Über Jorinde Wiese

Ich studiere Sinologie in Freiburg und schreibe über die bisherigen Erfolge beim Chinesisch Lernen. Außerdem habe ich vielen Tabus den Kampf angesagt und schreibe deshalb auch über die Klitoris und andere schöne Dinge. Viel Spaß beim Lesen!

D’Schanett vo Oerlikon (Jeanne d’Orléans)

Grüezi zusammen,

In der Schweiz will die Journalistin Michèle Binswanger ein Buchprojekt schreiben, in dem sie über die Vorfälle der Zuger „Landammanfeier“ schreiben will, bei der es zu einer mutmaßlichen Vergewaltigung der damaligen Grünen Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin kam. Ein Gericht entschied Spiess-Hegglin habe sich als Opfer einer Gewalttat sehen dürfen und sie habe nie gelogen. Der Fall kam durch ungeklärte Quellen an die Medien und wurde in hunderten Artikeln mit unzähligen widerlegbaren Falschbehauptungen und Persönlichkeitverletzungen veröffentlicht. Es war die größte Medienaffäre der Schweiz.

Frau Michèle Binswanger äußerte sich in den letzten Jahren mehrfach zu dem Fall, unter anderem mit Falschbehauptungen. Momentan kämpft sie für das Recht in einem Buch über diesen Fall die Privatsphäre von Jolanda Spiess-Hegglin zu verletzen. Frau Binswanger nennt sich ganz unironisch auf Twitter die Jeanne d’Arc der Pressefreiheit. Ich habe die Verfilmung von Jeanne d’Arc gesehen und viele spannende Parallelen gefunden:

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Ein Brief an eine bekannte Schweizer Journalistin: "Liebe Frau Binswanger, I BIMS! Jorinde Wiese, die Sie heute (vielen lieben Dank welche Ehre! ❤) erfolgreich auf Twitter blockiert haben. Sie bezeichnen sich aktuell auf Twitter als die "Jeanne d'Arc" der Pressefreiheit und wollen Ihre journalistische Kompetenz mit einem Buchprojekt unter Beweis stellen, in dem Sie den Fall von Jolanda Spiess-Hegglin neu beleuchten. Nun, mal angenommen Gott hat Ihnen etwas ins Ohr geflüstert, so wie damals der Schanett vo Oerlikon, äh ne der Jeanne d'Oerléans meine ich natürlich… exgusé! 😅 Also mal angenommen Gott BLICKT voll durch in dem Fall. Gott weiß genau Bescheid was abgelaufen ist an dem Abend, an dem es zu einer mutmaßligen Vergewaltigung unter mutmaßlichen K.O. Tropfen gekommen ist. Gott weiß auch warum es zu mutmaßlichen Fehlern im Krankenhaus und zu mutmaßlichen Fehlern der Justiz kam. Und Gott flüstert Ihnen all das ins Ohr, damit Sie so wie die französische Nationalheldin Ihre Mission erfüllen können… dann berechtigt Sie das alles immer noch nicht dazu, die Privatsphäre von Jolanda zu verletzen und die Intimsphäre der Betroffenen zu missachten. Ich weiß nicht warum Sie sich persönlich seit Jahren in dem Fall von Jolanda nicht weitergebildet haben. Es ist offensichtlich, dass Sie (warum auch immer!) ein Problem mit Jolanda haben und nicht locker lassen, während Sie sich total in Falschbehauptungen verrennen. Es ist noch nicht zu spät damit aufzuhören. Bitte lassen Sie das mit dem Buch bleiben. Das ist keine Einschränkung der Pressefreiheit. Das nennt man Anstand. Und mal ganz unter uns, die Geschichte der echten Jeanne d'Arc geht nach vielen großen, teilweise sehr blutigen Schlachten sehr schlecht aus für sie. Ganz am Ende sagt Jeanne d'Arc in ihrer letzten Beichte selbst: "Ich habe viele Zeichen gesehen, die Zeichen die ich sehen wollte. Ich habe aus Rache gekämpft und Hoffnungslosigkeit. Ich war alles was Menschen denken, sie dürften es sein, wenn sie für eine Sache kämpfen. Ich war arrogant, stur, egoistisch und grausam." Liebe Grüße, Jorinde Wiese P.S. Die Filmkritik von Jeanne d'Arc alias die "Schanett vo Oerlikon" war toll, oder? @elastigirl72

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Das epische Drama von Schanett und den Rüpelknaben ist hier zu hören:

(Quelle: Youtube)

Sagenhafte Erzählung d’Schanett vo Oerlikon: In einer Zeit weit vor Corona, als der Michel und der Ruedi und die Vreni und die Kathrin nichts von Social Distancing wussten, da gab es ein junges Mädchen Namens Schanett. Schanett war schon immer sehr aufgestellt gewesen und fragte für ihr Alter ungewöhnlich intelligente Fragen. Sie löcherte die Erwachsenen regelrecht damit, sodass Michel und die Kathrin oft sagten: „Schanett kannst du nicht ein einziges Mal still sein?“

Aber Schanett war nicht still und so kam es, dass sie bei der Hofzeitung die Krone Karriere machte. An einem kalten Dezember Abend, das Jahre 1414 neigte sich gerade dem Ende zu, hörte Schanett zum ersten Mal von den Begebenheiten der Oerliker Ammanland Feier. Für Schanett war es von Anfang an eine klare Sache. Was sich dort auf der Ammanland Feier zugetragen hatte, war ohne jeden Zweifel auf dem Mist der Gräfin Jolinda von Sposs-Hagglin gewachsen. Sposs-Hagglin, die in leibärztlicher Behandlung war, wurde nach dem Vorfall der Ammanlandfeier von einer neu angelernten Zofe untersucht, die sich erst stundenlang im Schloss verirrte, bevor sie Beweisbilder machte ohne die Kamera einzuschalten.

Gegen Sposs-Hagglins Willen bekam die königliche Nationalpresse gleich nach der Leibärztlichen Untersuchung Wind davon und eine Schlammschlacht ohne Gleichen nahm ihren Lauf. Es nimmt einen Wunder warum Schanett in diesem Fall ihre Gabe des kritischen Hinterfragens verlernt hatte, sondern so wie ihr großes Vorbild Jeanne d’Arc nur die Version sah, die sie sehen wollte. Doch Schanett fragte sich das nicht, sie blieb felsenfest auf ihrem Holzpfad und ließ sich von nichts und niemandem davon abbringen. Die Jahre strichen ins Land und wurde Gräfin Jolinda von Sposs-Hagglin zu Beginn noch in einem vergitterten Wagen durchs Land gezogen, während jodlende Eidgenossen verfaulte Eier auf sie warfen und sich daran ergötzten, bekam sie zum Erstaunen vieler Recht gesprochen vor Gericht.

Sie habe sich als Opfer einer Gewalttat bei besagter Ammanlandfeier sehen können und sie habe nie gelogen. So die Geschworenen. Das passte einigen hohen Beamten so gar nicht in den Kram. Philippus Bös, stellvertretender Chefredakteur der Zeitung Wochus mundi verlor gar vor Gericht und wurde wegen übler Nachrede und Ehrverletzung im Fall Sposs-Hagglin verurteilt. Und was machte Schanett? Nun Schanett hatte nach mehreren Artikeln selbst nach der Verurteilung des Philippus Bös von Wochus mundi kein Einsehen. Für Schanett war die Sache klar wie Binsensuppe. Sposs-Hagglin so deuchte es ihr war nicht wie das Gericht bestätigt hatte Opfer geworden, nein sie war schuldig in eigener Sache. Doch das sahen bei weitem nicht alle so!Auffällig waren all die Jolinda Doubles, welche auf der Plattform „Vogelgezwitscher“ stets Partei für Jolinda Sposs-Hagglin ergriffen.

Sie erfanden den Hashtag #IchbineineJolanda und verspotteten damit Schanetts hellseherischen Fähigkeiten, dass es nur so wuffte. In einer Nacht bei klarem Sternenhimmel hatte Schanett Visionen. Sie müsse nach Oerlikon und die Stadt von den abgerichteten wuffenden Jolinda Doubles befreien und die Wahrheit ans Licht bringen! Am nächsten morgen ritt Schanett mit Lanze und Schwert bewaffnet gen Oerlikon.

Zur Seite standen ihr die treuen Schlimmerlinge Philippus Bös, Valentius Fidelius, Alexandrus Baurus und Andi Cervelantus und Kurtus W. homme de chambre. Die Schlacht der Schlimmerlinge hätte epischer nicht sein können mit viel Gerachkakaklirr Gerumms und Gebumms zerlegten die Rüpelknaben alles was sich ihnen in den Weg stellte. Kurz vor Oerlikon stellte sich ihnen jedoch eine schillernde Fee in den Weg und schrie aus vollem Kehlchen: I BIMS!

Da blieben die vermaledeiten Rüpelknaben mit Ross und Reiter*in stehen und Schanett sagte: „Ich chum nöd drus.“ Da antwortete die Fee, welche die Form von hunderten glitzernden Jolindas angenommen hatte: „Dann bleib doch drin! Wenn du aber aus der Geschichte rauskommen willst – du weißt, wo du uns findest.“ Schanett und die Rüpelknaben zogen von dannen und aßen Fondue und Cervelat und wenn sie nicht gestorben sind, dann rüpeln sie noch heute.

Vielen Dank an alle Jolandas da draußen, ohne euch wäre der Kampf gegen die Rüpelknaben und Schanetts Schnapsidee nur halb so witzig!

Jorinde Wiese

 

Die VULVA und die CDU

Moin! Folgender Artikel ist keine Satire. Manchmal ist die Realität lustiger als alles was man sich so ausdenken kann. Wie die CDU auf die Vulva kam, könnt ihr hier lesen:

„Die CDU Mönchengladbach möchte dem Köntges beantragte Fördermittel u.a. deshalb nicht zur Verfügung stellen, weil wir dort im Rahmen unseres feministischen Festivals Femtastic über Vulven gesprochen haben. Sie möchten nicht, dass weiterhin derart aufklärerische Vorträge dort gehalten werden.
Wir finden, dass das gesetzlich geschütze recht auf sexuelle Selbstbestimmung unbedingt mit dem Wissen über den eigenen Körper einhergehen muss!
Der folgende Videobeitrag der wunderbaren Referentin Jorinde Wiese ist eine erste öffentliche Stellungnahme zu unserer Pressemitteilung von heute Mittag. Vielen Herzlichen Dank dafür! (…) Der eingetragene Verein initiative altstadt mönchengladbach mit seinem Ladenlokal, dem Köntges, bereichert seit mehreren Jahren nicht nur das Quartier von der Waldhausener Straße aus, sondern auch die Gladbacher Kunst- und Kulturszene. Menschen verschiedenster Hintergründe und Weltanschauungen sind im Köntges zu Gast oder nehmen an Veranstaltungen der Altstadtinitiative teil.“

Hier der Link zur vollständigen Pressemitteilung:
https://www.facebook.com/fAktMG/posts/855275408283867?__tn__=K-R-R

Die Vulva macht der CDU Angst. Anscheinend werden durch die Vulva demokratische Werte gefährdet. Nur was ist an Aufklärungsarbeit antidemokratisch und was ist an der Vulva links, ist die nicht eher so mittig?

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Guten Tag, Mein Name ist Jorinde Wiese, Als Mitglied der Grünen und Aktivistin kann ich Ihnen versichern die Vulva ist nicht linksextrem, sie ist ehrlich gesagt ziemlich mittig. Wer sexuelle Aufklärungsarbeit verhindert nimmt in Kauf, dass es zu mehr sexualisierter Gewalt wie Missbrauch und Vergewaltigungen kommt und dass Menschen keine lustvolle und schamfreie Sexualität leben können. Schlechte Aufklärung bedingt Gewalt. Das kann ich Ihnen als Opfer von einer Vergewaltigung leider aus erster Hand sagen. Ich engagiere mich neben meinem Studium in der Politik und setze mich für mehr medizinische Aufklärung ein, weil ich verstanden habe, dass Aufklärung ein sehr wichtiger Teil der Gewaltprävention ist. Die Vulva kam am 15.05.2020 zur besten Sendezeit in der Wissenssendung Scobel. In dieser Dokumentation sagten mehrere Fachärzte, dass die Vulva und die Klitoris die mit am schlechtesten erforschte Körperteil des Menschen ist. Die Nervenbahnen der Klitoris sind noch immer nicht in der medizinischen Fachliteratur angekommen, geschweigedenn wird das Organ selbstverständlich vollständig (7-12 cm) gezeichnet, sondern als kleiner Wurmfortsatz. Das ist ein wissenschaftlicher Skandal! Im Anschluss zur Sendung folgte eine Anschlussdiskussion mit Dr. Mithu Sanyal, die ihre Doktorarbeit über die Kulturgeschichte der Vulva geschrieben hat. Wer die Vulva kleinredet, oder lächerlich macht, verkennt, dass wir in einer Welt leben in der 200.000 Millionen Mädchen und Frauen weltweit mit Genitalverstümmelung leben und die Intimchirurgie in westlichen Ländern einen regelrechten Boom erlebt. Die NHS (National Health Service) zählt in England einen starken Anstieg der «Schöhnheitsoperationen» an Vulven junger Mädchen unter 18 Jahre. Die jüngste Patientin aus Deutschland war 9 Jahre. Weltweit besteht nicht erst seit Trumps «Grab them by the pussy» eine protestierende, aufklärende Bewegung für die Selbstbestimmung von Frauen, trans, inter und nicht binären Menschen über ihren Körper und ihre Sexualität. Sie alle hier sind durch eine Vagina und Vulva auf die Welt gekommen, aber könnten sie eine zeichnen? Nein? Was ist mit der Klitoris?

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Aufklärung braucht es nicht, ja?

Hätten die Herren der CDU denn ein Klitoris 3D Modell erkannt? Haben Sie am 15.05.2020 die Sendung Scobel im 3sat „Vulva: Lust und Tabu“ verpasst? Wussten Sie, dass die Klitoris 1998 von der australischen Urologin Dr. Helen O’Connell neu entdeckt wurde?

Schauen Sie mal, die Vulva hat es ganz ohne Probleme in die Badische Zeitung „Mythos Jungfernhäutchen – ein Trugbild sitzt tief“ geschafft und wissen Sie warum? Weil Aufklärungsarbeit sehr wichtig ist. Ich habe schon lange #KeinBockaufMythen und setze mich für mehr Aufklärung ein!

Ganz ehrlich, was auch immer Ihnen Angst gemacht an der Vulva, warum sie gefährlich sein soll und gegen demokratische Werte ist, habe ich bis jetzt nicht begriffen… Es gibt keinen Grund Aufklärungsarbeit zu verbieten und Gelder zu streichen.

Jorinde Wiese

 

KiWi und die „Vergewaltigungslyrik“

Lindemann2

Nina Fuchs setzt sich gegen K.o. Tropfen ein und hat eine Petition gestartet um für ihr Verfahren zu kämpfen, welches eingestellt werden sollte, obwohl es DNA-Beweise im Falle ihrer Vergewaltigung gab. Im aktuellen Petitionsupdate schreibt sie am 11. April 2020:

„Liebe Unterstützer*innen,

ihr habt vielleicht auch im Laufe der Woche die Debatte um das Vergwaltigungsgedicht von Rammstein-Sänger Till Lindemann verfolgt. Das Gedicht beschreibt auf eine verherrlichende und beschönigende Weise eine Vergewaltigung unter dem Einfluss von K.-o.-Tropfen. Wie ihr alle wisst, ist mir genau das passiert und ein solches Gedicht löst bei mir neben absolutem Unverständnis vor allem Wut aus. Wut darüber, dass die Gefühle der zahlreichen Opfer von sexualisierter Gewalt einfach keine Priorität haben, Wut darüber, dass hier eine Rape Culture gefördert und salonfähig gemacht wird, und vor allem Wut darüber, dass das Ganze mit Kunstfreiheit gerechtfertigt wird. Ich habe einen offenen Brief an den Autor, den Herausgeber und den Verleger geschrieben und eine Woche lang vergeblich versucht, eine Zeitung zu finden, die ihn publiziert. Es hat mich sehr traurig gemacht, dass niemand bereit war, diesen Brief abzudrucken, und möchte jetzt meine kleine Plattform hier nutzen und den Brief selbst veröffentlichen:

Offener Brief an den Autor Till Lindemann, den Herausgeber Alexander Gorkow (Süddeutsche Zeitung) und Helge Malchow, stellvertretend für den Verlag Kiepenheuer & Witsch (KiWi)

Sehr geehrte Herren Lindemann, Gorkow und Malchow,

wie Ihnen sicherlich nicht entgangen ist, findet derzeit eine hitzige Diskussion im Netz statt. Grund dafür ist der von Ihnen, Herr Lindemann, geschriebene Gedichtband „100 Gedichte“, der wiederum bei Ihnen, Herr Malchow, im Verlag Kiepenheuer & Witsch (KiWi) erschienen ist und von Ihnen, Herr Gorkow, herausgegeben wurde. Genauer gesagt ist der Grund dafür ein bestimmtes Gedicht aus diesem Buch, das auf eine verherrlichende Art und Weise eine Vergewaltigung unter K-o.-Tropfen schildert und welches mit dem Schlusssatz endet: „Und du schläfst / es ist ein Segen“ (aus „Wenn du schläfst“).

Nun kann ich Ihnen als eine Frau, die exakt das von Ihnen, Herr Lindemann, beschriebene Szenario der Vergewaltigung unter K.-o.-Tropfen selbst erlebt hat, aus eigener Erfahrung versichern: Es ist KEIN Segen! Im Gegenteil. Es gehört zu den wohl schrecklichsten Erfahrungen, die ein Mensch in seinem Leben machen kann, und ist in höchstem Maße traumatisierend. Aber damit ist der Alptraum ja nicht zu Ende. Nein, eigentlich beginnt er da erst so richtig. Wir leben nämlich in einer Gesellschaft, in der Opfern nicht geglaubt wird und ihnen sogar eine Mitschuld zugesprochen wird, in der Täter kaum vor Gericht gestellt werden oder im Falle eines tatsächlichen Prozesses, freigesprochen werden oder mit lachhaft niedrigen Strafen davonkommen. Und wir leben in einer Gesellschaft, in der Frauen auf widerliche, sexistische Weise in Rap-Songs entwürdigt und beleidigt werden (zahlreiche Beispiele finden Sie im Rahmen der #UnhateWomen-Kampagne, hier nur eines davon: „Baller der Alten Drogen ins Glas, Hauptsache Joe hat seinen Spaß“, Bonez MC & Gzuz, „Lebenslauf“); in einer Gesellschaft, in der unter dem Deckmäntelchen der Kunstfreiheit Gedichtbände erscheinen, deren Inhalt Opfer von sexualisierter Gewalt durch die beschönigende Darstellung einer Vergewaltigung nicht nur absolut verhöhnt, sondern bei ihnen auch eine Retraumatisierung auslöst, was aber von Ihrer Seite billigend in Kauf genommen wird.

Sie, Herr Malchow, erklären in der Stellungnahme Ihres Verlages, dass die moralische Empörung über den Text dieses Gedichts auf einer Verwechslung des fiktionalen Sprechers, dem sogenannten „lyrischen Ich“ mit dem Autor Till Lindemann basiere. Tatsächlich ist es aber total irrelevant, ob ein „lyrisches Ich“ oder ein Herr Lindemann diese Rape Culture verherrlicht und propagiert. Vergewaltigungsliteratur salonfähig machen – ist das das Ziel? Ich kann mich folgenden Worten von Carolina Schwarz (TAZ, Online-Artikel „Vergewaltigungen sind keine Poesie“ vom 3.4.2020) nur anschließen: „Dass aber ein etablierter Verlag und ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung denken, diesem gewaltverherrlichendem Text zu großer Öffentlichkeit verhelfen zu müssen, ist enttäuschend. Nach der seit mehr als zwei Jahren anhaltenden #MeToo-Bewegung hätte man sich gewünscht, man wäre gesellschaftlich schon weiter.“

Es macht mich in gleichem Maße wütend und traurig, dass ich hier sitzen und Ihnen allen Ernstes erklären muss, dass Vergewaltigungen bitterste Realität und keine Poesie sind, dass Sie mit Ihrer sog. Kunst ein Bewusstsein in unserer Gesellschaft etablieren, das Gewalt gegen Frauen noch weiter begünstigt, dass Ihr unverantwortliches und fahrlässiges Handeln Konsequenzen für Betroffene hat, dass Ihre traurigen Rechtfertigungen, Ihre Verharmlosungen und Ihre fehlenden Entschuldigungen alles nur noch schlimmer machen und dass Ihre frauenfeindliche und frauenverachtende Haltung zutiefst verletzend ist.

Aber offensichtlich musste es gesagt werden. Und ich hoffe sehr, dass es auch gehört und verstanden wird.

Ich appelliere an Ihren Mut, sich Fehler einzugestehen und sich zu entschuldigen.

Freundliche Grüße
Nina Fuchs“

Lindemann3

Der 🥝 KiWi Verlag reagiert mit einer Stellungnahme am 09.04.2020

Quelle: Twitter @KiWi_Verlag

Das ist ein guter Anfang, aber es reicht nicht.

Sehr geehrte Frau Gleba,

Sie verteidigen mit dieser Stellungname für den KiWi Verlag nicht die Freiheit der Kunst. Sie verteidigen den Autor Till Lindemann, der „Vergewaltigungslyrik“ schreibt. Sie verteidigen Helge Malchow editor-at-large, der das kleine Einmaleins des #LyrischenIchAmArsch auspackte, als er mit Kritik konfrontiert wurde. Sie verteidigen nicht die Kunst und auch nicht die Freiheit der Kunst. Es ist keine Kunst sexualisierte Gewalt zu verherrlichen. Es verteidigt auch keine Freiheit, sie in Form eines „Gedichtes“ in einem Gedichtband zu veröffentlichen.

Es setzt ein Zeichen für Opfer und Betroffene sexualisierter Gewalt: Wir (als Verlag) bieten der Verherrlichung einer Vergewaltigung unter K.o. Tropfen aus Täterperspektive eine Plattform. Wir verteidigen das, weil lyrisches Ich ist ja nicht gleich Autor.

Kennste kennste kennste?

Zitat aus der Stellungnahme: „Er (Till Lindemann) untersucht in vielen seiner Texten und Inszenierungen (…) als Lyriker, Phänomene der Gewalt und der toxischen Männlichkeit und stellt sie in überzeichneter, greller, mal satirischer, mal brutaler Manier in seiner Kunst zur Schau, so auch immer wieder in seinem Gedichtband „100 Gedichte“.

Nein. Das lyrische Ich des Till Lindemanns beschreibt verherrlichend die Vergewaltigung einer Person unter K.o. Tropfen. Das ist keine Satire. Das ist keine brutale Manier. Das ist widerlich. Es ist menschenverachtend. Es ist frauenverachtend, denn der Großteil der K.o. Tropfen Opfer sind Frauen.

Indem Sie diese „Vergewaltigungslyrik“ weiterhin als Kunst bezeichnen, verharmlosen Sie den Inhalt. Warum schreiben Sie: „Sexualisierte Gewalt gegen Frauen gehört benannt und bekämpft.„, machen aber de facto nichts in diese Richtung? Warum benennen Sie nicht was schief gelaufen ist? Warum bekämpfen Sie sexualisierte Gewalt nicht aktiv?

Wir als Aktivist*innen tun das und es macht keinen Spaß. Es ist anstrengend, macht Trauma wach, raubt uns wertvolle Stunden und Energie!
Warum übernehmen Sie als Verlegerin nicht die Verantwortung? Warum haben Sie nicht den Mut zu sagen: „Die gereimte Verherrlichung einer Vergewaltigung unter K.o. Tropfen, geschrieben von Till Lindemann, erzählt von einem misogynen lyrischen Ich akzeptieren wir nicht und wir verurteilen sie.

Warum schreiben Sie nicht, wie bereits in Ihrem letzten Statement geschrieben: „Als Verlag verteidigen wir die Freiheit der Kunst, auch moralisch verwerfliche, abgründige Gefühls- und Gedankenwelten auszuloten und zum Ausdruck zu bringen.“ Und fügen hinzu:

Wir verteidigen die Menschenrechte, wir unterstützen den Kampf gegen Gewalt, wir tragen dazu bei, dass die #RapeCulture in unserer Gesellschaft benannt wird und unterstützen diese nicht. Wenn etwas gegen diese Grundwerte verstößt wie die Verherrlichung einer Vergewaltigung, wie die Verherrlichung von Kindesmissbrauch, wie die Verherrlichung von Rassismus, Antisemitismus, Transfeindlichkeit und Homofeindlichkeit, dann entscheiden wir uns gegen diesen Inhalt. Warum tun Sie das nicht?

Quelle: Twitter @Fortunately1 )

Kiwiesk 🥝 ist es sexualisierte Gewalt klein zu reden und weiterhin als Kunst zu verkaufen.

Kiwiesk 🥝 ist es das lyrische Ich auszupacken und den Kritiker*innen vor die Füße zu klatschen.

Kiwiesk 🥝 ist es zu sagen, dass Gewalt gegen Frauen benannt und thematisiert werden soll, aber de facto nichts in diese Richtung zu tun.

Kiwiesk 🥝 ist es die Verherrlichung einer Vergewaltigung unter K.o. Tropfen zu drucken und danach zu sagen der Autor würde sich mit Phänomenen toxischer Männlichkeit „beschäftigen“.

Kiwiesk 🥝 ist es erst den Editor-at-large (Helge Malchow) sprechen zu lassen mit einer Stellungnahme und danach die Verlegerin vorzuschicken, um die Kritik flach zu bügeln.

Kiwiesk 🥝 ist es keine Konsequenzen anzukündigen, sondern in Zukunft zu „diskutieren“.

Kiwiesk 🥝 ist es zu betonen, dass sich die Rezeption von sexualisierter Gewalt in der Kunst geändert habe, so als ob das überraschend sei.

Kiwiesk 🥝 ist es zu behaupten man verteidige die Freiheit der Kunst, wenn man in Wirklichkeit einen Autor (Till Lindemann), einen Editor-at-large (Helge Malchow) und ein dahergelaufenes, misogynes, schlecht reimendes lyrisches Ich verteidigt, aber frohe Ostern und so.

#LyrischesIchAmArsch

LyrischesIch

 

#Lindemann Lyrisches Ich am Arsch

Der KiWi Verlag veröffentlichte das Gedicht des *hust* „Poeten“ Till Lindemann in dem eine Vergewaltigung einer Person unter K.o. Tropfen verherrlicht wird. Hier ist der originale Text, ihm wurde bereits genug Plattform geboten, daher verlinke ich den Text nur.

Lorenz Meier schrieb am 2. April 2020 auf Facebook folgende Zeilen und trat damit eine breite Diskussion des Themas los:

Lieber Verlag Kiepenheuer & Witsch,
ich frage mich, wie man drauf sein muss, dass man diese in Pseudo-Lyrik gegossene Vergewaltigungsfantasien eines widerlichen Provozier-Primitivlings ins Programm nimmt.

Und nein, lügt uns jetzt nichts in gestelzten Worten was vor von der „Kunstfreiheit“ und dem „grundgesetzlich garantierten Recht auf freien künstlerischen Ausdruck“. Darum geht es Euch nicht!

Ihr wollt einfach nur Kasse machen mit dem berühmten Namen des Rammstein-Sängers. Und da ist Euch anscheinend jedes Mittel Recht. Sogar, dass Ihr den guten Ruf Eures Verlags mit dieser frauenfeindlichen, gewaltverherrlichenden und sexistischen Kackscheiße besudelt.

Und klar: Wahrscheinlich habt Ihr schlauen Verlagsstrategen die Empörung schon mit eingepreist und wertet sie als „positive Aufmerksamkeit“ oder „kostenlose Werbung“. Möget Ihr Euch verrechnet haben.

Mit unfreundlichen Grüßen
LM

Auf Kritik an dem Inhalt des Gedichts „Wenn du schläfst“ von Till Lindemann fand der KiWi Verlag kein besseres Argument als: Mensch seid ihr alle doof, wisst ihr denn nicht, dass der Autor und das lyrische Ich nicht eins sind?

(Quelle: Twitter @KiWi_Verlag)

Thema verfehlt.

(Quelle: Twitter @jorinde_wiese)

LyrischesIch

Lyrisches Ich am Arsch. Wissen Sie ich bin nicht dumm. Im Gegensatz zu den Lindemanns, Wagners und Dörings dieser Welt verstehe ich, dass das „lyrische Ich“ kein Freifahrtschein für die Verherrlichung von Gewalt ist, für Rassismus/Antisemitismus/Trans- und Homofeindlichkeit. Ich verstehe im Gegensatz zu den Herren, dass die Kunst frei ist und das auch bleibt. Sie alle dürfen ihre Inhalt ja erfolgreich veröffentlichen. Ich verstehe darüber hinaus, dass es ein wichtiger Bestandteil von Kunstfreiheit ist sie dafür zu nutzen um Missstände anzuprangern und Kritik an herrschenden Machtverhältnissen zu üben. Und Kunstkritik gehört zur Kunst dazu.

Ich bin nicht so naiv und setze das „lyrische Ich“ mit dem Autor gleich. Nur befreit es den Autor ja nicht davor sich Kritik zu stellen, wenn er Texte schreibt in denen Gewalt verherrlicht wird und in denen sein ach so tolles „lyrisches Ich“ noch nicht mal Abstand davon nimmt und es in diesen Texten keinen erkenntlichen Bruch gibt, es keine Satire ist und kein schwarzer Humor. Wenn all diese Dinge nicht erfüllt sind, dann ist es ganz einfach eine Beschreibung von einer Vergewaltigung/Femizid mit Reimen und Zeilenumbrüchen. Herzlichen Glückwunsch die Herren Lindemann, Wagner und Döring. Mann nennt es (noch) Kunst bzw. K(l)einkunst was Sie da fabrizieren. Wie lange noch?

Gabriele-Sabrina Bichler schreibt öffentlich auf Facebook: „Vergewaltigung ist keine Fantasie, sie ist keine Kunst. Vergewaltigung ist Gewalt. Vergewaltigung ist real. K.o. Tropfen sind eine der gefährlichsten Substanzen, sie führen zu Muskellähmung und Atemnot, sie sind tödlich. Punkt. Ende der Diskussion. Nein, nicht wir verwechseln den fiktionalen Sprecher mit dem Autor, ihr verwechselt Kunst mit Gewalt! Ich gehe jetzt erst mal kotzen. Dazu war ich übrigens damals nicht mehr fähig, als man mir K.o. Tropfen gab. Meine Freundinnen haben mich nach Hause gebracht. Gottseidank.

(Quelle: Twitter @HatinJuce)

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My first time on a stage with a microphone in my hands… gosh, was I nervous! Even though I'm not entirely happy with my speech, I'm still proud that I had the courage to go on the stage and talk about topics that are so important – topics like sexual violence, the shortcomings of the law, the way victims are treated and the need for a consent culture. I would like to make people realise that we urgently need to make changes and that we are able to make these changes – together! I will keep fighting to make the situation for women in Germany at least a tiny bit better. @one_billion_rising #onebillionrising #onebillionrisinggermany #onebillionrisingwiesbaden #againstviolenceonwomen #consentculture #keepfighting #feminist #speakup #bestrong #onlyyesmeansyes #againstsexualviolence

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(Quelle: Instagram @ninuschka22)

Till Lindemann wäre ein sehr geeigneten Preisträger für den nächste Freiburger K(l)einkunstpreis. Er kann ja sogar singen und wie sollte man sonst die Ankündigung einer oralen Vergewaltigung „dass du nicht mehr so rumzickst und endlich mit mir (fickst) dass du heute nicht mehr schläfst und mir endlich einen (bläst)“ (Florian Wagner, 1.Platz 2018) und ein Femizid-Lied „Freundin in der Tiefkühltruhe“ (Alex Döring 3. Platz 2019) noch toppen?

Vergewaltigungen sind keine Kunst. Wissen Sie was Lindemann, Wagner und Döring verbindet? Alle drei geben Gewalt eine Bühne und scheinen keine besseren Inhalte/Pointen zu haben als sexualisierte Gewalt oder Femizid aus Täterperspektive. Ach nein, Florian Wagner singt neuerdings über Klopapier. Immerhin ein Fortschritt. Alle drei „Künstler“ schreiben schlecht gereimte Texte, die Grundschüler poetischer dichten könnten. Und alle drei werden in Schutz genommen durch den eigenen Verlag, oder eine „Fachjury“ und die Leitung einer Universität.

Welche Werte verteidigen Sie? Die Kunst, die Freiheit und Menschenrechte ganz bestimmt nicht.

#KeinBockaufMythen Schafft den Jungfernhäutchen MYTHOS ab!

Mythos Jungfernhäutchen – ein Trugbild sitzt tief – Badische Zeitung (17.02.2020)

Dieser Essay ist ein Versuch. Ich bin keine Wissenschaftlerin und ich bin keine Medizinerin. Ich bin noch nicht einmal Journalistin, zumindest keine ausgebildete. Ich habe Chinesisch studiert und auch wenn man meinen könnte, das wären keine guten Voraussetzungen um einen Mythos in Form eines Essays abzuschaffen, der seit Jahrhunderten tief in unserer Gesellschaft, Kultur und Medizin verankert ist, muss ich Ihnen sagen: 我可以。Ich kann das.

  • Was es braucht um diesen Mythos abzuschaffen ist die Motivation, dass ich an eine Welt glaube, in der Mädchen und Frauen frei und schamlos ihre Sexualität leben können, ohne dass sie Schlampe, Hure, oder Bitch genannt werden.
  • Ich glaube an eine Welt in der es keine Misogynie mehr gibt, in der trans und non binary Personen anerkannt werden und frei leben können.
  • Ich glaube an eine Welt, in der Frauen nicht mehr verfolgt, oder getötet werden, weil sie Sex vor der Ehe hatten, sich trennen, einen neuen Partner, oder eine Partnerin wählen.

Jorinde_Facebooktitelbild

Ich weiß, dass eine Welt ohne Jungfernhäutchen-Mythos eine Utopie ist, aber aufgeben ist für mich keine Option, dafür ist das Thema viel zu wichtig. Ich habe die #KeinBockaufMythen Petition gestartet um das Thema in die Gesellschaft und in die Politik zu bringen. Seit ich vom Jungfernhäutchen-Mythos gehört habe, habe ich nicht aufgehört zu hinterfragen, wie es zu dem Irrglauben kommt es gäbe ein Häutchen, dass nur Jungfrauen haben und das seine Form verändert, sobald ein Penis penetrant wird.

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Copyright: Zeichnung von Stevens (aus dem Buch „Mødommen“ von Gry Senderovitz) Gipsabdruck von Mirko Hecht (@ishowflagisback)

Ich weiß von was ich spreche, wenn ich „Jungfernhäutchen“ sage. Ich kann diesen Teil meines Körpers lokalisieren, zeichnen und ohne Scham zum Thema machen. Das war viel Arbeit und ich weiß warum diese Arbeit wichtig ist. Ich stelle mich kritisch in der Öffentlichkeit gegen den bekanntesten Intimchirurgen Deutschlands Prof. Dr. Gress, der wie so viele andere auch sogenannte „Hymenrekonstruktionen“ anbietet, schreibe Medizinverlage an und argumentiere mit Frauenrechtsorganisationen wie Terre Des Femmes und Pro Familia, weil ich sehe, dass ihre Fakten beim Thema „Jungfernhäutchen“ nicht mehr aktuell sind. Ich habe Wissen und eine Stimme und ich werde sie nutzen. Ich nehme dabei in Kauf mächtigen Menschen gehörig auf die Füße zu treten und kräftig Gegenwind zu bekommen, sowohl aus der Lobby der Intimchirurgie, als auch aus religiösen Gruppen. Wer den Status quo in Frage stellt und bedingungslos für Menschenrechte einsteht, wird schnell Zielscheibe von verbaler, digitaler und körperlicher Gewalt, vor allem als Frau. Das ist mir bewusst, aber irgendeine muss den Job ja machen.

Der Jungfernhäutchen-Mythos hat mir etwas Grundlegendes gezeigt: Die Unterdrückung von Frauen weltweit basiert auf einem Machtverhältnis, in dem Männer das Sagen haben. Das nennt man Patriarchat. Das Patriarchat hat viele Wurzeln, die es am Leben erhält, eine davon ist der Jungfernhäutchen Mythos. Dadurch, dass der Großteil der Menschen auf dieser Welt immer noch meinen Frauen wären weniger „wert“, wenn sie keine Jungfrau mehr sind, Frauen müssten IMMER bluten beim ersten Mal Geschlechtsverkehr und das Aussehen eines „Jungfernhäutchens“ wäre sowas wie ein „Hatte Sie schon Sex? DNA-Test“, wachsen viele Frauen und Mädchen mit der Angst auf, ihr Hymen könne sichtbar „kaputt“ gehen. Das ist medizinischer Blödsinn, aber er hält sich sehr hartnäckig. Mit diesen Mythen möchte ich aufräumen.

Quelle: Youtube „Can you see if a woman is a virgin? Here’s the truth – Nyheterna“, TV4, 09.10.2015

Ich bin mit dem Thema Jungfernhäutchen-Mythos erst an die Öffentlichkeit gegangen, als ich am eigenen Körper verstanden habe von was ich spreche. Der Heureka-Moment kam in den Osterfeiertagen, als ich grübelnd mit einem Spiegel meine Vulva betrachtete und ziemlich verzweifelt zu Recherchezwecken nach den Schleimhautfalten suchte, die Jungfernhäutchen genannt werden. Das war nicht das erste Mal, dass ich mich auf die Suche nach dem sagenumwobenen „Jungfernhäutchen“ machte. Alle Zeichnungen, die ich in Medizinbüchern fand, halfen mir leider kein bisschen weiter und ich blieb wochenlang ziemlich ratlos. Bis auf diesen einen Moment an Ostern, an dem ich checkte, von was wir hier eigentlich sprechen. Diese kleinen, unscheinbaren Hautfalten, die den Vagina Eingang umranden, kaum sichtbar im entspannten Zustand, waren verantwortlich für so einen Stress, für so eine Angst weltweit?

Bei der Entdeckung des „Jungfernhäutchens“ haben mir die Expertinnen Mithu Sanyal und Gry Senderovitz, jede auf ihre Art und Weise sehr geholfen. Mithu Sanyal beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema und bezeichnet das Jungfernhäutchen treffend als „Here be Dragons“ der Biologie, das „keinen Heiligen Georg realer als der Lindwurm auf alten Landkarten (ist).“ („Jungfernhäutchen verbieten“, Mithu Sanyal, taz, 29.04.2019) Sie ist die einzige Journalistin in Deutschland, die seit Jahren auf dieses Thema aufmerksam macht und daran arbeitet den Jungfernhäutchen-Mythos abzuschaffen.

Gry Senderovitz, Autorin des Buches „Mødommen“ übersetzt Jungfräulichkeit war Teil der dänischen TV Serie „Stop Jomfru Myten“ übersetzt „Stoppt den Jungfrauen Mythos“, in der das Thema Jungfernhäutchen durch eine Petition bis ins dänische Parlament und bis zur UN gebracht wurde.

Gry ist praktizierende Hebamme in Dänemark und half mir in praktischen Fragen weiter. Sie schaute sich ohne mit der Wimper zu zucken Fotos meiner Vulva an, die ich mit Pfeilen und vielen Fragezeichen beschriftet hatte. Auf meine verzweifelte Nachfrage, warum ich nicht sehen würde, was anscheinend so offensichtlich ist, beruhigte sie mich: „Du bist genauso verwirrt wie alle anderen Menschen auch.“ Und als ich ihr schrieb, dass ich endlich verstanden habe was das „Jungfernhäutchen“ sei, meinte sie nur trocken: „Tillykke. Herzlichen Glückwunsch.

Wir alle sind mit dem Jungfernhäutchen-Mythos aufgewachsen. Der Mythos ist global und tief verankert in uns. Allein die Tatsache, dass euch außer „Hymen“ sehr wahrscheinlich kein weiteres Wort als Bezeichnung für das „Jungfernhäutchen“ einfällt zeigt, dass auch ihr einen Teil des Mythos verinnerlicht haben. Ich werde in diesem Essay konkrete Beispiele aus verschiedenen Ländern zeigen um deutlich zu machen: Der Jungfernhäutchen Mythos existiert in Deutschland, in Schweden, in Dänemark, in Marokko, Ägypten, Somalia und auch in China. Er geht uns alle an und wir können alle etwas tun um ihn endlich aus der Welt zu schaffen! Es ist Zeit.

Quelle: Youtube, „The virginity fraud“, Nina Dølvik Brochmann & Ellen Støkken Dahl, TEDxOslo, 18.05.2017

Nicht nur in Medizinbüchern läuft uns der Jungfernhäutchen Mythos über den Weg, wir lesen noch heute Märchen mit Jungfrauen: Jorinde und Joringel ist ein gutes Beispiel dafür! Da sitzen ein Dutzend Jungfrauen inklusive Jorinde verzaubert als Vögel in Käfigen, bis Joringel der Held kommt und sie alle mit der Blume defloriert, äh erlöst… Oder Schneewittchen, die als junges Mädchen den Haushalt der sieben Zwerge schmeißt, bis der Prinz kommt und sie rettet. Oder Rapunzel, die ihr Haar herunterlässt, damit der Prinz endlich mal ran kann. Die klaren Bilder von Mann und Frau mitsamt zugeschriebenen Geschlechterrollen ziehen sich nicht nur durch Märchen, sondern durch die Literatur, die Filme, die Werbung, die Politik: Nobelpreise, Hollywood-Auszeichnungen, sexistische Werbung, Präsidentenjobs sind oftmals männlich geprägt: „It’s a man’s world.“

Utopie

Was hat das jetzt alles mit dem Jungfernhäutchen Mythos zu tun, fragt man sich? Ganz einfach. Der Jungfernhäutchen-Mythos ist ein System, das mit der Absicht entstanden ist eine bestimmte Weltordnung herzustellen, welche sich über die Jahrhunderte aufgebaut hat: Die weibliche Sexualität ist abhängig vom Mann und wird meist nicht als eigenständig und positiv wahrgenommen. So können Frauen kontrolliert werden. Der Jungfernhäutchen Mythos hätte keinen Bestand in einer Welt, in der Frauen nicht unterdrückt werden und keine heteronormativen Vorstellungen von Mann und Frau in der Gesellschaft herrschten.

In einer Welt ohne vorherrschendes Patriarchat würde der Mythos an Macht verlieren und könnte Frauen nicht mehr länger „weniger“ wert machen und deren Ausleben von Sexualität vermeintlich „ablesbar“ machen. In einer Welt, in der Frauen frei leben können, würde es einfach niemanden jucken wie die vaginale Korona aussehen würde und ob Blut zu sehen wäre beim ersten Mal, oder nicht. Es wäre sowieso total irrelevant ob ein Penis involviert war, oder nicht.

  • Die Klitoris wäre in jedem Medizin- und Aufklärungsbuch abgedruckt und der Fokus wäre nicht mehr auf der männlichen Sexualität als „Norm“.
  • Frauen hätten einige Sorgen weniger und einige Orgasmen mehr.
  • Es würde um Lust gehen und nicht um Enthaltsamkeit.
  • Geschlechterrollen würden abgeschafft werden und alle Menschen könnten frei ihre Identitäten leben, abseits des binären Frau-Mann-Mainstreams.
  • Menschen würden sich mehr mit Konsens und gewaltfreier Kommunikation beschäftigen.
  • Es gäbe weniger Gewalt, keine Morde im Namen der Ehre, keine Femizide und weniger Vergewaltigungen.
  • Ein NEIN wäre ein NEIN und ein JA wäre ein JA.

Das Patriarchat vollständig abzuschaffen ist eine Mammutaufgabe. Lasst uns klein anfangen und an einer der Wurzeln des mächtigen Patriarchates sägen, am Jungfernhäutchen-Mythos. Ich möchte meinen Kindern sagen können: „Schaut mal, das hat früher die Menschen geprägt, aber all die Angst und all die medizinisch falschen Informationen sind Vergangenheit. Da glaubt jetzt niemand mehr dran.“

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Jorinde Wiese

 

#CoronaRassismus made by Lisa Eckhart

Wieviel Rassismus geht eigentlich auf Bühnen?

Lisa Eckhart WAS GEHT?!!! Mich widert Ihre Menschenverachtung an.

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(Foto: Shanghai 2017)

Ende Dezember warnten mehrer Ärzte in China vor dem Corona Virus in Wuhan. Sie wurden als Whistle Blower dafür bestraft. Einer der Ärzte Herr Dr. Li Wenliang ist mittlerweile tot.

Quelle: Twitter @dwnews https://twitter.com/dwnews/status/1226476337319120896

Quelle: Youtube, CNN, „Coronavirus whistleblower doctor is online hero in China“, 04.02.2020

Februar 2020, der Corona Virus hat sich in China ausgebreitet. Mehrere Städte mit Millionen von Einwohnern sind unter Quarantäne. Ich habe Mitgefühl mit den Menschen dort und verfolge betroffen die Nachrichten aus China. Besonders erschütternd sind die Nachrichten, die von Menschen kommen, welche dafür ihr Leben riskieren. Sie filmen in Krankenhäusern, Krematorien und in Wohnungen und veröffentlichen dieses Material trotz Firewall. Sie riskieren dafür ihre Freiheit und ihr Leben. Die Zensurbehörde greift hart durch, wer Informationen zum Corona Virus verbreitet lebt gefährlich. Frau Eckhart, Sie haben diese menschengemachte Tragödie zum Anlass genommen um Rassismus und Menschenverachtung auf die Bühne zu bringen. Warum?

Dirk Krampitz schreibt am 08.02.2020 auf watson.de  über Ihren Auftritt bei den Mitternachtsspitzen:

„Das Thema Coronavirus leitet sie ein mit: Da sei „ein Sack Reis umgefallen und alle werden hysterisch“. Das würde wohl an der Genetik liegen. Denn Chinesen würden die Welt halt in einer eigenen „Breitbandblockbusteroptik“ sehen. Damit das auch alle verstehen, fällt danach zur Sicherheit auch noch das Wort „Schlitzaugen“.

Angesichts der Evakuierungen aus den betroffenen Gebieten fragt sie sich, was denn alle bloß immer dort in „Ching Chang Chinaland“ zu suchen hätten und wenn es ein Problem gibt, solle man die Leute doch besser da lassen. Als Poetry-Slammerin aus der Steiermark lässt man es ihr vielleicht so durchgehen.“

Quelle: „Nuhr prophezeit: Kemmerich hat der FDP den Rest gegeben“, Dirk Krampitz, https://www.watson.de/!831248810, 08.02.2020

Beginn des Auftritts von Lisa Eckhart Minute 38:

Quelle: Youtube, „Sendung vom 6. Februar 2020 | Nuhr im Ersten“, Comedy & Satire im Ersten

Das ist kein schwarzer Humor. Das ist keine Satire und keine Ironie. Wissen Sie was das ist? Das ist menschenverachtend. Menschen sterben mitten auf der Straße, isoliert in Wohnungen, in überfüllten Krankenhäusern, ganze Städte sind in China unter Quarantäne und Sie haben nicht Besseres zu tun als solche rassistischen „Witze“ auf einer Bühne zu erzählen? Schämen Sie sich eigentlich nicht?

Zum Thema Corona Virus sagen Sie: „In China ist ein alter Sack umgefallen und hier bricht eine Panik los, als stünde der Türke wieder vor Wien.“ Wissen Sie was in der Realität passiert? In China fallen gerade Menschen um. Tot. Auf offener Straße, Lungenversagen, Herzversagen. In China sind momentan circa 80 Städte mit mehreren Millionen Einwohnern unter Quarantäne. 

TRIGGERWARNUNG: Die folgenden Videos enthalten gewaltsame und verstörende Szenen, Leichen und Schreie. Bitte schau sie dir nicht an, wenn es dir damit nicht gut geht.

 

In China sterben Menschen in ihren Wohnungen, weil sie keine Hilfe bekommen.

Quelle: Twitter @jenniferatntd

In China sind die Krankenhäuser völlig überfüllt, Leichen liegen auf den Gängen und Leichen werden in Großtransportern abtransportiert.

Quelle: Twitter @jenniferatntd

In China werden Menschen von der offenen Straße in Quarantäne Boxen gezerrt.

Quelle: Twitter @jenniferatntd

In China brechen Menschen psychisch zusammen, weil sie so sehr leiden.

Quelle: Twitter @jenniferatntd

In China werden Messungen in der Luft registriert, die darauf schließen lassen, dass zehntausende Menschen in Krematorien verbrannt werden.

Quelle: Twitter @inteldotwav

In China werden Menschen verhaftet, die über den Virus berichten und verschwinden. In China kollabieren Ärzt*innen und Pflegepersonal, weil sie sich anstecken, oder völlig überarbeitet sind. Menschen werden in Quarantänelagern ohne medizinische Versorgung eingesperrt.

In China springen Menschen in einen Fluß um nach Hongkong zu schwimmen, weil die Stadt Shenzhen dicht gemacht wird.

Quelle: Twitter @jenniferatntd

In China werden Menschen in ihren Wohnungen eingeschlossen, damit sie nicht rauskommen.

(Quelle: Twitter @anis_farooqui)

In China werden Menschen mit Gewalt aus Wohnungen rausgezerrt und abtransportiert.

Das ist eine humanitäre Katastrophe.

Und Sie stellen sich auf eine Bühne und machen rassistische Witze, reden von „Schlitzaugen“ und „Ching Chang Chinaland“ und es sollen doch alle da bleiben. WARUM machen Sie das? WARUM widerspricht Ihnen niemand?

#KeineBühneFürRassismus

Jorinde Wiese

Femizid-Song verdient keine 3000 Euro

Am 04. Januar 2020 gewann Alex Döring gewinnt mit dem Femizid-Song „Freundin in der Tiefkühltruhe“ den 14. Klagenfurter K(l)einkunstpreis Herkules.

Mario Kuttnig von der Agentur Herkules schreibt über den Preisträger: „…von freien Sträußen und Tiefkühl-Freundinnen:
Alex Döring hatte den Saal fest im Griff mit Songs, bei deren Wortspielen man sich beim Lachen gut am Stuhl festhalten musste. (…) Er philosophierte (…) über die Wichtigkeit der richtigen Partnerwahl, fror seine hypothetisch untreue Freundin im Tiefkühlschrank ein und konstatierte dann: „Ich werd‘ Dich nie wieder abtau’n, Girl!“. Spätestens ab der Zugabe summte und sang das Publikum mit.

Alex Döring schreibt über seinen Sieg: „So schaut ein sehr überraschter Alex! Gestern hatte ich gleich doppelt Glück und durfte beim 14. Klagenfurter Kleinkunstpreis Herkules nicht nur den Jurypreis, sondern auch den Publikumspreis mitnehmen!

(Quelle: Facebook, Alex Döring)

Ein Femizid-Song hat keine Preise verdient! Bitte unterstützt die Petition  #KeineBühneFürGewalt auf change.org!

Was waren eigentlich die Bedingen für die Teilnahme am 14. Klagenfurter Kleinkunstpreis „Herkules“?

  • Es handelt sich um das max. dritte öffentlich aufgeführte Programm
  • Mindestalter beträgt 15 Jahre – für „Spätberufene“ keine Altersobergrenze

(Zitat aus „Teilnahmebindungen 2020, Agentur Herkules)

Wie oft trat Alex Döring öffentlich mit „Freundin in der Tiefkühltruhe“ auf?

Zitat Deutschlandfunk: „Am absurdesten ist eine Freundin in der Tiefkühltruhe“

Über irgendwelche Beziehungsproblem singen, da bin ich echt einfach überfordert in vielen Fällen. Ich hab bis jetzt größtenteils politische Lieder geschrieben, und dabei ist es extrem trocken immer mit dem Publikum umzugehen. Da ist selten ein Lacher dabei und dementsprechend habe ich mir gesagt, ich brauche unbedingt mal was anderes und habe dann tatsächlich nur darüber nachgedacht, was ist denn jetzt am absurdesten. Und am absurdesten ist eine Freundin in der Tiefkühltruhe zu verstauen.“ (Alex Döring)

Den ersten Platz jedoch belegten freilaufende Sträuße und tiefgekühlte Freundinnen. Alex Döring hatte den Saal fest im Griff mit Songs, bei deren Wortspielen man sich beim Lachen gut am Stuhl festhalten musste. Nicht nur versetzte er sich in einen Strauß, der von militanten Tierschützern gegen seinen Willen aus dem Tierpark befreit wurde. Er philosophierte auch über die Wichtigkeit der richtigen Partnerwahl, fror seine hypothetisch untreue Freundin im Tiefkühlschrank ein und konstatierte dann: „Ich werd‘ Dich nie wieder abtau’n, Girl!“ Mit deutlichem Abstand wurde Alex Döring zum #evening_hero gewählt (…)

(Moment, das ist ja genau die gleiche Beschreibung wie beim 14. Klagenfurter Kleinkunstpreis. Copy Paste?)

Es hat leider nicht ganz fürs Finale gereicht… Aber danke Euch für’s Anschauen und die netten Kommentare!“ (Alex Döring)

Tiefkühltruhe – Alex Döring „Alex Döring, Gewinner des NDR-Comedy Contest vom 3. März 2018, präsentiert von Bernhard Hoecker und Torsten Sträter

Komisch… Warum ist denn die Aufzeichnung zu diesem Auftritt nicht mehr online?

Screenshot_AlexDöring

„Mit dem Gewinn des NDR Comedy Contestes und zahlreichen TV Auftritten ua. bei Night Wash ist Alex Dörring auch dem breiteren TV Publikum bekannt.“ (Pressemeldung Bachmeier Entertainment, 26.03.2019)

„Im zweiten Teil begeisterte Florian Wagner am Klavier das Publikum mit seinem Musikkabarett, bevor Alex Döring an der Gitarre mit seiner unglaublichen Bühnenpräsenz überzeugte.“ Programm: Wortgewalt

Kunstformen wie die Satire jedoch betreiben Tabubrüche, um der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Das trifft sowohl bei Florian Wagner als auch bei Alex Döring zu. Das Bewerbungsvideo, mit dem sich Alex Döring bei uns vorgestellt hat, wurde von uns in der Kategorie „Schwarzer Humor“ verortet. Das Wesen des Schwarzen Humors ist es, böse zu sein und Grenzen zu übertreten. Und Stellung zu beziehen gegen eine als fehlerhaft und schlecht empfundene Wirklichkeit.“ (Stellungnahme der Auswahl-Jury)

Das waren jetzt Moment 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 Auftritte des Programms vor Beginn des 14. Klagenfurter Kleinkunstpreises „Herkules“. Ist es eigentlich schwer zu recherchieren, ob Künstler die Wettbewerbsbedingungen erfüllen? 

AmnestyRadiosendungScreenshot

(Quelle Screenshot: Amnesty AktuellFemizide weltweit, 06.01.2020)

Am 06.01.2020 habe ich in der Radiosendung Amnesty Aktuell: Femizide weltweit (Beginn des Interviews bei Minute 14:30) über die #KeineBühneFürGewalt Petition berichtet. Ich habe im Interview klar gestellt, dass sich die Petition nicht gegen die Künstler, oder gegen die Kunstfreiheit richtet, sondern gegen die Entscheidung, dass Gewalt an Frauen eine Bühne geboten wird und Mann dafür Preise bekommt.

Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass Alex Döring seinen Femizid-Song ein weiteres Mal (erfolgreich) aufgeführt hatte. Ich bin die Letzte, die bestimmen möchte wo die Kunstfreiheit aufhört und einen Künstler auffordert ein Lied nicht mehr zu spielen. Das ist nicht meine Aufgabe und nicht meine Verantwortung. Ich kann nur absolut nicht verstehen, wie man als Künstler so gekonnt Kritik IGNORIEREN kann.

Es gab eine ausführliche Liedanalyse des Femizid-Songs „Schaltet euer Herz ein, BANAUSEN„. Viele gute Kommentare wurden in den Blogartikeln „Satire darf alles…“ und „Spieglein, Spieglein an der Wand“ zitiert. Ich habe versucht zu erklären, warum die Uni Freiburg mit ihrem „NS-Zensur Vergleich“ völlig daneben liegt und warum man mit Meinungsfreiheit nicht Diskriminierungen oder Menschenrechtsverletzungen rechtfertigen kann.

Das hat Zeit und Nerven gekostet. Ich mache das nicht aus Spaß, aber offensichtlich sind Femizide Alex Döring egal. Sie sind der Klagenfurter-K(l)einkunstjury egal. Sie sind der Universität Freiburg und dem Studierendenwerk Freiburg egal.

Aber wissen Sie was? Mir sind sie überhaupt nicht egal. Jeder einzelne Femizid ist ein Fall zu viel! #KeineMehr #PasUneDePlus

(Quelle: Youtube)

Das Thema Femizid wird erst langsam in Deutschland in der Öffentlichkeit sichtbar, wie zum Beispiel am 10.12.2019 in Freiburg. UniCROSS berichtet: „El violador eres tú – Der Vergewaltiger bist du“ – komplette Performance in Freiburg

(Quelle: Youtube)

Anlässlich des internationalen Tags der Menschenrechte haben sich heute auf dem Platz der alten Synagoge etwa 200 Frauen zusammengefunden um den Protestsong „Un violador en tu camino – ein Vergewaltiger auf deinem Weg“ zu performen. Damit demonstrieren sie gegen Gewalt an Frauen und Femizide und solidarisieren sich mit Frauen auf der ganzen Welt.“ (Uni CROSS, 10.12.2019)

Frau Prof. Dr. Kristina Wolff hat Jahr 2019 alle 170 Femizid Fälle in Deutschland dokumentiert und die Petition „Stoppt das Töten von Frauen #saveXX“ gestartet. Seit Monaten wird sie mit Ihrem Anliegen von der Politik nicht ernst genommen.

Was hier gerade passiert ist pure Ignoranz. In Deutschland stirbt mindestens jeden dritten Tag eine Frau, ermordet durch ihren (Ex)Partner.

Häusliche Gewalt ist ein riesengroßes Problem: „114.000 Frauen Opfer von häuslicher Gewalt, Bedrohungen oder Nötigungen durch ihre Ehemänner, Partner oder Ex-Partner. Das zeigt eine Auswertung des Bundeskriminalamts (BKA) zum Thema Partnerschaftsgewalt (…)“ (Tagesschau.de, 25.11.2019)

Morde sind immer grausam, egal welches Geschlecht betroffen ist. Ich möchte jedoch den Fokus auf die strukturelle Gewalt gegen Frauen richten. Tamara Funiciello sagte passend zum Thema: „Gewalt gegen Frauen ist wie eine Pyramide. Sie beginnt beim sexistischen Witz und der Belästigung und endet mit Vergewaltigung und Ehrenmord.“ („Tamara Funiciello: Ich lasse mich nicht zum Schweigen bringen“, Renato Beck und Andrea Fopp, TagesWoche, 03.09.2018)

Die Spitze des Eisberges der strukturellen Gewalt gegen Frauen sind sogenannte Ehrenmorde und Femizide. Jegliche Verharmlosung von Gewalt trägt dazu bei, dass wir Grausamkeiten als „normal“ wahrnehmen. 

Link zur Petition: #KeineBühneFürGewalt

Femizide sind kein Spaß, sie sind Realität.

Ich fordere:

  • Erkennen Sie die Preise an Florian Wagner und Alex Döring ab
  • Nehmen Sie öffentlich Stellung gegen Sexismus und Gewalt an Frauen
  • Schaffen Sie Strukturen, damit der Kleinkunstpreis wirklich Talente fördert und nicht Diskriminierungen

Jorinde Wiese