Erzähl mir eine Geschichte – Shanghai versinkt im Regen –

Erzähl mir eine Geschichte.“, sagst du. „Eine aus China.“, fügst du hinzu „Da gibt es tausend Geschichten.“, sage ich und überlege kurz.  „Fang doch einfach mit einer an, ich habe viel Zeit.“, sagst du und machst die Augen zu. Und ich nehme dich mit in eine andere Welt, 12 Flugstunden entfernt im verregneten Shanghai.

Es ist Oktober 2016 und Shanghai ist schon fast zu meinem Zuhause geworden. Diese neue verrückte Welt fühlt sich erstaunlich normal an. Auf den Straßen steht das Wasser und die Bürgersteine sind so glitschig, dass man aufpassen muss beim Laufen nicht auf dem Hintern zu landen. Autos fahren vorbei und lassen das Wasser nur so spritzen. „Eins, zwei, drei und los geht´s.“, sage ich und pfussch da kommt schon die Welle: (bitte hier klicken). Ich warte an der Ampel bis es grün ist und schaue vorsichtig nach links. Rot ist nicht gleich rot in China, Autofahrer und Motorräder dürfen immer rechts abbiegen und das kann sehr gefährlich werden. Seit ich meinen ersten Unfall nur wenige Meter vom Wohnheim entfernt gesehen habe, passe ich noch mehr auf, damit ich nicht schwupp die wupp unter den Rädern lande.

Vor dem Unterrichtsgebäude stehen Studenten im Regen und reden in allen möglichen Sprachen. Ich höre Chinesisch, Englisch, Deutsch und viele andere undefinierbare Sprachen. Neben der Treppe die zu meinem Klassenzimmer führt stehen im Trockenen große Schüsseln mit Katzenfutter und daneben ist ein Getränkeautomat. Am ersten Tag habe ich mir dort noch Wasser gekauft, weil man das Wasser aus dem Hahn nicht trinken kann. Jetzt schleppe ich immer vorsorglich meine 1,5 Liter Wasserflasche mit mir rum. Man kommt ganz schön außer Puste, wenn man die 3 Stockwerke hochläuft, irgendetwas ist hier mit der Luft. Jedenfalls bin ich viel schneller angestrengt als zuhause, bilde ich mir ein.

Im Flur liegen ganz viele Regenschirme, ich sage auf Chinesisch „All die Regenschirme, kleine große, das hier ist meiner, aber der ist kaputt. So einen großen hätte ich gerne!“ (bitte hier klicken) und dann gehe ich in das Klassenzimmer rein „教师“. Dort sitzen alle nach der Pause und reden miteinander. Meistens auf Chinesisch, wir versuchen es zumindest so gut es geht. Mein Lieblinglingsplatz ist am Fenster, da sitze ich immer wenn die Sonne scheint. Wenn sie denn scheint, manchmal sieht man auch kaum etwas vom Himmel, dann hängt der Smog über der Stadt und verhüllt sogar den Bottle Opener in dichten Nebel.

Nach dem Unterricht gehe ich in einen kleinen Supermarkt auf dem Campus. Man sieht die grüne Wiese gegenüber, die im Regen versinkt. Durch den Plastikvorhang geht es in den Supermarkt rein. Dort gibt es alles was das Herz begehrt, frisches Obst, Wasser, Knabberzeugs, Würste so weit das Auge reicht, Kerne noch und nöcher und natürlich mein absolutes Highlight „getrocknete Entenhälse.“ (bitte hier klicken) Fein, fein, fein!

Am Abend geht es noch einmal raus. Ich muss unbedingt mein Visum verlängern lassen, also los, raus in die nasse Kälte und rein in die Metro. Eng an eng steht man da, fast jeder schaut auf sein Handy. Es wird gerne reingedrückt, während die Leute noch am rausgehen sind. Ich versuche meistens anzukündigen, dass ich bald aussteigen möchte, dann machen die Leute Platz. Vor lauter Aufregung etwas laut auf Chinesisch zu sagen, verspreche ich mich aber mehrmals. Anstatt „Ich steige gleich aus.“, zu sagen sage ich aus Versehen „Ich habe jetzt Unterricht aus.„, oder „Ich das nächste Auto.“ Chinesisch ist verhext, ein paar Zischlaute vertauscht, oder Töne verwechselt und schon ist die Bedeutung eine ganz andere.

Draußen angekommen mache ich einen kleinen Regentanz. Mir ist zwar kalt, weil meine Hose klatschnass ist und die Jacke nicht wirklich warm, aber davon lasse ich mir die gute Laune nicht verderben. „Füdli use, Ärm zrück, daidadatadidadatadidadadaaa…“ (bitte hier klicken)

Das war zwar keine Geschichte, aber ein Tag in Shanghai, so wie er wirklich passiert ist und es warten noch viele weitere kleine Geschichten, die erzählt werden wollen.

Nacht in Shanghai 晚安!

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