahrrad, aber ich entdeckte dass es nicht mehr da war! (Sprechblase: „Was soll ich machen?“) Sehr wütend sagte ich zu Rumo: „Du musst den Dieb schnappen!“, aber Rumo verstand nicht was ich sagte. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Dieb sich schon längst davon gemacht. (Sprechblase: „Wuff! Wuff!“, „Was macht sie da?“, „Wuff! Wuff!“ und „Wo ist Jori hingegangen?“) Ich suchte lange Zeit nach meinem Fahrrad. Ich suchte weit und breit, aber leider fand ich das Fahrrad nicht. Ich hört nicht auf zu suchen, um 10 Uhr abends beschloss ich nach Hause zu gehen und mich auszuruhen.“

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Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit in Freiburg

Post aus Schottland

Diese Woche kam ein Brief bei mir an auf den ich jeden Tag sehnsüchtig gewartet habe.

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Post nach China 

Von einer lieben Freundin bekam ich den ersten Brief aus Europa geschickt und ich habe einen kleinen Freudentanz vor dem Briefkasten hingelegt als ich ihn endlich in der Hand hielt. Die Putzfrau, die neben mir stand und mich mit großen Augen anschaute, durfte gleich Alinas Schriftzeichen begutachten und sagte so etwas in der Art wie: „Ganz toll! Das ist wirklich ganz ganz toll!“, nachdem ich ihr erklärt hatte, dass meine Freundin gar kein Chinesisch kann. „Das ist wirklich die verrückteste Adresse, die ich in meinem Leben geschrieben habe.“, schrieb mir Alina und ich bin fasziniert von ihrem Mut es einfach zu tun:

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Wer schreibt denn noch Briefe?

Ich werde nie vergessen wie ein Kommilitone von mir mich im Zug nach Paris ungläubig anschaute während ich einen Brief (auf Papier!) schrieb und er mich daraufhin fragte „Machst du davon dann ein Foto?“ „Nein.“, sagte ich. „Das ist ein Brief.“ „Ja das sehe ich, aber wer macht denn sowas? Ich schreibe nur meiner Versicherung Briefe.“

Wen es also in den Fingern juckt auch mal Post nach China zu verschicken, der möge mich bitte in einer Nachricht persönlich danach fragen. Ich gebe sie euch gerne! 🙂 Hier ist schon einmal der Anfang meiner Adresse in Shanghai zum Ausdrucken und Aufkleben, zum Striche Abmalen oder einfach als kleine Herausforderung für zwischendurch:

维若云 (Jorinde Wiese)

中国上海市

Klub der Kalligrafen

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Jeder hat mal klein angefangen

Am Freitag Abend schwinge ich nun regelmäßig und sehr andächtig den Kalligrafie Pinsel und genieße die ruhige Atmosphäre im Kalligrafie Verein der Universität. Über 40 Studenten üben sich dort jede Woche in Kalligrafie und wenn man genau hinhört, dann kann man die Tusche knistern hören, so leise ist es. Ab und zu bekomme ich gute Ratschläge von älteren Semestern und bin erstaunt wie einfach und flüssig ihnen die Striche von der Hand gehen, während ich fünfzig Mal den gleichen Strich üben muss, bis er einigermaßen anständig aussieht.

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Übung macht den Meister

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书法家维若云 🙂  Kalligrafie Meisterin Jorinde Wiese 

Sonne tanken in der 10 Minuten Pause

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Ich verabschiede mich nun, nehme es ruhig und gelassen, strecke meine Nase in die Sonne, wann immer sie auftaucht (mein Lieblingsplatz in der Pause ist das Fenstersims). Ich trotze an stürmischen Regentagen dem Wetter und singe dabei „I am singing in the rain.“ Ich gebe nicht auf im ewigen Kampf mit den Zeichen, werde es nicht müde Strich um Strich um Strich zu schreiben und glaube fest daran, dass es vorwärts geht. Langsam, aber beständig!

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休息休息 Chillen

Liebe Grüße aus Shanghai!

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Jori