Worte haben Macht: Nutzt sie!

Bisschen töten ist doch witzig

Petition auf change.org: #KeineBühneFürGewalt Vergewaltigungen und Femizide verdienen keine Bühne!

Heute am 1. Dezember 2019 hätte ein Kleinkünstler in Freiburg fast ein Lied über einen Femizid gesungen. Ich hatte vor an dem Abend die Gegenstimme zu sein, denn solange Sexismus und Vergewaltigungswitze noch Bühnen findet, ist es Zeit endlich laut zu werden. Dank Prof. Dr. Kristina Wolff, die einen öffentlichen Brief an den Rektor der Universität Freiburg schrieb, und einigen Aufrufen bei Social Media, verstand der Kleinkünstler: „Du darfst auftreten, aber es wird einen Protest geben. Über Femizide so zu singen wie du das machst, das kann man machen, es ist halt scheiße.“

#PasUneDePlus #KeineMehr

In Frankreich wäre das momentan wahrscheinlich nicht möglich. Jeder einzelne Femizid Fall wird in Zeitungen beschrieben und am 23.11.2019 gingen 150.000 Frauen in ganz Frankreich auf die Straßen um gegen Femizide, sexualisierte Gewalt etc. zu protestieren. Mittlerweile wird diese Performance, die aus Chile stammt weltweit aufgeführt!

Das große Schweigen

Was macht Frau in einem Fall von Stillschweigen seitens der Universität? Es ist zwar nicht meine Verantwortung wen Sie als Kandidaten bestimmt haben und was auf einer Veranstaltung wie dem Freiburger Kleinkunstpreis auf einer Bühne landet, dennoch war ich geschockt als ich am Freitag das „Freundin in der Tiefkühltruhe“ Lied gehört habe und konnte nicht mehr schlafen. Wäre das Lied heute aufgeführt worden, dann hätte ich folgende Sätze laut auf der Bühne gesagt:

„Jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann seine Ex- oder Partnerin zu töten. Jeden dritten Tag gelingt das.

Heute am 1. Dezember 2019 zählen wir in Deutschland seit Jahresbeginn 158 Morde an Frauen, weil sie Frauen sind. Man nennt es Femizid. Es ist bezeichnend, dass die Universität Freiburg in den 16 Tagen gegen Gewalt an Frauen einem Kleinkünstler eine Bühne bietet, der Pointen über Femizide macht.

Femizide sind kein Spaß, sie sind Realität.

Wir leben im Jahr 2019. Lasst uns was verändern!

Wenn ihr auch keinen Bock mehr auf Gewalt, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus habt – auch nicht verharmlost oder besungen auf irgendwelchen Bühnen- dann steht jetzt alle auf!“

Es ist wichtig Stellung zu beziehen, denn wer auch immer sagt das sei ja harmlos und witzig und überhaupt so übertrieben, der oder die stellt sich auf die Seite der Täter.

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Worte haben Macht: Nutzt sie! (www.jorinde.ch) "Jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann seine Ex oder Partnerin zu töten. Jeden dritten Tag gelingt das. Heute am 1. Dezember 2019 zählen wir in Deutschland seit Jahresbeginn 158 Morde an Frauen, weil sie Frauen sind. Man nennt es Femizid. Es ist bezeichnend, dass die Universität Freiburg in den 16 Tagen gegen Gewalt an Frauen einem Kleinkünstler eine Bühne bietet, der Pointen über Femizide macht. Femizide sind kein Spaß, sie sind Realität. Wir leben im Jahr 2019. Lasst uns was verändern! Wenn ihr auch keinen Bock mehr auf Gewalt, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus habt – auch nicht verharmlost oder besungen auf irgendwelchen Bühnen- dann steht jetzt alle auf!" #KeineMehr #PasUneDePlus #SchweigenBrechen #Femizid #WorteSchaffenWerte

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Erklär ihm doch mal bitte das Problem

Zum Glück musste ich das nicht tun, der Künstler teilte dem Publikum mit er habe von einem Protest gehört und hätte Angst das Lied nun zu spielen. Er habe echt schlecht geschlafen und wäre total aufgeregt und auch wenn das alles total übertrieben sei und er ja sowieso in einem feministischen Kollektiv sei (hört hört! Was macht ihr da so? Femizide besingen?) würde er jetzt lieber über Flatulenzen singen.

Es kam nach dem Auftritt zu keinem Gespräch mit dem Kleinkünstler, weil ich es nicht einsehe einem erwachsenen Menschen, der es schafft die Kritik an seinem Lied ins Lächerliche zu ziehen und sich als Opfer darstellzustellen, zu erklären warum Femizide schlecht sind und warum sein Lied auch schlecht ist.

Stoppt Femizide!

Ich bin müde. Die letzten Wochen stand ich im täglichen Austausch mit der Petentin Prof. Dr. Kristina Wolff, die im Januar 2019 eine Petition gegen Femizide gestartet hat. Dieses Thema ist emotional sehr anstrengend, weil es grausam ist. Es betrifft so viele Frauen in der Gesellschaft! Heute wurde die 159. Frau aus Bad Homburg in Deutschland bei einem versuchten Femizide schwer verletzt und hat den Angriff überlebt.

Ich wünsche ihr alles Gute und alle Kraft der Welt. 

Die Veranstaltung crashen

Liebe Uni, liebe Verantwortlichen, glauben Sie es macht Spaß sich mit diesen Verbrechen auseinander zu setzen und sich aktiv dafür einzusetzen, dass Femizide in Deutschland endlich ernst genommen und wahr genommen werden? Finden Sie das vielleicht witzig oder nicht so wichtig?

Und war es wirklich Ihre einzige Sorge, dass ich so wie privat angekündigt Ihre Veranstaltung „crashe“ und wenn ja, warum hat dann niemand mit mir Kontakt aufgenommen?  Hass ist krass, Liebe ist krasser! ❤ Das macht Ihnen Angst? Ernsthaft?

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Ertrinken im Mittelmeer und Kindesmissbrauch

Was wäre, wenn heute Abend ein witzig gereimtes Lied auf der Bühne gelandet wäre, in dem ein Künstler beschreibt wie Geflüchtete im Mittelmeer ertrinken? Was, wenn es darum gegangen wäre wie ein Kind missbraucht wird? Was, wenn ein Künstler das N-Wort benutzt und Schwarze diskriminiert, was wenn er antisemitisch gewesen wäre? Was muss eigentlich passieren, bis Menschen sagen: Da machen wir nicht mit?

Wo sind Ihre Grenzen?

Ìch schätze die Kunstfreiheit in Deutschland sehr und besagter Künstler wird auch weiterhin auftreten und es wird Menschen geben, die über das Lied lachen können und auch darüber, dass seine Freundin ihn betrogen hat und er sie deshalb töten musste.

Die Fragen bleiben dennoch:

Welchen Künstlern mit welchen Inhalten bieten Sie eine Bühne?

Sie hatten die Wahl, warum ist sie auf diesen Künstler gefallen?

Und ist es Ihnen nicht peinlich trotz aller Warnung und Hintergrundwissen zur aktuellen Lage von Femiziden in Deutschland den dritten Preis an eben diesen Künstler zu verleihen, der mit dem Femizid Song „Freundin in der Tiefkühltruhe“ immer noch im Netz steht?

Lieber Alex Döring, vielleicht hast du dich heute ein bisschen geärgert, dass du dein Lied, das doch sonst so gut ankommt, vor dem Publikum heute Abend nicht gesungen hast. Danke Alex, ich bin froh, dass es keine Protestaktion gebraucht hat und du dich dafür entschieden hast Femiziden keine Bühne zu geben.

Quelle: Freundin in der Tiefkühltruhe – Alex Döring – NightWash Talent Award 2019

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Ertrinken im Mittelmeer und Kindesmissbrauch: Was wäre, wenn beim Kleinkunstpreis 2019 ein witzig gereimtes Lied auf der Bühne gelandet wäre, in dem ein Künstler beschreibt wie Geflüchtete im Mittelmeer ertrinken? Was, wenn es darum gegangen wäre wie ein Kind missbraucht wird? Was, wenn ein Künstler das N-Wort benutzt und Schwarze diskriminiert, was wenn er antisemitisch gewesen wäre? Was muss eigentlich passieren, bis Menschen sagen: Da machen wir nicht mit? Wo sind Ihre Grenzen? Ich schätze die Kunstfreiheit in Deutschland sehr und besagter Künstler wird auch weiterhin auftreten und es wird Menschen geben, die über das Lied lachen können und auch darüber, dass seine Freundin ihn betrogen hat und er sie deshalb töten musste. Die Fragen bleiben dennoch: Welchen Künstlern mit welchen Inhalten bieten Sie eine Bühne? Sie hatten die Wahl, warum ist sie auf diesen Künstler gefallen? Und ist es Ihnen nicht peinlich trotz aller Warnung und Hintergrundwissen zur aktuellen Lage von Femiziden in Deutschland den dritten Preis an eben diesen Künstler zu verleihen, der mit dem Femizid Song „Freundin in der Tiefkühltruhe“ immer noch im Netz steht? Ein großer Dank geht an Prof. Dr. Kristina Wolff, die Petentin der Petition gegen Femizide @savexx_ger Sie hat es geschafft öffentlich wirksam auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Es ist verständlich nicht zu wissen was Femizide sind. Sie bewusst zu ignorieren, oder lächerlich zu machen ist jedoch nicht in Ordnung. Wir machen auch keine Witze über das Sterben von Menschen im Mittelmeer oder Kindesmisshandlungen. Wir geben Rassismus und Antisemitismus keine Bühne. Da ist ein Bewusstsein in der Gesellschaft vorhanden (zumindest hoffe ich das!) @iuventa10 @savexx_ger #fightforsolidarity #iuventa10 #searescueisnotacrime #femizide #KeineMehr #PasUneDePlus #orangetheworld #KeineGewaltanFrauen #SchweigenBrechen

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