Mund auf, Penis rein: Warum wir reden müssen!

Liebe Jori,

Du bist 19 Jahre alt und wirst in fünf Jahren über deine Erlebnisse mit sexualisierter Gewalt schreiben. Öffentlich. Es wird dir egal sein was die Leute denken, weil du weißt, dass du NICHT alleine damit bist. Sexistischer Kackscheiße hast du bis dahin ein für alle Mal den Kampf angesagt!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

„Wir haben das Glück, uns über die Freiheit und Liebe Gedanken machen zu dürfen und die Kämpfe derer weiterzuführen, die damit angefangen haben, und wir sollten es tun. Wir tun es nicht nur für uns selbst. Ich habe in den dreißig Jahren, in denen ich lebe, schon an vieles geglaubt, an die Liebe und die Hoffnung und an einzelne Menschen und an mich selbst und jeden Glauben zwischendurch verloren und wiedergefunden. Ich habe an Gott geglaubt und daran, dass es Gott nicht gibt. Ich habe an Gedichte geglaubt und an Bilder, an Meditation und an Statistik, ans Fragen und ans Antworten. Ich habe an Einsamkeit und an Gemeinsamkeit geglaubt, an Schnaps und Musik und die Freiheit, und dann wieder auf die Fresse bekommen. Ich habe ans Aufstehen und ans Liegenbleiben geglaubt, an die Ruhe und an den Sturm, und ich weiß nicht, was noch kommt und woran ich in meinem Leben noch glauben werde, aber ganz sicher niemals ans Schweigen.“ ( S.230 aus: Untenrum frei, von Margarete Stokowski)

Ende Januar 2019 wirst du bei einem Poetry Slam auf der Bühne stehen und zum ersten Mal diese Geschichte vortragen. Es ist deine Geschichte und doch ist sie auch die Geschichte von so vielen Frauen* und Männern* die Ähnliches erlebt haben. Es geht um eigene Grenzen und um das Gefühl „funktionieren“ zu müssen. Das betrifft uns alle! Dein Text wird andere zum Nachdenken bringen. Nach dem Poetry Slam werden Menschen auf dich zukommen und ihre eigene Geschichte mit dir teilen. Du bist nicht alleine, glaub mir.

Du bist mutig und stark! Vergiss das nie.

Deine Jori (24)

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Poetry Slam Text „Waldspaziergang“ ist hier zu hören

Ein kleiner Auszug aus dem Text:

(…) Sexualisierte Gewalt? JA, aber…

Ich habe ja nicht nein gesagt, ich habe nicht nach dir getreten, bin nicht weggelaufen. TROTZDEM.

Der Ekel bleibt, die Scham das gemacht und erlebt zu haben.

Über die Jahre verdränge ich, so gut, dass ich heute fast vergessen habe wie du aussiehst.

Du warst nicht bedrohlich, das ist ja das verrückte, aber damals im Wald habe ich gefühlt, dass ich keine Wahl habe, dass es genau so normal ist und dass ich funktionieren muss.

Heute kommt Wut in mir hoch, wenn ich an dich denke, wie du mich an der Hand durch den Wald geführt hast.

„Willst du mir einen blasen?“, fragst du so als ob du sagst: „Willst du mir die Schnürsenkel binden?“ „Willst du auch einen Kaugummi?“ „Willst du was essen?“

Verdammt. Das ist doch nichts was man bestellt, was man einfordert und sich „machen lässt“.

Wenn ich höre wie manche Witze darüber reißen, denke ich innerlich: Bitte, bitte hört auf damit! Doch diese Gedanken sind so leise, dass sie wie mein Murmeln damals im Wald verschwinden.

Hör auf. Hör auf. Hör auf.

HÖR AUF! Sage ich zu mir selber, hör verdammt noch mal auf dich dafür zu schämen! Fünf Jahre nach diesem Waldspaziergang teile ich nun diesen Text.

Nicht weil ich ein Opfer bin, nicht weil ich Mitleid will, darum geht es mir nicht. Ich will Mut machen solche Geschichten zu teilen, Mut machen, dass man sich NIEMALS dafür schämen muss. Ich bin mir sicher, dass irgendjemand hier etwas Ähnliches erlebt hat. Du bist nicht alleine und bitte, bitte schäm dich nicht!

Scham ist ein giftiges Gefühl und ich stehe hier nur, weil ich möchte, dass wir uns alle ein bisschen weniger schämen vor uns selber, vor unseren Partner*innen oder Freund*innen. Mit meinen eigenen Geschichten möchte ich ein Beispiel dafür geben, dass es sehr wohl möglich ist gegen die Scham anzukämpfen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es uns allen besser gehen würde ohne Tabus in unserem Leben. Es macht stark, wenn man Geschichten teilt, die man sich nie getraut hat zu erzählen.

Wie Hannah Gadsby sagte: “Nothing is stronger than a broken woman, who has rebuilt herself.

Vulva

Blumenbild als kleine Aufheiterung zwischendurch *uffschnuufe*

Danke für diese Nachricht, die mich vor kurzem erreicht hat und sicher vielen anderen genauso viel Mut macht wie mir:

Was deine Worte, die Wake-Up Comedy, der Poetry Slam Text, Positives in anderen auslösen und wie viel internalisierte Scham sie durchbrechen, ist vielleicht nicht immer sofort sichtbar und greifbar – doch es ist sowas von da! Ich denke da an die Stille, als du Waldspaziergang beim Slam vorgetragen hast, an den riesigen Applaus, der so viel ausgedrückt hat, finde ich. An die Gespräche, die ich mit Freundinnen danach geführt habe, wenn ich von dem Slam, oder der Wake Up Comedy erzählt habe oder neulich, als eine Freundin von deinem Beitrag über die Klitoris erzählt hat und dein geflügeltes Einhorn für andere zur Erklärung aufgemalt hat. Was du machst, hat echt eine enorme Wirkung und es ist so wichtig und genial, dass du es machst – wenn auch sicher nicht immer einfach. Ich hoffe, das ein bisschen zu hören hilft in Momenten, in denen man mit negativem konfrontiert ist. Ich habe mehrmals gedacht: „Wow, was für ein krasser Enthusiasmus, was für eine Stärke zu so viel Offenheit zu kommen und so all diese Scham zu überwinden, die man irgendwie internalisiert hat.“

Wir müssen darüber reden!

Waldspaziergang zu veröffentlichen war ein riesengroßer Schritt für mich. Von der Geschichte wusste fünf Jahre lang niemand, bevor ich sie in Textform aufgeschrieben habe. Mittlerweile habe ich begriffen, dass die Klitoris nicht nur mit Lust zusammenhängt, sondern auch mit Schmerz und mit sexualisierter Gewalt. Diese Themen sind so eng miteinander verknüpft und durch klebrige Scham bewegungslos gemacht. Deshalb sage ich JA zur Klitoris und NEIN zur sexistischen Kackscheiße!

ja

Keine Schuld, keine Scham, kein Tabu!

Wie wollen wir über Missbrauch reden, wenn das Thema Sexualität tabu ist? Wie ist es möglich, dass sogar auf Freiburger Kleinkunstbühnen Witze mit der Pointe „(…) dass du mir endlich einen bläst“ gerissen werden und man dafür auch noch einen Preis (den ersten Preis!) bekommt? Ich habe keinen Bock mehr auf sexistische Kackscheiße!Du hättest ja nein sagen können.“ „Du hättest halt aufpassen müssen.NEIN! Was für Sätze man nicht hören möchte, fasst Luisa prima zusammen. Unter dem Motto: Keine Schuld, keine Scham, kein Tabu! hat sie eine ganze Reihe an sehenswerten YouTube Videos gemacht:

Sexualisierte Gewalt: „Du kannst ja nichts dafür Einzelkind zu sein. Wäre es dir passiert, wenn du Brüder hättest?“ 🤔

Diese Nachricht erreichte mich erst kürzlich und bringt mich zum Nachdenken. Nein. Ich bin mir leider sicher, dass es jeder und jedem passieren kann. Dafür habe ich viel zu viele Geschichten gehört. Das macht doch keinen Sinn, nur weil man Brüder hat, kann man doch trotzdem Grenzverletzungen erleben.

Diese Nachricht macht mich traurig, denn es hat verdammt viel Mut gekostet meine Geschichte online zu veröffentlichen. Ich habe acht Monate lang darüber nachgedacht und es nur gemacht um zu zeigen:

Es geht uns alle an! Es betrifft uns ALLE!

Sexualisierte Gewalt findet auch in Beziehungen, oder in Familien statt, nicht nur wie in dem beschriebenen Waldspaziergang. Ich zwinge ja niemanden eigene Geschichten zu veröffentlichen, aber mir zu sagen, dass wäre nicht passiert wenn ich Brüder gehabt hätte, ist absolut daneben.

Es ist sehr, sehr einfach über andere zu urteilen: Ich hätte nein gesagt/ Mir wäre das nicht passiert/ Ich wäre weg gegangen.“ Das bringt uns kein Stück weiter, sondern macht Erlebende von sexualisierter Gewalt nur noch mehr zu „Opfern“, die sich anders hätten verhalten sollen.

Ich bin Mensch, ob mit oder ohne Brüder und es wird immer andere Menschen geben, die meine Grenzen verletzen.

Ich habe sehr viel aus der Erfahrung, die ich in Waldspaziergang gemacht habe gelernt, aber ich würde niemals behaupten, dass mir sexualisierte Gewalt nie mehr passieren wird oder kann. Das ist leider nicht die Realität.
#schweigenbrechen

Celebrating diversity! The future is inclusive

Es tut sich was, in mir und in allen anderen. „Celebrating diversity! The future is inclusive“, sagt Hilde Atalanta in ihrem Video zur Vulva Vielfalt. Das hört sich doch nach einem Plan an!

 

 

Kein Bock mehr auf sexistische Kackscheiße?

Die goldene Klitoris braucht deine Hilfe!

Legend

Eine großartige Aktion auf Instagram von @gangduclito

Liebe Menschen mit und ohne Einhornhintergrund, die Klitoris braucht EURE Stimme! Es geht um SO viel mehr als nur Feenstaub! Mit meinem Wake Up Comedy Programm zur Klitoris beim Kleinkunstpreis in Freiburg habe ich einen ersten Schritt in die Öffentlichkeit gewagt. Das war alles andere als leicht!

Klitoris, Penis, Scheide/Schwert und Orgasmus, das sind keine Worte die man normalerweise auf Bühnen sagt. Warum eigentlich nicht? Das Programm hat schon jetzt so viel Gutes bewirkt und Menschen zum Nachdenken gebracht, dass ich unbedingt weiter machen möchte. Ihr könnt mir dabei helfen!

Beim Online-Voting der Biennale stehen 61 Bewerber*innen im Rennen. 👀Puh! Was für ne Konkurrenz! Nur mit eurer Hilfe kann die Wake Up Comedy mitsamt Klitoris Einhörnchen im Mai dort auf die Bühne kommen! 🦄😊 Bitte gebt deshalb einen Daumen hoch auf der Website der Biennale. DANKESCHÖN! ❤ Die Klitoris ist keine Erbse, keine Brezel, keine Legende und kein Pokémon. Flieg Einhörnchen, flieg! 

Kleinkunstpreis8

(Foto: © Hanno Müller)

IN VIER KLICKS ZUR KLITORIS:

  1. Website der Biennale öffnen: https://www.biennale-sindelfingen.de/online-voting/
  2. Anmelden und Abstimmen: auf Facebook klicken
  3. Video in der Übersicht finden: Kategorie Comedy „Die Klitoris- das geflügelte Einhörnchen!“
  4. Daumen hoch! (Der Daumen wird dann rot, stimmt so!)
  5. Geschafft!

Das Online-Voting ist nur bis zum 30. März geöffnet. Danach kommen 24 Beiträge in die engere Auswahl, von denen 12 durch die Jury in den Wettbewerb gewählt werden.

Ihr habt keinen Bock mehr auf sexistische Kackscheiße? Ich auch nicht! Lasst uns gemeinsam Comedy verändern und das geflügelte Einhörnchen promoten. Ich freue mich sehr über eure Unterstützung! Jede einzelne Stimme zählt.

Es ist Zeit…

Warum ich das mache? Ganz einfach, weil es Zeit ist aus dem genitalen Winterschlaf aufzuwachen, Zeit die Anatomiebücher zu ändern, Zeit die Klitoris so selbstverständlich zu kennen wie alle anderen Organe, Zeit endlich mit dem Tabu der weiblichen Lust zu brechen. #FemalePleasure läuft im Kino, weltweit kämpfen Aktivistinnen für die weibliche Sexualität und ihre Freiheit! Auf was warten wir noch?

Kleinkunst7

(Foto: © Max Erb)

Seid mutig und teilt diesen Artikel, damit möglichst viele Menschen beim Online-Voting mitmachen können. SCHANKEDÖN!!!

Wer übrigens die neue uniTV Sendung einBlick #2 – Von Tabus, Protesten und Aufklärung noch nicht gesehen hat, findet dort ab Minute 5:05 das 3D Modell der Klitoris wieder und ziemliche viele, ziemlich ahnungslose Studierende. Der Beitrag „Hallo Klitoris!“ ist hier direkt zu finden.

Liebe Grüße und danke für eure Unterstützung,

Jorinde

Warum Vulva Watching die Welt verändert

Vulva, Schnitzelbrötchen, Penis

Seit dem Sommer beschäftige ich mich im Rahmen meines Buchprojektes mit weiblichen Tabuthemen und stolperte dabei mit Karacho über meine eigene Vulva. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass ich innerhalb weniger Monate eine regelrechte „Vulva Transformation“ durchmachen würde: Von einer Frau, die nichts als Scham mit der eigenen Vulva verband, hinzu einer Frau die öffentlich über die Vulva schreibt um sie ein für alle Mal zu enttabuisieren! „Hallo Vulva, hier Welt!“ Wir brauchen Vielfalt und keine Tabus! Damit Vulven so normal werden wie Schnitzelbrötchen oder Penisse, brauchen wir Abbildungen. Ganz, ganz viele davon!

Vulva1

Das ist mir zu kompliziert

Ich musste mir während des Schreibprozesses eingestehen, dass ich keine Vulva zeichnen konnte. Diese Einsicht verblüffte mich. Wie konnte ich in meinem Buch darüber schreiben, dass viele Frauen ihre eigene Anatomie nicht kennen und dabei selber Vulva-Analphabetin sein? Als ich das 3-D Modell der Klitoris ausdruckte, schaute mir eine Frau über die Schulter und sagte: „Wie die Klitoris aussieht, das weiß ich, aber der Rest… nee… Das ist mir viel zu kompliziert!“ Zu kompliziert?! Warum denn? Kompliziert, das ist so ein Wort das ich gerne überflüssig machen würde. Frauen sind nicht per se kompliziert, weibliche Orgasmen sind es auch nicht, Vulven erst recht nicht. Ich finde es mittlerweile übrigens weitaus komplizierter Nasen, Ohren, oder Augen zu zeichnen als Vulven. Die sind nämlich von Natur aus unfassbar vielfältig in ihrer Form. Da kann man gar nicht so viel falsch machen!

Würde ich meine erkennen?

Während meinen Recherchen zum Buchprojekt entdeckte ich das Kunstprojekt „The great wall of vagina“. Dort werden unzählige Vulven-Gispabdrücke ausgestellt. Eine der Frauen, die Modell gestanden hatte, schaute sich bei der Ausstellung alle Abdrücke an und sagt, dass es sich komisch anfühlt, dass Leute vor den Abdrücken Selfies machen: „Auch wenn ich nicht genau weiß welche meine ist.“ Plötzlich sagt sie leicht verschämt, aber auch mit einem Grinsen im Gesicht: „Aber ich glaube ich weiß es.“ (16:27)

Würde ich meine erkennen?“, fragte ich mich im selben Moment und beantwortete die Frage mit einem klaren „Nein. Niemals.“ Krass. Das musste ich erst einmal überprüfen und ich glaube, es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich meine Vulva mit unverhohlener Neugier betrachtete anstatt mit Ekel. So sah sie also aus. Richtig warm wurde ich mit ihrem Anblick aber nicht an diesem Tag. Das sollte sich ändern!

Was war es, was so tief in mir eine Ablehnung meines eigenen Geschlechtsteils hervorrief? Und warum bin ich damit nicht alleine?

In dem Workshop „aufbegehren! Radikale Selbstliebe!“ steigen die Workshopleiterinnen Lynn und Stella mit genau dieser Frage ein: Woher kommt die Scham, die wir in unseren Körpern tragen? „Wofür schämt ihr euch?“ Eine Teilnehmerin antwortet ziemlich spontan, dass sie sich für ihre inneren Vulvalippen schämt. Die wären zu groß und nicht schön und während sie das erzählt bricht ihr die Stimme weg und ihre Augen füllen sich mit Tränen. Die Scham sitzt tief. So tief, dass wir sie manchmal nicht spüren, außer wir lassen sie zu, reden über sie, oder zeigen sie ganz offen.

Nach mehreren intensiven Workshop Stunden lassen wir die Hüllen fallen. Freiwillig. Weil dieser Workshop ein Ort ist, an dem wir der Scham ins Gesicht schauen und ihr die Stirn bieten. Wir fühlen uns sicher in diesem kleinen Kreis von Frauen und gehalten mit all unseren Gefühlen. Wer sich untenrum frei vor den Spiegel in dem Raum setzt, in dem wir einen ganzen Tag lang eine Reise zu uns selbst unternehmen, darf selbst entscheiden ob und wann sie möchte, dass die anderen Frauen dazukommen. Die Atmosphäre ist geladen voller Emotionen, aber wir geben uns gegenseitig Kraft und stützen uns.

Ich will, dass es endlich aufhört

Das hier, ist schwer. Es ist verdammt schwer sich so verletzlich zu zeigen und die eigene Vulva im Spiegeln anderen zu teilen. Es fließen viele Tränen, schwere, heiße Tränen aus dem tiefsten inneren der Seele und da ist auch Wut: „Ich will, dass es endlich aufhört!“, sagt Lynn während ihr ganzer Körper bebt. Sie teilt mit uns ihre Wut auf diese beschissenen Normen, die uns fühlen lassen, dass wir nicht gut so sind wie wir sind. Wut auf all die Tränen, die hochkommen, die Ängste, Sorgen, das Trauma, das teilweise über Jahre in jeder einzelnen von uns verborgen lag. Warum? Warum kann dieser Raum nicht voller Lust und voller Leichtigkeit sein, voller Lachen und voller Liebe? Warum? Warum braucht es diesen Workshop um die Scham zu durchbrechen und was ist mit all den anderen Frauen auf dieser Welt?

Lynns Wut ist kraftvoll und geht unter die Haut, sie verändert die Welt im Kleinen und somit auch im Großen. So wie wir alle zusammen an diesem Tag die Welt ein Stück besser machen. Denn wie wollen wir Genitalverstümmelung stoppen ohne mit den Basics der Vulva und der Klitoris vertraut zu sein? Wie wollen wir über Lust aber auch Schmerzen reden, wenn diese beiden Körperteile so schambeladen ist? Wie wollen wir es schaffen, dass Intimchirurg*innen bald arbeitslos sind, weil keine Frau mehr auf ihre sogenannten „Schamlippenkorrektur“ OPs anspringt, wenn wir nicht über Vielfalt reden und sie mit eigenen Augen sehen?

Der Mut jeder Einzelnen sich im Spiegel zu zeigen, oder sich bewusst dagegen zu entscheiden wird beklatscht, wir umarmen uns und feiern dieses gemeinsame Erlebnis. Es ist ein Entdecken, ein Staunen, ein wahnsinniges Aha! Erlebnis. Wie verschieden wir alle sind, wie verschieden unsere Vulven sind, wie schön jede einzelne ist und wie verrückt das ist mit welchem „Idealbild“ wir aufgewachsen sind. Was ist schon normal, wenn Vielfalt die Norm ist?

In diesem Sinne Viva la vulva!

(Ich habe das Wort Vulva und Vulven in diesem Artikel gezählt: 16 Mal V!!!!!!!!!!!!!!!!)

Hier ist ein kleiner Beitrag über Vulva Watching und was es verändern kann: https://www.7tv.de/paula-kommt-sexpedition-deutschland/11-vulva-watching-hilft-es-sich-selbst-wieder-schoen-zu-finden-clip

Niedliche Teddys

„Eichhörnchen sind zu politisch aufgeladen.“, erklärt mir Herr Li am Telefon und schlürft dabei Tee. Über Eichhörnchen dürfte ich jetzt nicht mehr schreiben, das würde nicht gut ankommen. Eichhörnchen beschmutzen nämlich manchmal unabsichtlich und aus reiner Blödheit, Bosheit und Blindheit das Nest, wenn sie beim Gähnen die Klappe zu weit aufmachen und frisch gemalmtes Nussmuß aus den Backen purzelt und ins Nest fällt. Wenn das dann die Eichhörchen Obersten mitbekommen, dann muss man das Lachen so tief vergraben, wie die kostbarste Haselnuss mit den meisten Kalorien. Dann geht nämlich das Dominanzverhalten los. Wer kann sich größer aufplustern und wer zieht sofort den Schwanz ein? Wer hat Bock das Nest von Nussmußkrümeln zu befreien?

Mist. Ich habe Schwanz gesagt, das ist fast so schlimm wie V.I.P. Penis. *piepPIEP“ Herr Lis Zensurgerät am anderen Ende der Leitung piept LAUT. Ich darf nicht mehr Schwanz PIEP oder ähnliches sagen. Behaartes längliches Fellteil, meinte ich natürlich.

Daher Teddys. Liebe Naturfreund*innen, ich muss euch enttäuschen! Keine Eichhörnchen mehr, die biestigen Biester müssen sich erst mal wieder beruhigen und ihr Nussmuß gemächlich verdauen.

20190220_122019.jpg

Niedliche Teddys, 是不是? (Ist es nicht so?) Danke liebe Teddys, dank euch wurde dieser Blog in dem früher Morgenstunden wieder ins Netz gestellt!

Die Teddys stellen noch ein Rätsel: Welches Organ fehlt in diesem Anatomiebuch von 2019?

20190221_182544

Und wer nicht wusste wie des Rätsels Lösung heißt, der durfte nicht nur nicht vorbei. Nein… er wurde kurzerhand verspeist!“ (Bodo Wartke, Ödipus)

Eichhörnchen

Liebe Naturfreund*innen,

Aus aktuellem Anlass schreibe ich nur noch über putzige Eichhörnchen. Danke für Ihr Verständnis und wie schön, dass Sie weiterhin meinen Blog besuchen. Es wird ab jetzt nur noch naturfreundliche und klimaneutrale Berichterstattung geben. Cctv kommt nächste Woche und dreht einen Eichhörnchentrailer. Das wird spannend.

20190220_123136.jpg

Geflügelte Eichhörnchen sind auch mit dabei:

20190220_172652.jpg

20190220_173107

Witzigkeit kennt kein Pardon

Hoch lebe die (Zensur der) freie(n) Meinung!

Es klingelt: «您好!Nin hao!» (Guten Tag) Die Zensurbehörde aus China. Schon wieder. Wir waren doch erst gestern Tee trinken. Es gefalle ihnen nicht wie sich mein Blog www.jorinde.ch in letzter Zeit entwickle.  Die Worte Vulva, Klitoris und Penis seien nicht vereinbar mit dem Titel «Chinesisch Lernen 学习汉语 xuexi hanyu». Vor allem das Wort «V.I.P. Penisse» im letzten Artikel: «Packt eure Vulven wieder ein. NÖ.» hätte Alarm geschlagen. (Der Artikel wird mit einem Mausklick entfernt. Schwuppdiwupp.)

Ich atme tief ein und erkläre Ihnen die Definition von Ironie und Sarkasmus und was ein Neologismus ist. Sie bleiben standhaft und versichern mir, dass mein Blog nicht der einzige sei, der bald vom Netz genommen wird.

Von der Zensur betroffen ist auch der Postillon, weil dort vor kurzem einen Artikel darüber veröffentlicht wurde, wie Frauen sich bei der Selbstbefriedigung selbst einen Orgasmus vortäuschen: «Studie: Jede dritte Frau täuscht sich beim Masturbieren einen Orgasmus vor» Auch die Heute Show sei betroffen, weil es dort um Schwangerschaftsabbruch und den Paragrafen 219a ging: «Abtreibungsparagraf: „Heute show“ knöpft sich Jens Spahn vor»

Über diese beiden Tabuthemen, so die beiden Herren am Telefon, dürfe nicht geschrieben werden. Wenn das zur Parteispitze vordringe, müssten sie das ausbaden.

Ich versuche diplomatisch zu bleiben und schlage vor einen alten Artikel vom Juni 2016 erneut zu posten mit dem Titel «Nichts» in dem es um nichts und ein gelangweiltes Känguru geht, oder aber den Artikel: «STABIL.» Sie überlegen kurz und sagen dann bestimmt «不可以 bukeyi» (Geht nicht./Lässt sich nichts machen). Ich lege auf, trinke Tee und lese mir die letzten obszönen Artikel meines Blogs noch einmal genüsslich durch, bevor sie gelöscht werden. Verrückt. Was das für Probleme machen kann, wenn man seine Gedanken laut sagt und kritisch reflektiert, was man beobachtet.

Ich denke an ein Interview, das ich kürzlich über die japanische Künstlerin Rokudenashiko gesehen habe. Ihre erste Verhaftung fand statt, weil sie Mangas über die Vulva gezeichnet hatte. In einem Land, in dem Kinderpornografie in Mangas legal ist, die Vulva aber als obszön gilt. Nach ihrer Freilassung hatte sie zwei Möglichkeiten: «Aufhören, oder noch einen draufsetzen.», sagte sie kichernd im Interview. Was wohl passiert, wenn man zwei Unheile künstlerisch miteinander verbindet: Fukushima und die Vulva? Und was wohl passiert, wenn man ein Kajak mit dem 3D Abdruck der eigenen Vulva baut und damit paddeln geht? Die Antwort ist: Ein Gerichtsverfahren vor dem obersten Gerichtshof in Japan, weil es dort den sogenannten Obszönitätsparagrafen noch gibt. (Der übrigens nicht gilt, wenn jährlich das Penis Festival gefeiert wird und auf offener Straße riesige Penisstatuen zelebriert werden und bunte Penis Lollis/ Eis gelutscht werden.)

Rokudenashiko will mit ihrer Arbeit die Vulva raus aus der Schmuddelzone holen und einen offenen Diskurs fördern. Das Thema scheint auch bis nach Deutschland geschwappt zu sein.

Vulva-Bastel-Workshop

Im Dezember wurde in Freiburg zum Beispiel ein Bastel Workshop veranstaltet, an dem die Teilnehmer*innen aus Salzteig Vulven basteln konnten. Ich war zwar interessiert, habe aber eine tiefe Abneigung gegenüber Salzteig, damit habe ich noch nie gerne gebastelt und irgendwie fragte ich mich zu der Zeit, ob es das wirklich braucht: Vulven aus Salzteig basteln! Braucht es denn wirklich so viel Aufmerksamkeit für das weibliche Geschlecht? (Die Antwort ist JA!) Denn was beim Vulva-Bastel-Workshop rauskam, war vor allem das große Unwissen, welches über die Anatomie der Vulva herrscht. Das ist ja auch kein Wunder! Vulven sind so unterrepräsentiert in der Kunst, in Zeichnungen und in der Öffentlichkeit, dass selbst Frauen sich schwer tun sie zu zeichnen, ihre eigene Vulva anzuschauen, geschweige denn wieder zu erkennen. Wie es ist eine Vulva aus Salzteig zu basteln. (ein Artikel von Adele Kopsidis, 18.12.2018, Fudder)

Dieses Fotoprojekt verdeutlicht: Die eigene Vulva zu akzeptieren und schön zu finden ist keine Selbstverständlichkeit, im Gegenteil.

Warum das Ganze?

Warum zur Hölle sollte man eine Vulva zeichnen können?“, mag man sich fragen. Ganz einfach, weil wir alle ein bestimmtes Bild einer Vulva im Kopf haben, welches mit der „Vulva-Wirklichkeit“, wie sie in diesem Video gezeichnet wird von Hilde Atalanta (Gründerin der Vulva Gallery) rein gar nichts zu tun hat.

10 Gründe für die Vulva:

Solange es „normal“ ist, dass das Vulva Schönheitsideal (klein, unscheinbar, glatt, rasiert) nur bei operierten Pornodarstellerinnen gefunden wird, welches die anatomische Form eines 8-jährigen Mädchens hat, solange Intimchirurg*innen fetten Profit mit medizinisch nicht zu rechtfertigenden Operationen im Intimbereich bei Frauen machen und diese Sparte der Schönheitsindustrie boomt, solange eben jene Intimchirurg*innen auch in Deutschland minderjährige Mädchen (mit Einwilligung der Eltern) operieren dürfen, solange wir noch immer von „Schamlippen“ sprechen und nicht das Wort Vulvalippen benutzen, solange sich der sprachliche Unterschied zwischen großen und kleinen Schamlippen hält, obwohl die inneren Vulvalippen in fast 50% aller Fälle größer sind als die äußeren und der Unterschied zwischen groß und klein somit falsch ist, solange die Klitoris eher für ein Pokémon, oder ein Oktopus gehalten wird, als für das primäre weibliche Geschlechtsorgan, solange ebendieses primäre Geschlechtsorgan nicht genauso selbstverständlich wie der Penis, der Uterus und die Eierstöcke in anatomischen Zeichnungen abgebildet ist, solange sich Frauen und Mädchen vor ihrem eigenen Geschlechtsteil schämen und ekeln, solange sich der Mythos und das Wort des sogenannten „Jungfernhäutchen“ hartnäckig in den Köpfen der Menschen hält und für viel Verwirrung, Angst und Terror sorgt, solange Genitalverstümmelung bei 200 Millionen Frauen und Mädchen auf dieser Welt ein riesengroßes Thema, Trauma und Problem ist, solange müssen wir uns wohl damit abfinden, dass Vulven aus Salzteig zu basteln eine gute Aktion ist, die uns (hoffentlich!) zum Nachdenken bringt.

Denn wie wollen wir über all diese Themen reden, wenn wir nicht einmal die Basics der Vulva kennen und wissen wie Frauen „da unten“ aussehen? Wie soll das gehen? (großes FRAGEZEICHEN)

Es tutet. Die Herren haben aufgelegt. Wahrscheinlich hat ihr Zensurpiepgerät beim letzten langen Redeschwall meinerseits den Geist aufgegeben. Zu viel Vulva, zu viel Geschlecht, zu viel Penis. *piep* *pieppiep* *PIEP*

«Halb so wild.», denke ich. Es war vielleicht sowieso an der Zeit die Themen und meinen Fokus zu ändern. Ich interessiere mich ja auch für Blumen und Tiere, ein Naturfreunde Blog, das wäre doch eine spannende Alternative! Und noch während ich diese Idee einer Freundin im Chat mitteile, bekomme ich ein Daumen hoch Smiley der Zensurbehörde auf wechat und die Nachricht «这样就好。Zheyang jiu hao. 你会加油!Ni hui jiayou!» (So ist es gut, mach weiter so!).

Hoch lebe die Zensur!

«Witzigkeit kennt keine Grenzen, Witzigkeit kennt kein Pardon.» Ach Hape, wenn es nur so einfach wäre.

Das ist eine Lüge! #100jahrenixpassiert

Das ist eine Lüge!“, platzt es laut aus einem Bekannten raus, als wir gerade friedlich den Wake Up Comedy Beitrag zur Klitoris anschauen. Im Video geht es bei (Minute 9:18) um das Frauenwahlrecht in der Schweiz. „Das Frauenwahlrecht in der Schweiz wurde nicht erst nach 1970 eingeführt, das ist eine Lüge!“, wiederholt er mit Nachdruck und wirkt dabei wie ein Dampfkochtopf der gerade explodiert.

Mein lieber Herr Gesangsverein, nach gründlichen Recherchen meinerseits zur Geschichte der Eidgenossen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es vor dem Jahre 1971 tatsächlich kein Frauenwahlrecht in der Schweiz gab und ebendieses Frauenwahlrecht sogar erst 1990 in allen Kantonen eingeführt wurde. Wie schön, dass du mir deine „Meinung“ gesagt hast! Sie ist zwar falsch, aber es hätte ja echt sein können, dass ich mich auf der Bühne plötzlich um ganze 50 Jahre verrechne, einfach weil ich zu blöd dazu bin.

LÜGE! Hallt es in meinem Kopf nach. Ja klar, das ist alles eine LÜGE. Ich stelle mich nämlich gerne auf Bühnen und erzähle LÜGEN, die Klitoris wurde jahrhundertelang vergessen LÜGE, westliche Ärzte haben Genitalverstümmelungen in Europa durchgeführt LÜGE, den vaginalen Orgasmus gibt es nicht LÜGE, Sigmund Freud hat sich geirrt LÜGE und Frauen können witzig sein LÜGE und sie können recherchieren und lesen LÜGE und überhaupt mag ich es LÜGE zu rufen, wenn ich meine es besser zu wissen, obwohl ich keine Ahnung habe. LÜGE ZU ENDE!

EinemussdenJobjamachen

100 Jahre Frauenwahlrecht 

Am 19. Februar 2019, genau vor 100 Jahren, hielt Marie Juchacz als erste Frau eine Rede im Deutschen Parlament. „Marie Juchacz? Nie gehört!“, sagt ein angehender Volkswirt in einem Kurs. „Ging mir ähnlich, man hört ja auch wenig von Frauen in der Geschichte.“, sage ich. „Interessiert mich aber ganz ehrlich auch einfach nicht. Die hat die erste politische Rede als Frau gehalten? Ich weiß ja auch nicht wer die erste Transgender Person war, oder so.“

Alles klar, dafür habe ich volles Verständnis. Ich weiß auch nicht wer als erster Mann auf dem Mond gelandet ist, wer welchen Krieg angefangen hat, wer zur deutschen Demokratie beigetragen hat. Habe ich alles total vergessen, wer braucht schon Geschichte, warum lesen wir überhaupt Zeitung. Was soll das Ganze? Warum haben wir eigentlich das Frauenwahlrecht eingeführt? Wer hat sich das ausgedacht und kann man das wieder abschaffen? (Warum kommt meine Ironie nie durch?)

#100jahrenixpassiert

100 Jahre Frauenwahlrecht: Was würde Marie Juchacz sagen, wenn sie im Jahr 2019 eine Rede halten würde? Welche gesellschaftlichen Fragen beschäftigen uns seit 1919 und können sich die Dinge ändern?

Diese Fragen habe ich in einem Wettbewerbstext beantwortet, der wohl etwas zu politisch, fordernd und klitastisch war, als dass er einen Preis gewinnen könnte.

Viel Spaß beim Anschauen der Zeitreise von 1919 nach 2019: