Wake Up Comedy – Freiburger Kleinkunstpreis

KleinkunstpreisENDE

Ich kann nicht schlafen. In mir sprudelt der Text von heute Abend und ein Gefühl das mich wach hält und das mich in die Tasten hauen lässt. Was ist passiert?

Am 11. November fand der Kleinkunstpreis im Vorderhaus für Studierende in Freiburg statt. Ein Wettbewerb bei dem Studenten (ups Studierende) Kleinkunst auf die Bühne bringen. Der Saal war ausverkauft! Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass mein Thema „Die Klitoris- das geflügelte Einhörnchen“ überhaupt durchkommt und ich damit teilnehmen darf. Doch hast du dich nicht versehen war die Klitoris fest angemeldet beim Kleinkunstpreis.

Quoi faire? Einen Rückzieher machen? Absagen? Nicht die Bohne (äh.. Erbse!) dachte ich mir und versuchte mich an einem Comedy Programm, das zeigen sollte, dass die Klitoris nicht erbsengroß ist und dass sie vor allem als Organ verdammt unbekannt ist. Nur wie schreibt man das? Wissenschaftlich und doch witzig, unterhaltsam, aber nicht flach, mit Känguru Insidern und Sprachwitz, Freud-Bashing und einem Lied? Tja. Das kam so über mich. Plötzlich war er da, der fertige Text, das Einhörnchen (danke Tanja!) war gefunden und der Beat hörte sich geiler an als mein Gitarrensolo (danke Franzi!). Es hätte so schön sein können und das war es auch!

Die Stimmung an dem Abend war super und ich möchte jedem Einzelnen im Publikum DANKE sagen, dass ihr gekommen seid! Es hat so gut getan zu wissen, dass unter euch so viele Freunde des geflügelten Einhörnchens sind! Es ging mir heute nicht darum zu gewinnen, sondern vielmehr darum, dieses Thema auf die Bühne zu bringen. Übrigens stelle ich mir gerade genüsslich vor, wie viele Besucher des Kleinkunst Abends jetzt „Klitoris 3D“ googeln und Erstaunliches erfahren werden.

Aber. Und da ist der Haken! Mir ist heute Abend klar geworden, wie normal es ist sexistische Witze zu machen, selbst auf Kleinkunstbühnen in Freiburg. Ich hätte eine Strichliste im Laufe des Abends führen sollen mit Witzen unter der Gürtellinie, die direkt auf Frauen abgezielt waren. Mich treffen sie nicht so stark, ich hatte ja im Gegensatz zum großen Kleinkünstler des Abends etwas an. Außerdem liegt mein Einhörnchen zu 95 % im Körperinneren und hat Flügel. Das kommt einem bei tiefliegenden Frauenwitzen echt sehr zu gute.

Geflügeltes Einhörnchen

Ich möchte etwas verändern. 2018 ist das Jahr des geflügelten Einhörnchens aus dem Zizazauberwald, das für die Gleichbereichtigung und Selbstbestimmung der Frau kämpft. #FemalePleasure ist im Kino und wird weltweit das Thema ins Rollen bringen. Das erste Buch zur weiblichen Masturbation Petit Guide de la Masturbation Féminine kommt bald von einer Französin auf den Markt, Hilde Atalanta bringt „The Vulva Gallery“ als Buch raus, omgyes.com läuft und läuft und läuft!

Es ist noch nicht so weit.“, raunt mir eine Frau zu, umarmt mich herzlich und gratuliert mir zum zweiten Platz. Der zweite Platz ist toll, ich freue mich sehr darüber! Noch mehr hätte ich mich aber gefreut, wenn ich mich nicht fremdschämen müsste für Sprüche, die so auf keine Bühne gehören.

Ratzupaltuff. 

 

3 2 … 1 Einhörnchen!

Tanja

Für jeden der es noch nicht weiß: Einhörnchen goes Kleinkunstpreis! Seit Wochen fieber ich auf diesen Tag hin und habe alles vorbereitet: Der Text sitzt. Das Kostüm passt. Die Drummerin hat riesengroßes Talent. Viel kann nicht mehr schiefgehen! (außer vielleicht das Gitarren Solo).

Nach dem Kinostart von #FemalePleasure bin ich nun einmal mehr darin bestärkt, dass dieses Thema ein weltweites Thema ist, das mehr und mehr ins Rollen kommt.

Vielen Dank an alle die zum Auftritt kommen und Teil der Einhörnchen-Crew sind! Es bedeutet mir wirklich sehr viel, dass ihr da seid. Dank konstruktiver Kritik konnte ich den Text so verfeinern, dass ich mich nicht mehr darin verzetteln. Die Message des Abends ist klar: Einhörnchen sind wunderbar! Und krass, dass wir sie so lange nicht gesehen haben. Augen auf im Zizazauberwald!

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Zettelchaos bei den Vorbereitungen 

Wie oft ich im Sommer an den Plakaten vom Kleinkunstpreis vorbeigelaufen bin und dachte: „Kleinkunst. Wer da wohl mitmacht?“ Tja. So schnell kann es gehen. Schwupp die wupp steht man auf der Bühne und hat ein Programm geschrieben: das erste Wake-Up Comedy Programm. Das gibt es nämlich noch nicht. Ich will weder Witze über Männer, noch Witze über Frauen machen und erst Recht nicht Witze über Sex. Ich möchte Wissen vermitteln und das mit Humor, denn es ist so viel einfacher mit Humor über schwierige Themen, oder eben Tabuthemen zu sprechen. Ich bin gespannt und ihr sicher auch!

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Uiuiuiuiuiuiuiuiiiii

Ich würde mich freuen wenn nach dem Kleinkunstabend tausend Fragen zu dem Thema aufkommen und das geflügelte Einhörnchen in Gesprächen auftaucht. „Komm Einhorn, wir gehen… Morgen ist es so weit!“

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#FemalePleasure im Kino

Ein neuer Film kommt in die Kinos und er rüttelt wach: Female Pleasure ist eine Dokumentation von Barbara Miller über fünf Frauen aus fünf verschiedenen Weltreligionen, die sich für Aufklärung und sexuelle Selbstbestimmung der Frau einsetzen. Mehr dazu im Interview mit der Autorin und Regisseurin des Films.

femalePleasure

Der Kinostart des Filmes ist am 8. November 2018.

Ein guter Zeitpunkt um Mut zu tanken vor dem Auftritt beim Kleinkunstpreis. Denn wenn ich ehrlich bin, dann fürchte ich mich ziemlich vor den Dumpfbacken in dieser Welt, die nicht zuhören und nicht verstehen wollen. Ich fürchte mich vor den Extremisten aller Seiten, welche die Sexualität der Frau am liebsten wegschneiden würden. Vor diesen Leuten habe ich Angst, weil man mit ihnen nicht vernünftig reden kann… und doch weiß ich, dass ich meine durchaus privilegierte Situation ausnutzen muss.

Ich kann schauspielern, ich habe eine Familie und Freunde die mir den Rücken stärken und ich habe mit allen Frauen Schreibkontakt gehabt, die selbst etwas verändert haben: Prof. Helen O’Connel, Urologin und „Entdeckerin“ der Klitoris 1998, Dr. Laurie Mintz, Autorin des Buches „Becoming Cliterate“, Odile Fillod, Wissenschaftlerin und Entwicklerin des 3D Modells der Klitoris und Hilde Atalanta, Illustratorin und Autorin der Vulva Gallery.

Sie alle schrieben ich solle nicht aufgeben und das werde ich auch nicht, denn ich habe Ideen, neue Ideen wie die des geflügelten Einhörnchens, welche die Welt ein kleines bisschen besser machen könnten.

Geflügeltes Einhörnchen

Innerlich bereite ich mich auf einen großen Sturm vor. Mein Programm beim Kleinkunstpreis am 11. November 2018, sei es noch so klug und humorvoll in Einhörnchen Format verpackt, wird provozieren. Denn ich spreche aus, was wissenschaftlich zwar längst belegt, kulturell aber noch nicht bei allen angekommen ist.

Die Wahrheit kann niemals zu weit gehen.“, sagte Dr. Mary Steichen und sie hat Recht.

UNITV

Eine Umfrage auf dem Campus

Letzten Mittwoch habe ich mit zwei Redakteurinnen von UniTV eine Umfrage auf dem Uni Campus in Freiburg gemacht. Von 16 Studierenden konnten nur drei die Klitoris identifizieren, als ich ihnen eine schwarz-weiß Zeichnung und das 3D Modell der Klitoris zeigte, davon waren zwei Männer. Die anderen rieten wild drauf los: „Vogel, Kürbis, Kleiderhaken, Pokémon, Qualle, Kunst.“ Keiner hatte von ihnen hatte die Klitoris je gesehen.

Naja, das ist ja auch nicht verwunderlich… Würde man eine Leber in 3D ausdrucken, dann würde das auch niemand erkennen.“, sagt jemand. „Mag sein.“, antworte ich. „Nicht jeder weiß wie eine Leber aussieht, nicht jeder weiß wie eine Lunge, oder eine Bauchspeicheldrüse aussieht, aber jeder weiß dafür wie ein Penis aussieht. Dein Leber Vergleich hinkt.“ „Ja gut, aber keiner würde zum Beispiel eine ausgedruckte Prostata in 3D erkennen. Das musst du doch zugeben.“ „Das mag auch sein, aber trotzdem würde immer noch jeder einen Penis erkennen.“

Ja, aber von der Prostata hört man bei der männlichen Anatomie nie etwas. Das beschränkt sich doch auf Penis und Hoden.“ „Naja… Da frage ich mich welches Anatomiebuch du aufgeschlagen hast, die Prostata war mir jedenfalls als Frau bekannt: Prostata Krebs, Prostata Massage. Man hört doch so einiges. Sicher, es gibt auch dort noch Aufklärungsbedarf, aber offensichtlich leben viele Männer eine erfüllte Sexualität ganz ohne ihre Prostata jemals gespürt zu haben. Frauen, die ihre Klitoris nicht kennen und nicht mit ihrer Funktion vertraut sind, können das nicht behaupten.“ „Hör auf solche gewagten Thesen in den Raum zu stellen!“ „Ich fange gerade erst an.“

Die Tatsache, dass niemand die Klitoris identifizieren kann liegt doch eindeutig daran, dass man sie einfach nirgendwo als Zeichnung gesehen hat.“, sage ich. „Da magst du Recht haben, aber vielleicht liegt es auch einfach daran, dass man nur den von außen sichtbaren Teil zeichnet.“

KlitorisKarrikatur

Quelle: Tagesanzeiger vom 29.10.2018 (S.12)

Wenn man nur den sichtbaren Teil zeichnen würde, dann wäre es eine winzig kleine Erbse und kein merkwürdiger Haken, der wie ein Wurmfortsatz aussieht. Es ist nicht so schwer die Klitoris in voller Größe zu zeichnen, wenn man will.“

Ende des Gesprächs.

Wie wäre es denn, wenn alle Männer nur von 2 Zentimeter ihres Penis wüssten und der Rest im Körperinneren verborgen wäre? Würde man dann plötzlich aufhören, das innen liegende Organ zu zeichnen? Wie wäre es, wenn man beim männlichen Orgasmus plötzlich Kategorien einführen würde wie: „Das war jetzt zu 20 % ein Prostata Orgasmus 70 % gehen auf die Stimulation des Penis zurück und 10 % kommen von fantasievollen Gedanken.“

Es wäre BESCHEUERT! Genau so bescheuert wie die Klitoris nicht in ihrer vollen Größe zu zeichnen und genauso bescheuert wie zwischen einem vaginalen und klitoralen Orgasmus zu unterscheiden, obwohl jede Art von Orgasmus im Endeffekt die Klitoris zu orgastischen Zuckungen bringt.

2018 Freiburg im Breisgau

Anders als in Japan komme ich nicht hinter Gitter, weil ich die Klitoris Im FreiLab in 3D ausgedruckt habe. Ich dürfte sogar einen Abdruck meiner Vulva in ein Museum stellen, wenn ich es wollte.

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Die Klitoris im 3D Druck

Anders als die japanische Künstlerin Rokudenashiko werde ich auch nicht ins Gefängnis kommen, falls ich jemals Lust hätte die Form meiner Vulva als Kajak auszudrucken und in ihm den Rhein runter zu paddeln.

Anders als viele Frauen in dieser Welt muss ich keine Angst davor haben beschnitten und damit grausam verstümmelt zu werden.

Anders als viele Frauen werde ich niemals auf den Wahnsinn der sogenannten „Schönheitsindustrie“ reinfallen und mir die Vulvalippen verkleinern lassen, einen G-Punkt spritzen lassen, oder die Klitoris Vorhaut entfernen.

In mir ist Wut. Wut darüber wie viel schief läuft. Wie viel Ungleichheit beim Thema Sexualität herrscht. Das fängt bei unvollständigen Zeichnungen der Klitoris in Anatomiebüchern an und wird bei Gesprächen aufhören in denen ich die Klitoris verteidige. Als ob es irgendetwas zu verteidigen gäbe. Als ob es nicht krass genug ist, dass dieses Organ in seiner vollen Größe so rigoros aus unserem Weltbild gelöscht wurde und noch heute grausam verstümmelt wird.

Es ist Zeit etwas zu verändern und ich werde mein Bestes geben das zu tun. In allen Sprachen die ich fließend spreche, bis das Wissen über die Klitoris über alle Kontinente schwappt.

Wenn ich einmal Großmutter bin, dann hoffe ich, dass man die Klitoris so selbstverständlich erkennt wie man einen Penis erkennt. Ich wünsche mir, dass Frauen mit einem neuen Selbstverständnis der eigenen Sexualität aufwachsen. Ich wünsche mir, dass sie sich durch das Wissen der Vulvavielfalt immer schön fühlen werden und den Schönheitschirurgen die Kundinnen weglaufen.

Ich wünsche mir, dass Genitalverstümmelung eine grausame Praktik der Vergangenheit sein wird. In China hat man Frauen bis ins 20. Jahrhundert die Füße gebrochen und zusammengebunden, sodass sie ihr Leben lang verkrüppelt waren:

„Tradition.“ Auch das hat ein Ende gehabt.

Die Welt war einmal eine Scheibe, heute ist sie eine Kugel.

Die Klitoris war einmal eine Erbse, heute ist sie ein Organ.

Warum Einhörnchen?

Geflügeltes Einhörnchen

Ein Einhörnchen, zwei Einhörnchen, drei Einhörnchen. Eichhörnchen? Nein, kein Eichhörnchen: Ein-Hörn-chen. Am 11. November um 19 Uhr findet der Kleinkunstpreis für Studierende im Vorderhaus in Freiburg statt. Stargast des Abends ist das geflügelte Einhörnchen, alias die Klitoris. Warum eigentlich Einhörnchen?

Die Einhörnchen Idee flog mir zu, als ich gerade dabei war einen Text über Verhütung zu schreiben und mir auffiel, dass ein cooles Berliner Startup die Marke „Einhorn Kondome“ in Deutschland erfolgreich auf den Markt gebracht hat und es nichts vergleichbares für Frauen gibt, sondern nur teure „Lecktücher“ auch Dental Dams genannt zur oralen Verhütung, deren Bezeichnung Unbehagen auslöst. Mir kam also die Idee, dass es ziemlich genial wäre „Liebestücher für Einhörnchen“ zu produzieren und ich schrieb den Leuten der Einhorn Firma eine Mail.

Das geflügelte Einhörnchen

So entstand das Wort Einhörnchen und seitdem hat es Flügel bekommen, denn je mehr ich mich mit dem Thema Klitoris beschäftigte, desto mehr wurde mir bewusst mit wie viel Scham dieses Wort besetzt ist. Einhörner dagegen finden alle cool und süß und knuffig und wer kann schon einem geflügelten Einhörnchen widerstehen?

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Das geflügelte Einhörnchen wird Geschichte machen, hoffe ich. Nicht, dass wir noch weitere Verniedlichungen für weibliche Geschlechtsteile brauchen Mumu Muschi und co. reichen völlig aus, aber ich finde das Wort Einhörnchen ist gerade deshalb so wichtig, weil es auf liebevolle Art und Weise einen Teil des weiblichen Körpers beschreibt. Ein sehr lesenswerter Artikel dazu ist übrigens im ZEIT Magazin erschienen: „Hallo Welt, hier Vulva“

Von der Idee zur Bühne

Die Idee über die Klitoris und ihre volle anatomische Größe aufzuklären brodelt seit Monaten in mir, doch bislang habe ich alle meine Gedanken und Recherchen dazu nur auf Papier gebracht. Ein best-off als Bühnenprogramm auf die Beine zu stellen erfordert viel Mut, denn Tabus bricht man nicht einfach so über Nacht, man enttabuisiert sie Schritt für Schritt, bis sie komplett tabuløs werden.

Kleinkunstpreis für Studierende: 11. November 2018

Künstlerin: Jorinde Wiese

Titel: Die Klitoris – das geflügelte Einhörnchen

Genre: Wake-Up Comedy

Beschreibung: Im Jahr 2018 befinden sich noch immer viele Menschen im genitalen Winterschlaf. Was bei einer Frau „da unten los ist“ gleicht einem Mysterium. Kein Wunder, dass die Klitoris meist nur als Erbse bekannt ist. Die Klitoris, das weibliche Zentrum der Lust blickt auf eine jahrhundertelange Tradition des Entdeckens, Verschweigens, Vergessens und Verstümmelns zurück: Zeit sie ans Licht zu holen! Mit Witz, Charme und Wissen erklärt Jorinde Wiese was die Klitoris mit einem geflügelten Einhörnchen gemeinsam hat und warum es absolut nicht peinlich ist über die Klitoris zu reden, sondern vielmehr sie nicht zu kennen. Mit dem Song 99 Einhörnchen rundet sie das Programm musikalisch ab.

99Einhörnchen

Kommt vorbei! 🙂 Karten gibt es im Vorverkauf, genau hier.

Erzähl mir eine Geschichte – Shanghai versinkt im Regen –

Erzähl mir eine Geschichte.“, sagst du. „Eine aus China.“, fügst du hinzu „Da gibt es tausend Geschichten.“, sage ich und überlege kurz.  „Fang doch einfach mit einer an, ich habe viel Zeit.“, sagst du und machst die Augen zu. Und ich nehme dich mit in eine andere Welt, 12 Flugstunden entfernt im verregneten Shanghai.

Es ist Oktober 2016 und Shanghai ist schon fast zu meinem Zuhause geworden. Diese neue verrückte Welt fühlt sich erstaunlich normal an. Auf den Straßen steht das Wasser und die Bürgersteine sind so glitschig, dass man aufpassen muss beim Laufen nicht auf dem Hintern zu landen. Autos fahren vorbei und lassen das Wasser nur so spritzen. „Eins, zwei, drei und los geht´s.“, sage ich und pfussch da kommt schon die Welle: (bitte hier klicken). Ich warte an der Ampel bis es grün ist und schaue vorsichtig nach links. Rot ist nicht gleich rot in China, Autofahrer und Motorräder dürfen immer rechts abbiegen und das kann sehr gefährlich werden. Seit ich meinen ersten Unfall nur wenige Meter vom Wohnheim entfernt gesehen habe, passe ich noch mehr auf, damit ich nicht schwupp die wupp unter den Rädern lande.

Vor dem Unterrichtsgebäude stehen Studenten im Regen und reden in allen möglichen Sprachen. Ich höre Chinesisch, Englisch, Deutsch und viele andere undefinierbare Sprachen. Neben der Treppe die zu meinem Klassenzimmer führt stehen im Trockenen große Schüsseln mit Katzenfutter und daneben ist ein Getränkeautomat. Am ersten Tag habe ich mir dort noch Wasser gekauft, weil man das Wasser aus dem Hahn nicht trinken kann. Jetzt schleppe ich immer vorsorglich meine 1,5 Liter Wasserflasche mit mir rum. Man kommt ganz schön außer Puste, wenn man die 3 Stockwerke hochläuft, irgendetwas ist hier mit der Luft. Jedenfalls bin ich viel schneller angestrengt als zuhause, bilde ich mir ein.

Im Flur liegen ganz viele Regenschirme, ich sage auf Chinesisch „All die Regenschirme, kleine große, das hier ist meiner, aber der ist kaputt. So einen großen hätte ich gerne!“ (bitte hier klicken) und dann gehe ich in das Klassenzimmer rein „教师“. Dort sitzen alle nach der Pause und reden miteinander. Meistens auf Chinesisch, wir versuchen es zumindest so gut es geht. Mein Lieblinglingsplatz ist am Fenster, da sitze ich immer wenn die Sonne scheint. Wenn sie denn scheint, manchmal sieht man auch kaum etwas vom Himmel, dann hängt der Smog über der Stadt und verhüllt sogar den Bottle Opener in dichten Nebel.

Nach dem Unterricht gehe ich in einen kleinen Supermarkt auf dem Campus. Man sieht die grüne Wiese gegenüber, die im Regen versinkt. Durch den Plastikvorhang geht es in den Supermarkt rein. Dort gibt es alles was das Herz begehrt, frisches Obst, Wasser, Knabberzeugs, Würste so weit das Auge reicht, Kerne noch und nöcher und natürlich mein absolutes Highlight „getrocknete Entenhälse.“ (bitte hier klicken) Fein, fein, fein!

Am Abend geht es noch einmal raus. Ich muss unbedingt mein Visum verlängern lassen, also los, raus in die nasse Kälte und rein in die Metro. Eng an eng steht man da, fast jeder schaut auf sein Handy. Es wird gerne reingedrückt, während die Leute noch am rausgehen sind. Ich versuche meistens anzukündigen, dass ich bald aussteigen möchte, dann machen die Leute Platz. Vor lauter Aufregung etwas laut auf Chinesisch zu sagen, verspreche ich mich aber mehrmals. Anstatt „Ich steige gleich aus.“, zu sagen sage ich aus Versehen „Ich habe jetzt Unterricht aus.„, oder „Ich das nächste Auto.“ Chinesisch ist verhext, ein paar Zischlaute vertauscht, oder Töne verwechselt und schon ist die Bedeutung eine ganz andere.

Draußen angekommen mache ich einen kleinen Regentanz. Mir ist zwar kalt, weil meine Hose klatschnass ist und die Jacke nicht wirklich warm, aber davon lasse ich mir die gute Laune nicht verderben. „Füdli use, Ärm zrück, daidadatadidadatadidadadaaa…“ (bitte hier klicken)

Das war zwar keine Geschichte, aber ein Tag in Shanghai, so wie er wirklich passiert ist und es warten noch viele weitere kleine Geschichten, die erzählt werden wollen.

Nacht in Shanghai 晚安!

 

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Nihao Deutschland

Zu Gast bei Nihao Deutschland

Kurz nach meiner Rückkehr nach Deutschland im Juli erhielt ich eine Anfrage von der Fernsehsendung „Nihao Deutschland“. Diese Sendereihe beschäftigt sich mit Themen, die mit der Kultur und Wirtschaft Chinas zu tun haben und zeigt Geschichten von Deutschen in China und Chinesen in Deutschland. Es handelt sich dabei um eine Ko-Produktion mit der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua und der DFA Deutsche Fernsehnachrichten Agentur. Der Beitrag über das Chinesisch Lernen ist hier in Episode 181 zu sehen. (Beginn bei 13:45)

Eine chinesische Freundin aus Freiburg macht gerade bei diesem Sender ein Praktikum und schlug mich kurzerhand als geeignete Kandidatin für die nächste Sendung vor. Zu Gast im Studio waren schon das Rap-Kollektiv Feichang Fresh sowie Thomas Derksen, der in China mit Videos auf Youku durchgestartet ist und viele weitere interessante Gäste. Das Studio sei in Berlin und für den gesamten Dreh plane man einen Nachmittag ein. Ohne groß zu zögern sagte ich zu und nutzte die Chance um in Berlin und Umgebung Freunde und Familie zu besuchen.

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Im Studio 2

Mit meiner Gitarre im Gepäck machte ich mich auf den Weg durch Berlin zu den Havelstudios in der Nähe des Olympiastadions. Dort lag das Studio 2 in einer wunderschönen Gegend mit Ausblick auf Boote, welche direkt daneben im Wasser lagen.

 

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Im Studio wurde gerade noch das Interview mit dem vorherigen Gast gedreht und so wartete ich kurz, bis ich in die Maske gebeten wurde und mich entspannt zurücklehnen konnte. Mit geschlossenen Augen begrüßte ich den Leiter der Sendung, während gerade der Lidstrich gezogen wurde und er fragte mich ob ich auch wirklich singen wollte. Na klar wollte ich! Als ich die Augen wieder aufmachen durfte, betrachtete ich neugierig die Makeup Paletten, die sich vor mir ausbreiteten und wie die Visagistin sorgfältig alle Töne miteinander vermischte und mich im wahrsten Sinne des Wortes anpinselte.

Danach galt es zu warten und da sie mit der Technik noch nicht so weit waren, schnappte ich mir meine Gitarre und spielte gegen die aufkommende Panik an. „Wir haben ja alle schon eine Kostprobe hinter der Kulisse bekommen, magst du das nicht mal auf der Bühne ausprobieren?“, werde ich gefragt und ehe ich mich versehe stehe ich verkabelt vor drei großen Kameras.

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Ignorier die Kameras einfach, jetzt geht es erst Mal nur um den Ton. Alles klar und los.“ Ich spiele Gitarre, singe dazu und versuche dabei das Adrenalin abzubauen, welches sich angestaut hat. Nach ein paar Minuten nimmt der Mann für den Ton seinen Kopfhörer ab und gibt mir einen Daumen hoch: „Super! Toll hört sich das an, echt klasse.“ Das Team bespricht sich, schreibt die Ansagentexte um, sie wollen meine chinesische Übersetzung von „Lass es Liebe sein – 让它成为爱“ (Rosenstolz) als eigenständigen Teil der Sendung ankündigen. Ich spiele derweil Rasmus Seebach „Millionær“ und das Liebeslied von Bodo Wartke vor mich hin.

 

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Wir fangen mit dem Lied an, bist du bereit? Fürs Interview ist später noch Zeit.“, wird mir gesagt. Klappe die erste und Action! Ich atme tief ein, fange an zu spielen und singen, Blick in die Kamera, alles läuft gut, doch nach der dritten Strophe verhaspel ich mich plötzlich im Text. Fällt ja niemandem auf, denke ich und breche dann doch ab. Klar fällt das auf! Jeder Chinese wird sich wundern was ich da gerade für einen Quatsch gesungen habe. Also noch einmal, Klappe die zweite und Action! Hinter mir wird der Bildschirm plötzlich schwarz, ein technischer Fehler. Ich trinke einen Schluck Wasser, mittlerweile steht mir das Adrenalin bis zum Hals, jetzt muss es doch endlich klappen!

Im Gegenteil, beim dritten Mal verhaspel ich mich gleich am Anfang und bekomme gar nichts mehr auf die Reihe. Der Text scheint aus meinem Kopf rausgepustet zu sein. Ich spiele ein bisschen vor mich hin und ärgere mich nicht mehr geübt zu haben. Doch eigentlich war genau das Teil meiner Strategie, denn ich wollte das Lied nicht tot spielen. Jedes Lied welches man zu oft übt verliert an Glanz und gerade bei diesem Lied, welches mir so wichtig ist, wollte ich unbedingt die starken Gefühle beim Singen zum Ausdruck bringen.  „Kann man irgendetwas für dich tun? Wir können auch kurz Pause machen.“, ruft mir jemand aus dem Raum zu, aber ich schüttel nur mit dem Kopf. „Ich ziehe das jetzt durch!Klappe die vierte und Action! Es klappt dieses Mal wie am Schnürchen, einmal verspiele ich mich zwar leicht, aber das ist weniger schlimm als im Text einen Verdreher einzubauen. Trotz Nervenflattern geht das Lied einigermaßen gut über die Bühne.

Uff… geht doch!“, sage ich erleichtert als alles im Kasten ist, das Team klatscht und ich torkle mit wackeligen Knien von der Bühne in den Nebenraum. „Große Klasse Jorinde, das hast du wirklich prima gemacht.“, sagt jemand anerkennend und ich bin versucht „不不不!“ (Nicht doch! Nicht doch!) zu sagen, aber hier im Studio versteht ja niemand Chinesisch. Als ich ohne Gitarre zurück ins Studio komme summt Marco, der Moderater bereits das Lied welches ich gerade gesungen habe vor sich hin: „Totaler Ohrwurm…“, sagt er und singt dazu den chinesischen Refrain: 让它成为爱。(= Lass es Liebe sein). Den Titel des Liedes musste er nämlich für die Ansage auf Chinesisch auswendig lernen und kann deshalb jetzt den Refrain auswendig singen. Ich muss schmunzeln, das Lied scheint nicht nur mir so gut zu gefallen!

Danach folgte der zweite Teil, das angekündigte Interview. Es soll ums Chinesisch Lernen gehen und mein Auslandsjahr in Shanghai. Ich hatte mir natürlich im Voraus ein paar Dinge überlegt, die ich gerne sagen wollte, doch als die Fragen auf mich einprasselten quatschte ich munter drauf los und versuchte angestrengt trotz der Aufregung in anständigen Sätzen zu sprechen. Das ist gar nicht so einfach wie es aussieht und manchmal brauchte es einen zweiten Anlauf. Schade eigentlich, dass die lustigsten Patzer und kleinen Versprecher sicher raus geschnitten werden, aber im Fernsehen soll ja immer alles perfekt sein.

Der Sendetermin ist Montag, der 4. September. Ich bin gespannt! Ehrlich gesagt kann ich mich vor lauter Aufregung kaum an den Inhalt des Gespräches erinnern, nur dass ich bei der Frage nach Fettnäpfchen und sprachlichen Missverständnissen in China vergessen habe von dem Tag zu erzählen, an dem ich einem Freund in Shanghai aus Versehen schrieb: „Ich habe einen Menschen gegessen.“ “我吃了一个人。” anstatt zu schreiben „Ich habe alleine gegessen.“ “我一个人吃饭了。” Es war trotzdem super!

Herzlichen Dank an das tolle Team im Studio und an die Einladung zu Nihao Deutschland! Ich war mit großem Spaß dabei und freue mich darüber, dass ich meine Faszination für Chinesisch teilen durfte!

再见! Auf Wiedersehen!

Jorinde 若云

 

Shanghai Shanghai

Hallo zusammen! 🙂

Nach einem Jahr in China genieße ich seit ein paar Tagen die Ruhe zuhause, atme die frische Luft, lausche den Vögeln, esse Vollkornbrot, Salat und Äpfel und trinke frischen Kaffee mit Milch. Das Leben kann so einfach sein und so schön!

Hello everyone! 🙂

After one year in China I am now enjoying the quietness at home, breathe the fresh air, listen to the singing of the birds, eat healty bread, salad and apples and I drink freshly brewed coffe with milk. Life can be so simple and so beautiful!

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Durch Shanghai drehen

Dabei vermisse ich Shanghai, vermisse die lebendigen Straßen mit den lebensgefährlichen Bussen, die nur auf der Suche nach Fußgängern sind, welche sie umfahren können. Ich vermisse das hektische Treiben, das Chinesische Geplapper um mich herum, das Gefühl in Menschenmassen zu schwimmen. Ich vermisse die Melodie von Family Markt (tadadadadadadadadaaaa) und den Geruch frischer Baozi. Ich vermisse die Geräusche am frühen Morgen vom Klappern des leeren Müllwagens (bummbummbumm), den Straßenfegern (pfftpfftpfft), den Baustellen in der Stadt (tuschtuschtusch) bis zu den piependen Motorrädern (piupiupiu) und natürlich den „水还有水“ Mann, unser Wassermann im Wohnheim, der Wasser in Kanistern verkauft und es zu allen Tag- und Nachtzeiten in einem lauten Singsang anpreist.

Vor allem aber vermisse ich alle lieben Menschen, die mir in diesem Jahr über den Weg gehüpft sind und mir allesamt sehr ans Herz gewachsen sind. Nur die Sprache zu lernen, das klappt nie, denn man lernt sie ja nur durch Gespräche und Erfahrungen. Schön ist das und traurig zugleich, weil alle diese Menschen irgendwo auf der Welt verteilt leben!

Das Jahr an der Tongji Universität war farbenfroh, mit allen Farben die man sich vorstellen kann, ob trist und manchmal grau, ob blau und wunderschön, oh ich würde mich so gerne wieder durch Shanghai drehen…

Turning around in Shanghai

While enjoying all these things, I miss Shanghai, I miss the lively streets with the threatening busses that seem to be looking for pedestrians to roll over. I miss the hectic movement of people around me and the feeling of swimming in a crowd of people. I also miss the sound of Chinese chitchatting around me and the melody of Family Markt (tadadadadadadadadaaaa) and the smell of fresh Baozi. I miss the sounds early in the morning, from the rattling of the empty garbage trucks (bummbummbumm), the people cleaning the streets (pfftpfftpfft), the construction works (tuschtuschtusch) and of course the“水还有水“ man, our water man who came to the dormitories to sell water every second day.

Most of all I miss all the wonderful people, that I met during this one year and who became close friends. It never works to learn only the language, because you only learn a language through conversations and experiences. That is beautiful and at the same time sad, because all these people live somewhere on this earth.

This one year at the Tongji university was very colourful, with all the colours you can possibly imagine! Sometimes dull and grey, sometimes blue and wonderful, oh how I would love to turn around in Shanghai one more time…

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Ehrlich gesagt fühlte es sich oft so an als ob die Zeit im Schneckentempo vergehen würde, besonders während weniger interessanten Unterrichtsstunden…

To be honest it often felt like time was not passing at all, especially during not very interesting classes…

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Ich kam mit einer geballten Portion Motivation in China an und hatte ein tolles erstes Semester mit guten Lehrerinnen und einer außergewöhnlichen und sehr herzlichen D-班 Klasse. Durch wöchentliche Videos konnte ich meinen Fortschritt dokumentieren und fühlte, dass Chinesisch zwar eine große Herausforderung ist, man aber schnell besser wird und nicht mehr nur 听不懂 Bahnhof versteht!

I came to China with a lot of motivation and spent a great first semester with good teachers and extraordinary classmates in a very nice class D-班 . Every week I took a video to document my progress in speaking Chinese and I felt like Chines definitively was a challenge, but I also felt that you can improve very fast and then you do not only understand nothing 听不懂. 

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Das sind meine Kommilitonen vom ersten Semester 🙂 亲爱的同学们

Im zweiten Semester lies die Motivation merklich nach, oder wurde viel mehr von Langeweile und Überforderung aufgefressen. Das sah dann ungefähr so aus:

In the second semester my motivation was slowly vanishing. Boredom and the feeling that everything was too difficult made me feel more und more unmotivated, which kind of looked like this:

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Ich bin der festen Überzeugung, dass Langeweile ein Schlüssel zur Kreativität ist und so entstand aus einer spontanen Schnapsidee die Band „Shanghai Sisters“ mit einem großen Auftritt vor vielen neugierigen Kurz- und Langnasen. Das war toll und solche Momente möchte ich trotz aller Aufregung während den Vorbereitungen und Nervenkitzel hinter der Bühne nicht missen!

I am deeply convinved, that boredom is the key to creativity and that is one of the reasons why I had the spontaneous idea to found a band called „Shanghai Sisters“. Together with Katharina and Pinelopi we went on a big stage and had a performance in front of all the students. That was amazing and I certainly don´t want to miss those moments despite being nervous backstage and feeling the thrill on stage.

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In den letzten Monaten überschlugen sich die Ereignisse in China und der Zeit Tiger rannte mir so schnell davon, dass ich nicht einmal mehr Zeit hatte neue Blogartikel zu schreiben. Das wird jetzt aufgeholt, soweit der Plan!

During the last few months so many things were happening in China and the time tiger was running so fast, that I had a hard time to catch him and I didn´t even find the time to write new blog articles. This will change now, that´s the plan!

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Wie war es in China?“, fragt das Känguru. „Das ist eine verdammt gute Frage. Hast du 10 Minuten Zeit?“, sage ich. „10 Minuten? 10 Stuunden.“, sagt das Känguru und ich beginne zu erzählen, von den ersten Wochen in Shanghai mit drückender Hitze und Nächten in denen an Schlaf nicht zu denken war, weil die Stadt niemals schläft und immer irgendwo etwas bummbumm, pfftpfft, tuschtusch oder piupiu macht.

How was it in China?„, asks the kangaroo. „That´s a really good question. Do you have 10 minutes?„, I ask. „10 minutes? 10 houuurs.„, says the kangaroo and I start to tell about my very first few weeks in Shanghai with suffocating heat and nights where I could not even think of sleep, because the city never sleeps and there is always the sound of bummbumm, pfftpfft, tuschtusch or piupiu coming from somewhere.

Ich hole tief Luft und erzähle in einem Atemzug von meiner genialen D-班 Klasse an der Tongji Universität, mit Menschen aus aller Welt, deren Chinesisch so viel besser zu sein schien als meines und wie wir täglich mit Händen und Füßen in einem Mix aus Chinesisch und Englisch miteinander kommunizierten und dabei so viel Spaß hatten.

I am taking a deep breath and tell the kangaroo about my wonderful D-班 class at the Tongji university, with people from all over the world whose Chinese seemed to be so much better than mine and how we communicated every day with a mixture of Chinese and English, sometimes using our hands and feets to express what we wanted to say.

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                                                               快乐 D-班 🙂

Ich erzähle von der bleiernen Müdigkeit die mich in den Unterrichtspausen überkam, weil mein Kopf so erschöpft war und keine chinesischen Zeichen mehr verarbeiten konnte.

I share about how I felt totally exhausted and tired during the breaks in school and how my head felt so full that I couldn´t remember new Chinese characters.

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Ich erzähle vom Kampf mit den Schriftzeichen und all den Hausaufgaben und wie jeder Tag sich anfühlte als ob ich einen Chinesisch Marathon laufen müsste.

I tell him about the fight with the characters and all the homework he had to do and how every single day felt like running a Chinese marathon.

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Ich erzähle von meinen ersten Ausflügen in die Stadt, vom bunten Treiben der Straßen…

I share about my first trips to the city, about the lively streets crowded with people.

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… von kleinen Geschichten die mir über den Weg liefen und sprachlichen Missverständnissen, über die ich jetzt noch lachen muss. Die Schriftzeichen 人口 und 入口 sehen sich doch wirklich zum Verwechseln ähnlich, oder etwa nicht?

… and about small stories that happened on my way and the misunderstandings that happened while speaking Chinese. The characters 人口 and 入口 look so similar, don’t you think?

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Ich erzähle von einer durchtanzten Nacht auf einem Dach mit Blick über Shanghai…

I tell him about one night where we danced like crazy on a rooftop with a view over Shanghai…

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… und vom Winter, der langsam aber sicher kam und der nassen Kälte, die einem in die Knochen kriecht, weil es nirgendwo wirklich warm ist. Ich erzähle von dem Tag als endlich mein Wintermantel von zuhause ankam und ich nicht mehr im Schaflook mit vielen Schichten Kleider in den Unterricht gehen musste.

… and about the winter, that slowly but surely came and the wet coldness, that creeps inside your body and chills you to the marrow, because nowhere is a place where it is really warm. I talk about the day when my winter jacket finally arrived from home and I didn’t have to dress like a sheep anymore when I went to class in the morning with many layers of clothes.

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Ich erzähle von der ersten Reise nach Peking, ausgerechnet am Nationalfeiertag in der sogenannten goldenen Woche, wenn ganz China unterwegs ist. Am liebsten erinnere ich mich dabei wie ich auf auf einer nassen Treppe ausrutschte und auf meinem Allerwertesten holterdipolter eine große Treppe bei einer Metro Unterführung runter fiel

I tell him about the first travel to Beijing during the national holidays when whole China was travelling too. My best memory of this trip was when I slipped on the long staircase of a metro station and fell down several steps in a very elegant way…

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Ich schwärme von der großen Mauer und der Aussicht, vom Wind der einem dort um die Nase weht und von längst vergangen Tagen berichtet.

With excitement I talk about the Great Wall and the breathtaking view. I describe how the wind is blowing around your nose there is filled with the memories of the old times.

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Ich erzähle vom Sommerpalast und wie schön dieser See war, wie toll es sich angefühlt hat endlich wieder Wasser zu sehen und Bäume und Boote und wie bezaubernd das alles war trotz der vielen, vielen Menschen die unterwegs waren.

I describe how amazing the Summer Palace in Beijing is and how beautiful this lake was, how great it felt to see water and trees and boats and how fascinating all of this felt like, although there were a lot of people travelling.

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Und weil man beim Reisen die tollsten Geschichten erlebt, erzähle ich von Suzhou 苏州

And because you experience the best stories, I tell him about Suzhou 苏州

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… und dem Dänischen Bäckermeister, den ich dort traf.

… and the Danish master baker, who I met there.

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Ich erzähle von Hangzhou 杭州 

I tell him about Hangzhou 杭州

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… und zwei kalten Nächten im Zelt dort.

… and two cold nights in the tent there.

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Das Känguru ist mittlerweile eingeschlafen. Ich stupse es an, doch es rührt sich nicht.

Meanwhile the kangaroo has fallen asleep. I nudge it, but it doesn’t move.

Trotzdem erzähle ich weiter von Guilin

Nevertheless I continue sharing about Guilin…

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… und den fantastischen Landschaften die es dort gibt.

… and the fantastic landscapes you find there.

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Das Foto sollte eine Parodie auf die Damen sein, welche im Regen auf diesen rutschigen Steinen am Flussufer Stöckelschuhe trugen nur um auf den Fotos gut auszusehen.

This photo is ment to be a parody to all the ladies posing for photos, who came to this place wearing high heels although the ground was so slippery after the rain.

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Reisterasse bei Longjin rice terrace in Longjin

Das Känguru schnarcht, sein Kopf sinkt auf den Beutel.

Unbeirrbar erzähle ich weiter von der Katze, die wir an einem Abend in Shanghai mit vereinten Kräften mit einer komplizierten Seilkonstruktion von einem 7 Meter hohen Fenstersims gerettet haben, nachdem ein Deutscher mich ansprach: „Wie sagt man Katze retten auf Chinesisch?“. Das Känguru ist wieder aufgewacht. Katze retten? Wie was wer wo wann wie?“, fragt es mit aufgerissenen Augen und gähnt dann herzlich.

The kangaroo is snoring, his head is sinking down on his pouch.

Without hesitating I continue sharing the story about the cat, that we saved one evening in Shanghai, working together as a team and with help from fireworkers. After a German guy asked me: „How do you say saving a cat in Chinese?“ we constructed a rope construction to save the lost cat from the 7 meter high window sill. The kangaroo woke up again. Saving a cat? How when what why who what?„, it is asking with his eyes wide open and starts yawning.

Ich erzählte von anfänglich gescheiterten Tütensuppenkochversuchen in der Wohnheimsküche (es fehlte der Schneebesen), die sich später (mit Schneebesen) zu wahren kulinarischen Geschmackserlebnissen entwickelten…

I share about my attemps to cook instant soups from home in the kitchen of the dormitory and how I failed during that simple task (I didn´t have a wire whisk) and how those soups from home (with a wire wisk) turned out to be culinary delights…

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… und vom ersten frischen Salat mit Soße (und meiner unübersehbaren Begeisterung), von gelungenen und köstlich gefüllten Crêpes, von Gemüsepfannen, Vollkornbratlingen, Gemüse Curry und vom erfolgreichen Zubereiten von Kartoffelsalat für über 100 Leute beim Global Village.

… and of course I mention my very first fresh salad in Shanghai with dressing (and my obvious excitement), the French Crêpes, vegetable curry and how we successfully cooked potatoe salad for over 100 people during the Global Village.

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Dann geht mir die Puste aus und ich hole Luft. „Hast ja auch echt viel erzählt.“, sagt das Känguru. „Ist ja auch echt viel passiert.“, sage ich.  „Na das hat sich aber im letzten Artikel noch ganz anders angehört.“, sagt das Känguru und schiebt sich mit der Pfote eine Schnapspraline in den Mund. „Jetzt liest ja niemand mehr mit.“, sage ich. „Wer weiß.“, sagt das Känguru und rümpft seine Stupsnase. „Das werden wir ja noch sehen.“

Then I run out of steam and I take a deep breath. „You have shared a lot today.“, says the kangaroo. „A lot of things happened.“, I say. „Well, that sounded different in your last article with the title nothing.“, says the kangaroo, takes a Schnaps praline with his paws and throws it into his mouth. „No one is reading along here anymore.“, I say. „Who knows.“, says the kangaroo and wrinkels his button nose. „We will see.“

Tschüssikovsky! Bye bye!

Jori 🙂