Schaltet euer Herz ein, BANAUSEN!

Liebe schwarzhumorige Menschen da draußen,

In diesem Artikel erkläre ich euch und Ihnen wie ich auf die verrückte Idee komme das Lied „Freundin in der Tiefkühltruhe“ von Alex Döring sei ein Femizid-Song. Das kann ja gar nicht sein, oder? Kein Problem, ich habe Zeit.

Fangen wir an. Kurz zu den Basics, Femizide sind Morde an Frauen, weil sie Frauen sind. Sie sind keine „Beziehungstaten“, „Familientragödien“, „Eifersuchtsdramen“, oder ähnliches, sie sind Morde. Es ist eigentlich ganz einfach.

Definition Femizid:

Der Begriff deckt u. a. den Mord an einer Frau infolge Gewalt in der Partnerschaft, die Folter und frauenfeindliches Umbringen von Frauen, das Töten von Frauen und Mädchen im Namen der „Ehre“ und anderes in Zusammenhang mit schädlichen Praktiken stehendes Töten, das gezielte Töten von Frauen und Mädchen in bewaffneten Konflikten und Fälle von Femizid in Verbindung mit Banden- oder organisierter Kriminalität, Drogen- sowie Frauen- und Mädchenhandel ab. („Femizid“, European Institute For Gender Equality)

Bevor wir zum Realitätscheck des Femizid-Songs kommen, folgt zunächst der Einstieg in das Lied „Freundin in der Tiefkühltruhe“ von Alex Döring. Dabei dürfen wir Folgendes nicht vergessen:

Die Kunst ist ein wirkmächtiges Mittel, um Themen auf ästhetischer Ebene zu verarbeiten und Diskussionen anzustoßen. Kunst fordert jede und jeden dazu auf, sich zu ihr zu positionieren und einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Um diese Funktion zu erfüllen, darf sie provozieren, streitbar sein, Grenzen überschreiten. Sie muss nicht jeder und jedem gefallen und darf Spielraum für Interpretationen bieten.“ (Stellungnahme der Universität zum Kleinkunstpreis für Studierende 2019)

Mhm, das ist schön formuliert. Wenden wir es also bei diesem tiefkühltruesken Meisterwerk des schwarzen Humors an! Aber zunächst noch ein kleiner Hinweis von der Auswahl-Jury des Kleinkunstpreises:

Kunstformen wie die Satire jedoch betreiben Tabubrüche, um der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Das trifft sowohl bei Florian Wagner als auch bei Alex Döring zu. Das Bewerbungsvideo, mit dem sich Alex Döring bei uns vorgestellt hat, wurde von uns in der Kategorie „Schwarzer Humor“ verortet. Das Wesen des Schwarzen Humors ist es, böse zu sein und Grenzen zu übertreten. Und Stellung zu beziehen gegen eine als fehlerhaft und schlecht empfundene Wirklichkeit.“ (Stellungnahme der Auswahl-Jury zum Kleinkunstpreis für Studierende 2019)

Mhm, auch das sind kluge Worte, die mit Bedacht gewählt wurden und neugierig machen. Wie schafft es wohl der Künstler mit einem Femizid-Song der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, dabei böse zu sein, Grenzen zu übertreten und nicht zu vergessen auch noch Stellung zu beziehen, gegen eine als fehlerhaft und falsch empfundene Wirklichkeit? Eine ganz schöne Mammutaufgabe, aber Alex Döring Meister der Tiefkühltruhen schafft das sicher mit links. Hören wir mal rein:

(Quelle: Youtube „Freundin in der Tiefkühltruhe – Alex Döring – NightWash Talent Award 2018″, 05.11.2018)

(Die kursiven Zitate sind direkte Zitate aus dem Liedtext, nicht dass jemand denkt ich würde mir so einen Schwachsinn ausdenken!)

„Ich habe wahnsinnige Probleme mit meiner Freundin, demnach ist meine Schwiegermutter die Mutter meiner Probleme.“

Einstieg: Die Ausgangslage ist klar, Alex Döring hat im Lied gleich zu Beginn schon wahnsinnige Probleme mit seiner Freundin und auch mit der Schwiegermutter. So weit so gut.

„Mein Verhältnis zu deiner Mutter mein Schatz war ja meist recht gut. Doch bei dem was ich deiner Mutter nun zu sagen habe, verlässt mich fast der Mut. Ich habe lange Zeit versucht dieses Geständnis zu vermeiden, denn ich wusste das Verhältnis wird darunter leiden. Wie sage ich ihr das bloß?“

Spannung baut sich auf: Die Freundin wird direkt angesprochen, bis jetzt war das Verhältnis zu ihm ja noch gut, aber es scheint etwas passiert zu sein, das ihn Mut kostet. Ein Geständnis? Ja was ist denn passiert? Oh je oh je, hat er etwa eine andere Freundin?

„Dass du in meiner Tiefkühltruhe liegst, dass du in meiner Tiefkühltruhe liegst. Du hast mich betrogen unsere Liebe war verloren, in einer Kurzschlussreaktion habe ich dich eingefroren. Mit dem netten Herrn von Bofrost sah ich dich in der Nacht, eng umschlungen liegen was hast du dir bloß gedacht? Ihr lagt Wange an Wange, ihr wolltet es grad tun. Jetzt liegst du Wange an Wange mit einem Brathuhn.“

Mord: Ui, das hat er nicht gesagt, oder doch? Die Freundin ist also tot. Sie hat ihn betrogen, da hatte er eine Kurzschlussreaktion und sie ermordet. Damit ist er nicht alleine, im Realitätscheck werden wir später sehen, dass es vielen Männern so geht, wenn ihre Partnerin die Beziehung beendet, oder sie vermuten, dass sie eine Affäre hat. „Was hast du dir bloß gedacht?“, fragt er sie und macht damit eine Art Schuldumkehr: Sie hat ihn betrogen, was fällt ihr ein! Jetzt liegt sie zur Strafe tot neben Brathähnchen.

„Das ist Ironie, ja du amüsierst, weil du grad noch so heiß warst und jetzt erfrierst. Du betrügst mich so unsagbar mit dem Eismann. Was dann passiert ist erwartbar, ja das weiß man, weil du in meiner Tiefkühltruhe liegst.“

Das ist keine Ironie: Nein, das ist es wohl wirklich nicht, aber vielleicht ist es ja die Art des Künstlers Morde an Frauen aufästhetischer Ebene zu verarbeiten und Diskussionen anzustoßen“, wie die Stellungnahme der Universität vermuten lässt. Weiter geht es im Femizid-Song:

„Du hast den Kampf verloren, ich will dass du das weißt. Weil du in meiner Tiefkühltruhe liegst. Deine Seele ist erfroren und dein Lächeln ist vereist. Man sagt ja alte Liebe roste nicht, aber du gehst fremd und ich froste dich. Du bist mein ice ice baby. Du hast steif und fest behauptet du würdest sensibel sein, doch jetzt bist du steif und fest, fast so wie n’Ziegelstein.“

Was zur Hölle: Das Lied war bis jetzt inhaltlich nicht mitreißend, wie die Freundin in die Tiefkühltruhe gekommen ist, also wie genau sie getötet wurde, weiß man nicht. Die Affäre mit dem Bofrost Mann hat mich jetzt, wenn ich ganz ehrlich bin, nicht von den Socken gehauen, aber immerhin hat Alex Döring es mittlerweile in dem Lied geschafft „böse zu sein und Grenzen zu übertretenwie es in der Stellungnahme der Auswahl-Jury so schön hieß. Ich sollte das alles positiver sehen. Wann sonst kommt man in den Genuss Lieder über Morde an einer Frauen in solch schwarzhumorigen Versen zu hören? Das ist schon ziemlich einmalig, aber weiter geht es im Text der Spaß ist ja noch nicht zu Ende.

„Ich habe keine Sorgen, du hast jetzt Gefrierbrand. Ich stehe jeden Morgen lachend vorm Gefrierschrank. Und meinetwegen kannst du da Millionen Jahre liegen bleiben. Du bist mein persönlicher Fleischvorrat in Krisenzeiten.“

Kannibalismus: Warum das nicht cool ist, versteht jeder Mensch, oder? Warum er im Lied lachend vorm Gefrierschrank steht, während er auf die Leiche seiner Freundin schaut, die neben Brathähnchen liegt, soll mir mal einer erklären, aber gut das sind doch alles Peanuts. Alles halb so wild, Sie schmunzeln sicher immer noch schwarzhumorig über so viel tiefkühltrueske Poesie! Ein Schmaus für die Ohren, nicht wahr?

Du liegst in der Kälte, so wie Ötzi aus dem Eis. Ich tanz um den Gefrierschrank, ach wie gut dass niemand weiß, dass du in meiner Tiefkühltruhe liegst. Ich musste dich verstecken zwischen Koteletts und Kroketten.

Kleiner Geschichtsausflug: Ötzi starb vor circa 5250 Jahren und die Mumie wurde durch Eis konserviert. Rumpelstilzchen hüpfte bei den Gebrüder Grimm ums Feuer rum, aber ganz sicher nicht, weil es seine Freundin getötet hatte und sie in der Tiefkühltruhe aufbewahrt. Tiefkühltruhen gab es damals nämlich noch gar nicht, aber immer diese Detailversessenheit. Ich sollte echt mal Fünfe gerade sein lassen und ein bisschen einfühlsamer mit dem Femizid-Song sein, der immerhin wie die Auswahl-Jury schrieb: Stellung (bezieht) gegen eine als fehlerhaft und schlecht empfundene Wirklichkeit“. Das tut er doch, oder? Kommt der Teil noch?

„Menschliche Kälte, die sah man dir schon immer an, was neues ist, dass man die jetzt auch bestimmen kann. -18 Grad. Abtaun‘ girl, abtaun‘ girl. Ich werde dich nie wieder abtaun‘ girl.“

Sprachlos: Das Lied neigt sich dem Ende zu. Die Freundin ist also tot und die Leiche liegt irgendwo neben Koteletts und Kroketten. Manchmal kostet Alex Döring in dem Lied auch von der Leiche, aber nur in Krisenzeiten, der Fleischvorrat soll ja eine Weile reichen! Spätestens hier ist es eine menschliche Reaktion, wenn sich Ekel zeigt, aber Moooment wir sind noch nicht ganz am Ende mit der Analyse des Femizid-Songs.

„Da meine Tiefkühltruhe voll war, voll war mit dir, habe ich mir eine neue gekauft. Die steht jetzt direkt neben dir, die soll nur für Tiefkühlfutter sein, doch notfalls passt da auch noch deine Mutter rein.“

Was reimt sich auf Tiefkühlfutter? Ach richtig: Deine Mutter. Ende der Geschichte: Sie ist tot, er hat sich eine neue Tiefkühltruhe gekauft, in die soll eigentlich nur Essen rein, aber notfalls hat auch die Leiche der Mutter dort Platz.

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Update aus der Petition gegen Femizide von @savexx_ger "Weshalb wende ich mich heute damit an Sie, den Rektor der Universität Freiburg? Weil Sie einen Preis (3) ausloben: Einen Preis, der im worst case einem angehenden Politikwissenschaftler zu Gute kommt, der das brutale Töten von Frauen in unerträglicher Form veralbert. (4) Vergangenen Donnerstag erst hat sich eine große Mehrheit der EU-Parlamentarier*innen in einer gemeinsamen Resolution dafür ausgesprochen, dass die Istanbul-Konvention innerhalb der Mitgliedsstaaten schnellstmöglich umgesetzt wird. Als Rektor der Universität Freiburg verantworten Sie eine strukturelle Säule unserer Gesellschaft. Daher richte ich folgende, dringende Bitte an Sie: Unterbinden Sie, dass misogynes Besitzdenken und das Multiplizieren von Schuldumkehr unter dem irreführenden Siegel „Kleinkunst“ als gesellschaftsfähig inszeniert und ggf. auch noch belohnt werden kann." #KeineMehr #PasUneDePlus #schweigenbrechen #Femizid

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So und dieses Lied haben Sie liebes Studierendenwerk der Uni Freiburg in der Kategorie „Schwarzer Humor“ verortet? Das ist eine rhetorische Frage, ich kenne nämlich Ihre Antwort: „Das Bewerbungsvideo, mit dem sich Alex Döring bei uns vorgestellt hat, wurde von uns in der Kategorie „Schwarzer Humor“ verortet.“ Interessant. Das Töten von Frauen darf man also in einem Lied besingen, weil es so schreiben Sie die Mächtigen entlarvt, oder habe ich da etwas falsch verstanden? 

Im Zweifel für die Freiheit – das ist der Gedanke des Grundgesetzes. Die Kunst ist frei. Meinungs- und Pressefreiheit dient dazu, die Mächtigen zu entlarven  – und der Mächtige ist zum Beispiel bei Alex Döring der Mann, der nonchalant über die Tötung seiner Freundin berichtet.

Wenn mann in einem Song nonchalant (= lässig, salopp, unbekümmert, locker) besingt, wie man die Freundin getötet hat und sie jetzt steif neben Brathähnchen in der Tiefkühltruhe liegt, dann ist das alles außer Satire: Es ist frauenverachtend und hat mit schwarzem Humor nichts zu tun.

Das hat auch nichts mit Gesellschaftskritik zu tun, nichts mit entlarven irgendwelcher Machtstrukturen. Es hat übrigens auch nichts mit Zensur zu tun gegen einen Femizid-Song zu sein und es hat erst recht nichts mit der NS-Zensur zu tun. Auf die Idee muss man erst mal kommen!

Es ist keine Zensur bei der Auswahl von Künstler*innen darauf zu achten, dass Gewalt keine Bühne bekommt und keine Preise dafür zu verleihen: „(…) Die Zeit, in der die Meinungsfreiheit mit Zensur und Verboten eingeschränkt wurde, war das dunkelste Kapitel der Freiburger Universitätsgeschichte.“ (Stellungnahme der Universität)

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Jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann seine Ex- oder Partnerin zu töten. Jeden dritten Tag gelingt das. Wir zählen in Deutschland seit Jahresbeginn 158 Morde an Frauen, weil sie Frauen sind. Man nennt es Femizid = Frauenmord. Es ist bezeichnend, dass die Universität Freiburg in den 16 Tagen gegen Gewalt an Frauen einem Kleinkünstler eine Bühne bietet, der Pointen über Femizide macht. Kitzbühl: Mann tötet Expartnerin, Mutter, Vater und Bruder der Frau. Femizide sind kein Spaß, sie sind Realität, nicht nur in anderen Ländern. Sie sollten sich schämen! HOW DARE YOU? @savexx_ger @frauenvolksbegehren @nicole.schoen #orangetheworld #stopfemicide #KeineMehr #PasUneDePlus #KeineGewaltanFrauen #SchweigenBrechen

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Stellungnahme der Auswahl-Jury: „Es wird immer Grenzfälle geben. Aber Satire muss auch wehtun, sonst bleibt sie wirkungslos. Und im besten Fall löst sie Debatten aus. Diese Debatten begrüßen wir. Es kommt für die Jury jedoch nicht in Frage, die 2018 und 2019 vergebenen Kleinkunstpreise abzuerkennen.“ Sind Sie sich da sicher? 

Wann wäre Ihre Grenze überschritten? Heißen Sie auch „satirische“ Lieder über Kindesmissbrauch, Gruppenvergewaltigungen, Amokläufe, oder Ähnliches gut? Was wäre mit dem Sterben von Geflüchteten auf dem Mittelmeer? Wäre das auch witzig und Preis würdig? Was wäre mit dem Leugnen von Kriegsverbrechen, oder dem Holocaust? Wo sind Ihre Grenzen?

Dass Menschen über dieses Lied lachen können, zeigt übrigens wie wenig sichtbar Gewalt an Frauen ist, obwohl jeden Tag ein Mann in Deutschland versucht seine (Ex)Partnerin zu töten und das jeden dritten Tag gelingt.

Wenn ein Künstler reimend besingt wie er eine Flüchtlingsunterkunft anzündet und überlegt wann die nächste dran ist, wenn er reimend singt wie er ein Kind vergewaltigt und dass es ja selbst schuld sei, wenn er reimend singt wie Geflüchtete im Meer ertrinken und das lustig findet, wenn er reimt aus der Position eines Amokläufers…

All das würde (HOFFENTLICH) alle Menschen schockieren.

Man kann nicht mit Meinungs- und Kunstfreiheit jegliche Diskriminierung, Menschenverachtung, oder Beleidigung wegargumentieren. Ich liebe Satire und schwarzen Humor, aber mir kann niemand sagen, dass Wagner & Döring sich dessen bemächtigt haben. Sie haben einfach gemacht, was bis jetzt immer funktioniert hat. Die Leute lachen ja, zumindest manche. Noch. #KeineBühneFürGewalt Helft mir bitte dabei das zu ändern! Das Problem ist so viel größer als irgendein K(l)einkunstpreis!

Ich habe eine Bitte an euch alle: (Dieser Artikel beinhaltet explizite Darstellung von Gewalt) Lest den Artikel mit allen 122 Fällen von Frauen, die von ihren (Ex)Partnern getötet wurden: „Frauenmord: Von ihren Männern getötet“, Elisabeth Rather und Michael Schlegel, ZEIT, 04.12.2019

Und wer jetzt allen Ernstes noch lachen kann und fröhlich schwarzhumorig im Takt des „Freundin in der Tiefkühltruhen“ Songs klatscht: Bitte schaltet mal euer Herz ein, BANAUSEN! Das sind echte Fälle, echte Menschen, echte Morde und der Femizid-Song hat mit Kunst nichts zu tun.

Wir haben ein Problem, ein verdammt großes Problem und ihr seid Teil des Problems, wenn ihr es nicht seht und nichts tut. Femizide sind Realität, sie sind kein Witz!

Kareen Armbruster: „Das Vorlesen der Mordmeldungen ist eine tapfere und bewegende Aktion. Ich habe es nur bis zum 47. Fall ausgehalten. Wie schnell überfliegen wir häufig, kühl bleibend, solche Meldungen. Durch das Vorlesen wird jede einzelne Tat in ihrer Ungeheuerlichkeit spürbar und zugleich das mörderische patriarchale Programm des Auslöschens der Nicht dienenden, nicht zur Verfügung stehenden Frau so brutal lebendig. Danke Jorinde. Tapfer.“

@queeriki schreibt auf Instagram: „Danke dafür! Dafür, dass du es (dir) persönlich (vor_) genommen hast – obwohl dies nach wie vor so verpönt ist und immer damit gerechnet werden muss für diese Betroffenheit (zumindest subtil) angeklagt zu werden: Zu sensibel, zu humorlos, zu fantasielos, zu naiv, zu (persönlich) betroffen, zu wenig Abstand wahrend, zu „laut“/offensiv, zu kritisch, zu empfindlich, … breaking the taboo! Danke für deine Empörung, dein Engagement – und diese Dokumentation! Nach wie vor lauert da ja eh so einiges im Schatten des #metoo , der Rattenschwanz der „Kunst“/des „Kunst“betriebs: Die (generell sehr einseitige und konventionelle) Darstellung, Verwertung und/oder Aneignung von Körpern/Personen, (meist binären) Geschlechter/kategorien und Geschichten (u. a. in den „Unterhaltungs“medien) werden so häufig noch unreflektiert und/oder kritiklos hin- und über_nommen, ein paar (mit_) Täter wurden geopfert (und auch dies ja nicht ohne Diskussionen und Abwägungen ob dies nun tatsächlich so sein muss und ob das denn auch wirklich gerechtfertigt wäre…) – aber die eigentliche (übergeordnete?!?) Thematik (die ja eine gesamtgesellschaftliche ist), die zusammenfassend als rape culture benannt werden kann/muss, steht zwar wie der (sprichwörtliche) Elefant im Raum, wird aber weiterhin geflissentlich ignoriert…

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"Petition kritisiert Vergabe des Freiburger Kleinkunstpreises", (Anika Maldacker, Badische Zeitung, 06.12.2019) "Es soll hier nicht gegen Kunstfreiheit gehen, sondern dagegen, dass man mysoginen Gedanken eine Bühne bietet und sie mit Preisen auszeichnet" (Jorinde Wiese) #KeineBühneFürGewalt #Femizid #KeinSpaß #KeineKunst @changeorg_deutschland Statement der Uni Freiburg: „Wir begrüßen und fördern Debatten über Fragen von gesellschaftlicher, kultureller und politischer Relevanz. Die Zeit, in der die Meinungsfreiheit mit Zensur und Verboten eingeschränkt wurde, war das dunkelste Kapitel der Freiburger Universitätsgeschichte.“ 07.12.2019 Liebe Universität Freiburg, Das ist bitte nicht euer Ernst. Die berechtigte Kritik an der Vergabe von zwei Preisen an zwei K(l)einkünstler, die Gewalt an Frauen auf der Bühne lächerlich machen und Themen wie Vergewaltigung und Femizid besingen, wird in Ihrer Stellungnahme nicht nur kleingeredet, sondern Sie stellen meine Petition #KeineBühneFürGewalt in die rechte Ecke. Da passe ich nicht rein und ich widerspreche Ihnen! Gerhard Meyer kommentiert am 07.12.2019 unter das Update zur #KeineBühneFürGewalt Petition: „Eine deutsche UniLeitung reagiert wie die AfD: Wenn mensch ihre Aktionen geißelt und um Abänderung im Sinne der Menschlichkeit nachsucht, kommt die Keule der Meinungsunterdrückung und die „dunkelste Zeit“ als Retourkutsche. Diese Methode ist hinlänglich bekannt. Liebe Uni-Leitung, es ist keine Zensur, jemanden zu sagen, diese Darbietung passt gar nicht in unser Umfeld und es ist kein Verbot, so jemanden gar nicht erst einzuladen. Er darf ja seine Fäkalien sonst überall ungestraft verbreiten. Was Sie betreiben, werteste Uni Freiburg, ist entweder gedankenlose libertäre Anarchie ohne wissenschaftliche Verantwortung oder, und das wäre furchtbar, die Verbreitung frauen- und damit menschenfeindlicher Ansichten durch humorpopulistische kleine Künstler."

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Ein herzliches Dankeschön an alle Unterstützer*innen der #KeineBühneFürGewalt Petition! Wir sind mittlerweile über 30.000 und werden täglich mehr. Hier ist ein kleiner Auszug der öffentlichen Kommentare:

Gunnar De-Bruer: „Ich bin völlig angewidert von solch pervertierten Dingen, was kommt denn als nächstes ?! Ein Preis für 10 fachen Mord, oder wer hat am übelsten Gemordet und bekommt dafür den Preis für den schönsten Massenmörder der letzten zwei Jahre ?! Ich hoffe doch sehr das die Verantwortlichen eines Tages für diese Sauereien zur Rechenschaft gezogen werden und dass knall hart !!!“

Marion Ahl: „Unfassbar. Weil viele Männer mit kleinem Ego nicht ertragen können, sitzengelassen oder betrogen zu werden, maßen sie sich an, das Leben ihrer einstigen „Geliebten“ auszulöschen (was Frauen auch ständig passiert, ohne dass sie im Umkehrschluss ihren Partner/Expartner dafür töten). Selbst wenn enttäuschte Liebe in Hass umschlägt, gibt das keinem Menschen das Recht, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen. Dies zu veralbern oder mit in Songtexten festgehaltenen absurden Ideen verirrte Geister möglicherweise zu solchen Handlungen anzuregen, ist mehr als geschmacklos. Wenn es nicht traurige Realität wäre, müssten wir diese Petition nicht unterstützen.“

Ursula Nöthen: „Eine renommierte Universität und dann sowas! Ich war entsetzt, als ich die Songtexte gelesen habe. Wie konnte im Namen der Uni so ein Faux Pas passieren? Unfassbar!“

c.adlow: „Leute, Leute, Leute. Wer hat denn so etwas „durchgewunken“. Es sollte doch mittlerweile allen klar sein, das die besten Freunde von Kollegah und Farid Bang nicht auch noch ausgezeichnet werden. Und dann noch von Akademikern. Das ist ohne Worte.“

Antonia von Fürstenberg: „Für so was Dummes und Ekliges gibt es an der Uni Freiburg Preise? Habt ihr nichts besseres? Intelligenter, witziger, kunstfertiger, politischer statt dieses dumpfe Stammtischgegröle von gewaltbereiten Möchtegernmachos?“

Anette Pollmer: „Auf was wird denn bei der Preisverleihung eigentlich geachtet? Auf den Liedtext wohl nicht. Armutszeugnis der Uni.“

Christine Neidhardt: „Geschmacklos und keineswegs vorbildlich!! Die Uni Freiburg sollte mal ihre Wertvorstellungen von Frauen überprüfen!!!“

Karin Schnitzlein-Liebhäuser: „Ich hasse diese Verherrlichung von Feminizid und Vergewaltigung. Der Preis zeigt jedoch, wessen Geistes Kind die Zuständigen der Uni Freiburg sind. Frau beachte auch diesen Satz: Er wendet sich gegen jede Form von Intoleranz, Antisemitismus, Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, Populismus und Rassismus. Sexismus ist nicht dabei. Was sollen wir also erwarten?“

Lisa Z.: „(…) Erinnert mich stark an den Integrationspreis für Bushido.“

Karl-Heinz Knauß: „Wer so ein Gedankengut in die Welt setzt dem fließt wirklich die Scheiße durchs Hirn. Voller Hochachtung dürfen wir nie vergessen was unsere Mütter für uns getan haben. Frauen als Objekt der Lustbefriedigung zu degradieren ist wirklich pervers! (…)“

Petra Köthke: „Ich unterstütze die Petition , weil ich Gewalt gegen Frauen und Mädchen verabscheue und es alles andere ist , als künstlerische Freiheit…..es ist widerlich und abstoßend.“

Ursula Neuss: „Ich unterschreibe, weil solche Witze deplatziert sind und gewaltbereite Sexualität verherrlichen.“

Vera Pedersen: „Das ist ja unglaublich, dass jemand für so einen Text auch noch einen kleinkunstpreis erhält?!?!? Geht es noch!!!!!! Lustig ist anders, nämlich, wenn auch Frauen darüber lachen können. Dieser Text ist ja eine Einladung für Männer, Frauen Gewalt anzutun und sie anschließend noch zu verhöhnen. Daumen runter für solche Art von künstlerischer Intelligenz und Darstellung!!!!!!!“

Ekkard Heydenreich: „Die Welt kann diese Menschen verachtenden nicht wirklich brauchen. Wie kann man auf die Idee kommen, das auch noch zu prämieren?
Das würde ich gerne ganz explizit erklärt bekommen. Was ist das für eine Jury ?“

Andreas Fritzsch: „Abgesehen davon, dass ich gegen Gewaltausübung jeglicher Art bin… Ich verstehe nicht, wie man für derart besch… (Entschuldigung!) Texte überhaupt irgendeinen Preis vergeben kann. Das sind Texte fürs Klopapier von Machos, bestenfalls…“