Ernsthaft? Schämt ihr euch nicht?

Kleinkunstpreis 2018

Freiburger Kleinkunstpreis für Studierende 2018

Guten Abend meine Damen und Herren, Herzlich willkommen zum Freiburger Kleinkunstpreis für Studierende. Sie werden nachher vier talentierte Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne sehen! Frage ans Publikum: Was studiert ihr?“ „Sport.“ „Ah, die Dame studiert Sport. Das sieht man dir gar nicht an. Nichts für ungut, aber das würde man echt nicht denken.“ Höhö. Willkommen. Hinter der Bühne gehen meine Nerven mit mir durch. Die flachen Witze, die ab jetzt im Minutentakt fallen, schwappen nur sachte in mein Ohr und jucken mich nicht stark. Heute Abend habe ich ganz andere Sorgen.

Wake-Up-Comedy hat Premiere

Zum ersten Mal stehe ich auf einer Bühne und gebe mein neues Wake-Up-Comedy Programm zum Besten. Wake-Up-Comedy? Das ist eine neue Form der Aufklärungscomedy, die wachrüttelt und Menschen aus ihrem genitalen Winterschlaf bringt. Ich habe mich vorbereitet, so gut es ging in den letzten paar Wochen, seit die Zusage zu diesem Wettbewerb kam. Die Chancen stehen gut, denke ich, denn mein Programm ist wissenschaftlich und doch witzig, unterhaltsam, aber nicht flach, voll mit Känguru Insidern und Sprachwitz, Freud-Bashing und einem Lied, das ich mit der Gitarre singen werde.

Die Klitoris – das geflügelte Einhörnchen

Ich werde mit offenen Augen und Ohren empfangen, das Publikum geht mit, krümelt sich teils laut, teils leise vor Lachen in den Stühlen. „Die Klitoris – das geflügelte Einhörnchen“ kommt gut an. Szenenapplaus nach dem Lied 99 Einhörnchen, die Stimmung ist super! Vor lauter Licht sehe ich nur die ersten Reihen. Dort sitzen ältere Semester und amüsieren sich prächtig. Was für ein Gefühl, wenn der Text, den man in mühsamer Kleinarbeit zusammengeschrieben hat, plötzlich als Ganzes auf der Bühne steht und die Pointen Leute zum Lachen bringen. Ich schaffe es keinen einzigen Witz über Frauen, oder Männer, oder Sex zu machen. Nur Sigmund Freud, den nehme ich ein bisschen auf die Schippe, aber meine verbalen Attacken landen nicht unter der Gürtellinie. Es geht, wenn man es will. (Der Kleinkunstpreis als Beitrag von UniTV Freiburg)

Nach mir kommt ein Zauberer. Er macht einen gewagten Trick, einer der im Fernsehen mal schief gegangen ist. „Moderatorin rammt sich Nagel in die Hand.“, der Beweisartikel hängt am Tisch auf der Bühne. „Klar war das die blonde Moderatorin, wer sonst wäre so doof und würde sich einen Nagel in die Hand rammen?“, denke ich mir im Nachhinein. Applaus!

Der dritte Kandidat ist ein Solo-Künstler, der Musik studiert und bereits auf zahlreichen Bühnen Deutschlands und der Schweiz mit seinem Programm aufgetreten ist. Ich frage mich, warum der Kleinkunstpreis eigentlich nicht Bodo Wartke auch eine Bühne bietet, der hat immerhin Klavier Kabarett mit niveauvollem Humor im Programm. Vielleicht ist er ja auch noch Student im 38. Semester.

Witzig / nicht witzig

Auf ein „schlechtes Lied“, so der Titel, der Text ist nicht einmal selbst geschrieben, folgen Ausflüge ins Leben des Kleinkünstlers. Ich muss ganz schön schlucken, was heute noch auf Bühnen zum guten Ton gehört. Besonders bemerkenswert war die Pointe eines Liedes, in dem der Künstler über ein Date berichtet. Eine Frau will von ihm Lieder hören, er sei ja Pianist, doch er will einfach nur mit ihr schlafen. „Noch ein Lied und noch eins!“, bittet sie und merkt plötzlich: „Du, kann das sein, dass du nur mit mir schlafen willst?“, fragt sie und die Antwort ist ein pointierter Reim, an dem man sicher lange tüfteln musste, bis er richtig passte. (Leider konnte ich mir diesen genial gereimten Satz nicht Wort für Wort merken, aber in meiner Erinnerung klang er so: „Ich will nicht nur, dass du mit mir schläfst, sondern dass du mir einen (…)“ Applaus! Hohe Kunst! Welcher Reim und erst der Inhalt! Witze auf Kosten von Frauen zu machen ist so erbärmlich und hinterlässt einen fahlen Nachgeschmack, aber Applaus!

Zizazaubershow

Der nächste Kandidat hat eine Zaubershow zu bieten, mit der er schon international auf Tour war. Sein Programm beginnt mit einer Liebesgeschichte, wie er sich in ein blondes Mädchen verliebt hat, die auf dem Bild, welches er in der Hand hält einen starken Überbiss hat und leer in den Raum schaut. Diese Angebetete wird von einer Frau im Publikum verkörpert, die sich eine blonde Perücke überziehen soll und spontan mitspielt. Sie rockt die Show und macht ohne mit der Wimper zu zucken mit. Ach wie witzig, dass dieser junge Zauberer sich in so ein Mädchen verliebt, als ob sie die schönste Göttin des Zauberhimmels sei. Applaus.

Die Jury zieht sich zur Beratung zurück.

Trommelwirbel und ein dramatischer Tusch

Nach einer überlangen Pause wird das Ergebnis bekannt gegeben. Es sei dieses Jahr besonders schwer gewesen, da in der Jury keine Einigkeit geherrscht hätte, wer den ersten Platz verdient hat. Der große Kleinkünstler des Abends wird unruhig. Wie, sein Programm an dem er so lange getüftelt hat, war etwa nicht überragend witzig genug um auf Anhieb zu überzeugen? Kurze dramatische Pause. Und der erste Preis geht an den Kleinkünstler! Jubel. Applaus.

KleinkunstpreisENDE

K(l)einkünstler auf dem ersten Platz

Ich weiß nicht was an diesem Abend bewertet wurde, aber falls es Originalität und Unterhaltungswert waren und nicht Professionalität, dann frage ich mich wirklich wie das zustande kam. Oder hat die Unterhose überzeugt? Oh wie groß wäre der Aufschrei gewesen, hätte ich mich auf der Bühne in Unterhose hingestellt. Aber Mann darf das ja. Ist ja witzig! Wenn wirklich so eine große Uneinigkeit geherrscht hat, wer den ersten Preis verdient hat, da frage ich mich, warum man nicht den ersten und zweiten Preis zusammenlegt und das Preisgeld aufteilt. Es geht mir dabei gar nicht um das Geld, sondern viel mehr um Anerkennung. Aber gut, das sind nur theoretische Überlegungen. Der werte Herr in Unterhose aus München, hat sich sicher über die leicht verdienten 500 Euro gefreut. Das Programm war ja schon letztes Jahr fertig geschrieben. Danke für den zweiten Preis, er bestätigt mich darin, dass es Zeit für eine Veränderung ist.

Nach der Show können Sie unsere Künstler noch anfassen.“, witzelt der Moderater. „Mich nicht.“, rufe ich laut dazwischen. „Na gut aber wenigstens berühren.“, schiebt er hinterher.

Sexismus als Programm

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich bin froh, dass es solche Veranstaltungen gibt! Ich frage mich nur wo die Fairness bleibt und warum es in Ordnung ist Frauen als Programm so runterzumachen. Das könnte man den Moderator auch mal fragen, der ist ja erfolgreich mit aufgesprungen. Richtig witzig war das! Ich würde mich übrigens freuen, wenn mir jemand eine gute Erklärung geben könnte für die Vergabe des ersten Preises an einen Kleinkünstler, der es witzig findet, dass eine Frau lacht wie ein Schwein und darüber Lieder singen kann. Es steht außer Frage, dass ich immer noch etwas dazu lernen kann und offen bin für Meinungen anderer Menschen, solange sie über der Gürtellinie bleiben.

Meinungen aus dem Publikum

„Man hat im Kontrast zu dir auch gemerkt wie „armselig“, aber leider auch gesellschaftlich anerkannt manche Sachen sind. Frauen (wenn auch irgendwie „nett“) zu verarschen mit blonder Perücke und dummen Sprüchen. Ganz zu schweigen vom Piano Männlein. Inhaltlich fand ich ihn echt bissle peinlich.“

„Es war so ein krasser Gegensatz… Da stehst du auf der Bühne, mit so viel Mut und einer so wichtigen Message und den restlichen Abend dacht ich mir… Ernsthaft? Schämt ihr euch nicht? Gerade wenn vorher so ein Text, wie von dir kommt?“

„Wirklich schade, dass sich der vernünftige Teil der Jury nicht durchsetzten konnte. Fand es übrigens auch sehr stark, wie du am Ende diesem unsäglich schrecklichen Moderator mit deinem „mich darf man nicht anfassen“ Kontra gegeben hast.“

Nächstes Ziel: Ladies Night

Wake Up Comedy – Freiburger Kleinkunstpreis

KleinkunstpreisENDE

Ich kann nicht schlafen. In mir sprudelt der Text von heute Abend und ein Gefühl das mich wach hält und das mich in die Tasten hauen lässt. Was ist passiert?

Am 11. November fand der Kleinkunstpreis im Vorderhaus für Studierende in Freiburg statt. Ein Wettbewerb bei dem Studenten (ups Studierende) Kleinkunst auf die Bühne bringen. Der Saal war ausverkauft! Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass mein Thema „Die Klitoris- das geflügelte Einhörnchen“ überhaupt durchkommt und ich damit teilnehmen darf. Doch hast du dich nicht versehen war die Klitoris fest angemeldet beim Kleinkunstpreis.

Quoi faire? Einen Rückzieher machen? Absagen? Nicht die Bohne (äh.. Erbse!) dachte ich mir und versuchte mich an einem Comedy Programm, das zeigen sollte, dass die Klitoris nicht erbsengroß ist und dass sie vor allem als Organ verdammt unbekannt ist. Nur wie schreibt man das? Wissenschaftlich und doch witzig, unterhaltsam, aber nicht flach, mit Känguru Insidern und Sprachwitz, Freud-Bashing und einem Lied? Tja. Das kam so über mich. Plötzlich war er da, der fertige Text, das Einhörnchen (danke Tanja!) war gefunden und der Beat hörte sich geiler an als mein Gitarrensolo (danke Franzi!). Es hätte so schön sein können und das war es auch!

Die Stimmung an dem Abend war super und ich möchte jedem Einzelnen im Publikum DANKE sagen, dass ihr gekommen seid! Es hat so gut getan zu wissen, dass unter euch so viele Freunde des geflügelten Einhörnchens sind! Es ging mir heute nicht darum zu gewinnen, sondern vielmehr darum, dieses Thema auf die Bühne zu bringen. Übrigens stelle ich mir gerade genüsslich vor, wie viele Besucher des Kleinkunst Abends jetzt „Klitoris 3D“ googeln und Erstaunliches erfahren werden.

Aber. Und da ist der Haken! Mir ist heute Abend klar geworden, wie normal es ist sexistische Witze zu machen, selbst auf Kleinkunstbühnen in Freiburg. Ich hätte eine Strichliste im Laufe des Abends führen sollen mit Witzen unter der Gürtellinie, die direkt auf Frauen abgezielt waren. Mich treffen sie nicht so stark, ich hatte ja im Gegensatz zum großen Kleinkünstler des Abends etwas an. Außerdem liegt mein Einhörnchen zu 95 % im Körperinneren und hat Flügel. Das kommt einem bei tiefliegenden Frauenwitzen echt sehr zu gute.

Geflügeltes Einhörnchen

Ich möchte etwas verändern. 2018 ist das Jahr des geflügelten Einhörnchens aus dem Zizazauberwald, das für die Gleichbereichtigung und Selbstbestimmung der Frau kämpft. #FemalePleasure ist im Kino und wird weltweit das Thema ins Rollen bringen. Das erste Buch zur weiblichen Masturbation Petit Guide de la Masturbation Féminine kommt bald von einer Französin auf den Markt, Hilde Atalanta bringt „The Vulva Gallery“ als Buch raus, omgyes.com läuft und läuft und läuft!

Es ist noch nicht so weit.“, raunt mir eine Frau zu, umarmt mich herzlich und gratuliert mir zum zweiten Platz. Der zweite Platz ist toll, ich freue mich sehr darüber! Noch mehr hätte ich mich aber gefreut, wenn ich mich nicht fremdschämen müsste für Sprüche, die so auf keine Bühne gehören.

Ratzupaltuff. 

 

3 2 … 1 Einhörnchen!

Tanja

Für jeden der es noch nicht weiß: Einhörnchen goes Kleinkunstpreis! Seit Wochen fieber ich auf diesen Tag hin und habe alles vorbereitet: Der Text sitzt. Das Kostüm passt. Die Drummerin hat riesengroßes Talent. Viel kann nicht mehr schiefgehen! (außer vielleicht das Gitarren Solo).

Nach dem Kinostart von #FemalePleasure bin ich nun einmal mehr darin bestärkt, dass dieses Thema ein weltweites Thema ist, das mehr und mehr ins Rollen kommt.

Vielen Dank an alle die zum Auftritt kommen und Teil der Einhörnchen-Crew sind! Es bedeutet mir wirklich sehr viel, dass ihr da seid. Dank konstruktiver Kritik konnte ich den Text so verfeinern, dass ich mich nicht mehr darin verzetteln. Die Message des Abends ist klar: Einhörnchen sind wunderbar! Und krass, dass wir sie so lange nicht gesehen haben. Augen auf im Zizazauberwald!

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Zettelchaos bei den Vorbereitungen 

Wie oft ich im Sommer an den Plakaten vom Kleinkunstpreis vorbeigelaufen bin und dachte: „Kleinkunst. Wer da wohl mitmacht?“ Tja. So schnell kann es gehen. Schwupp die wupp steht man auf der Bühne und hat ein Programm geschrieben: das erste Wake-Up Comedy Programm. Das gibt es nämlich noch nicht. Ich will weder Witze über Männer, noch Witze über Frauen machen und erst Recht nicht Witze über Sex. Ich möchte Wissen vermitteln und das mit Humor, denn es ist so viel einfacher mit Humor über schwierige Themen, oder eben Tabuthemen zu sprechen. Ich bin gespannt und ihr sicher auch!

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Uiuiuiuiuiuiuiuiiiii

Ich würde mich freuen wenn nach dem Kleinkunstabend tausend Fragen zu dem Thema aufkommen und das geflügelte Einhörnchen in Gesprächen auftaucht. „Komm Einhorn, wir gehen… Morgen ist es so weit!“

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#FemalePleasure im Kino

Ein neuer Film kommt in die Kinos und er rüttelt wach: Female Pleasure ist eine Dokumentation von Barbara Miller über fünf Frauen aus fünf verschiedenen Weltreligionen, die sich für Aufklärung und sexuelle Selbstbestimmung der Frau einsetzen. Mehr dazu im Interview mit der Autorin und Regisseurin des Films.

femalePleasure

Der Kinostart des Filmes ist am 8. November 2018.

Ein guter Zeitpunkt um Mut zu tanken vor dem Auftritt beim Kleinkunstpreis. Denn wenn ich ehrlich bin, dann fürchte ich mich ziemlich vor den Dumpfbacken in dieser Welt, die nicht zuhören und nicht verstehen wollen. Ich fürchte mich vor den Extremisten aller Seiten, welche die Sexualität der Frau am liebsten wegschneiden würden. Vor diesen Leuten habe ich Angst, weil man mit ihnen nicht vernünftig reden kann… und doch weiß ich, dass ich meine durchaus privilegierte Situation ausnutzen muss.

Ich kann schauspielern, ich habe eine Familie und Freunde die mir den Rücken stärken und ich habe mit allen Frauen Schreibkontakt gehabt, die selbst etwas verändert haben: Prof. Helen O’Connel, Urologin und „Entdeckerin“ der Klitoris 1998, Dr. Laurie Mintz, Autorin des Buches „Becoming Cliterate“, Odile Fillod, Wissenschaftlerin und Entwicklerin des 3D Modells der Klitoris und Hilde Atalanta, Illustratorin und Autorin der Vulva Gallery.

Sie alle schrieben ich solle nicht aufgeben und das werde ich auch nicht, denn ich habe Ideen, neue Ideen wie die des geflügelten Einhörnchens, welche die Welt ein kleines bisschen besser machen könnten.

Geflügeltes Einhörnchen

Innerlich bereite ich mich auf einen großen Sturm vor. Mein Programm beim Kleinkunstpreis am 11. November 2018, sei es noch so klug und humorvoll in Einhörnchen Format verpackt, wird provozieren. Denn ich spreche aus, was wissenschaftlich zwar längst belegt, kulturell aber noch nicht bei allen angekommen ist.

Die Wahrheit kann niemals zu weit gehen.“, sagte Dr. Mary Steichen und sie hat Recht.

UNITV

Eine Umfrage auf dem Campus

Letzten Mittwoch habe ich mit zwei Redakteurinnen von UniTV eine Umfrage auf dem Uni Campus in Freiburg gemacht. Von 16 Studierenden konnten nur drei die Klitoris identifizieren, als ich ihnen eine schwarz-weiß Zeichnung und das 3D Modell der Klitoris zeigte, davon waren zwei Männer. Die anderen rieten wild drauf los: „Vogel, Kürbis, Kleiderhaken, Pokémon, Qualle, Kunst.“ Keiner hatte von ihnen hatte die Klitoris je gesehen.

Naja, das ist ja auch nicht verwunderlich… Würde man eine Leber in 3D ausdrucken, dann würde das auch niemand erkennen.“, sagt jemand. „Mag sein.“, antworte ich. „Nicht jeder weiß wie eine Leber aussieht, nicht jeder weiß wie eine Lunge, oder eine Bauchspeicheldrüse aussieht, aber jeder weiß dafür wie ein Penis aussieht. Dein Leber Vergleich hinkt.“ „Ja gut, aber keiner würde zum Beispiel eine ausgedruckte Prostata in 3D erkennen. Das musst du doch zugeben.“ „Das mag auch sein, aber trotzdem würde immer noch jeder einen Penis erkennen.“

Ja, aber von der Prostata hört man bei der männlichen Anatomie nie etwas. Das beschränkt sich doch auf Penis und Hoden.“ „Naja… Da frage ich mich welches Anatomiebuch du aufgeschlagen hast, die Prostata war mir jedenfalls als Frau bekannt: Prostata Krebs, Prostata Massage. Man hört doch so einiges. Sicher, es gibt auch dort noch Aufklärungsbedarf, aber offensichtlich leben viele Männer eine erfüllte Sexualität ganz ohne ihre Prostata jemals gespürt zu haben. Frauen, die ihre Klitoris nicht kennen und nicht mit ihrer Funktion vertraut sind, können das nicht behaupten.“ „Hör auf solche gewagten Thesen in den Raum zu stellen!“ „Ich fange gerade erst an.“

Die Tatsache, dass niemand die Klitoris identifizieren kann liegt doch eindeutig daran, dass man sie einfach nirgendwo als Zeichnung gesehen hat.“, sage ich. „Da magst du Recht haben, aber vielleicht liegt es auch einfach daran, dass man nur den von außen sichtbaren Teil zeichnet.“

KlitorisKarrikatur

Quelle: Tagesanzeiger vom 29.10.2018 (S.12)

Wenn man nur den sichtbaren Teil zeichnen würde, dann wäre es eine winzig kleine Erbse und kein merkwürdiger Haken, der wie ein Wurmfortsatz aussieht. Es ist nicht so schwer die Klitoris in voller Größe zu zeichnen, wenn man will.“

Ende des Gesprächs.

Wie wäre es denn, wenn alle Männer nur von 2 Zentimeter ihres Penis wüssten und der Rest im Körperinneren verborgen wäre? Würde man dann plötzlich aufhören, das innen liegende Organ zu zeichnen? Wie wäre es, wenn man beim männlichen Orgasmus plötzlich Kategorien einführen würde wie: „Das war jetzt zu 20 % ein Prostata Orgasmus 70 % gehen auf die Stimulation des Penis zurück und 10 % kommen von fantasievollen Gedanken.“

Es wäre BESCHEUERT! Genau so bescheuert wie die Klitoris nicht in ihrer vollen Größe zu zeichnen und genauso bescheuert wie zwischen einem vaginalen und klitoralen Orgasmus zu unterscheiden, obwohl jede Art von Orgasmus im Endeffekt die Klitoris zu orgastischen Zuckungen bringt.

2018 Freiburg im Breisgau

Anders als in Japan komme ich nicht hinter Gitter, weil ich die Klitoris Im FreiLab in 3D ausgedruckt habe. Ich dürfte sogar einen Abdruck meiner Vulva in ein Museum stellen, wenn ich es wollte.

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Die Klitoris im 3D Druck

Anders als die japanische Künstlerin Rokudenashiko werde ich auch nicht ins Gefängnis kommen, falls ich jemals Lust hätte die Form meiner Vulva als Kajak auszudrucken und in ihm den Rhein runter zu paddeln.

Anders als viele Frauen in dieser Welt muss ich keine Angst davor haben beschnitten und damit grausam verstümmelt zu werden.

Anders als viele Frauen werde ich niemals auf den Wahnsinn der sogenannten „Schönheitsindustrie“ reinfallen und mir die Vulvalippen verkleinern lassen, einen G-Punkt spritzen lassen, oder die Klitoris Vorhaut entfernen.

In mir ist Wut. Wut darüber wie viel schief läuft. Wie viel Ungleichheit beim Thema Sexualität herrscht. Das fängt bei unvollständigen Zeichnungen der Klitoris in Anatomiebüchern an und wird bei Gesprächen aufhören in denen ich die Klitoris verteidige. Als ob es irgendetwas zu verteidigen gäbe. Als ob es nicht krass genug ist, dass dieses Organ in seiner vollen Größe so rigoros aus unserem Weltbild gelöscht wurde und noch heute grausam verstümmelt wird.

Es ist Zeit etwas zu verändern und ich werde mein Bestes geben das zu tun. In allen Sprachen die ich fließend spreche, bis das Wissen über die Klitoris über alle Kontinente schwappt.

Wenn ich einmal Großmutter bin, dann hoffe ich, dass man die Klitoris so selbstverständlich erkennt wie man einen Penis erkennt. Ich wünsche mir, dass Frauen mit einem neuen Selbstverständnis der eigenen Sexualität aufwachsen. Ich wünsche mir, dass sie sich durch das Wissen der Vulvavielfalt immer schön fühlen werden und den Schönheitschirurgen die Kundinnen weglaufen.

Ich wünsche mir, dass Genitalverstümmelung eine grausame Praktik der Vergangenheit sein wird. In China hat man Frauen bis ins 20. Jahrhundert die Füße gebrochen und zusammengebunden, sodass sie ihr Leben lang verkrüppelt waren:

„Tradition.“ Auch das hat ein Ende gehabt.

Die Welt war einmal eine Scheibe, heute ist sie eine Kugel.

Die Klitoris war einmal eine Erbse, heute ist sie ein Organ.

Warum Einhörnchen?

Geflügeltes Einhörnchen

Ein Einhörnchen, zwei Einhörnchen, drei Einhörnchen. Eichhörnchen? Nein, kein Eichhörnchen: Ein-Hörn-chen. Am 11. November um 19 Uhr findet der Kleinkunstpreis für Studierende im Vorderhaus in Freiburg statt. Stargast des Abends ist das geflügelte Einhörnchen, alias die Klitoris. Warum eigentlich Einhörnchen?

Die Einhörnchen Idee flog mir zu, als ich gerade dabei war einen Text über Verhütung zu schreiben und mir auffiel, dass ein cooles Berliner Startup die Marke „Einhorn Kondome“ in Deutschland erfolgreich auf den Markt gebracht hat und es nichts vergleichbares für Frauen gibt, sondern nur teure „Lecktücher“ auch Dental Dams genannt zur oralen Verhütung, deren Bezeichnung Unbehagen auslöst. Mir kam also die Idee, dass es ziemlich genial wäre „Liebestücher für Einhörnchen“ zu produzieren und ich schrieb den Leuten der Einhorn Firma eine Mail.

Das geflügelte Einhörnchen

So entstand das Wort Einhörnchen und seitdem hat es Flügel bekommen, denn je mehr ich mich mit dem Thema Klitoris beschäftigte, desto mehr wurde mir bewusst mit wie viel Scham dieses Wort besetzt ist. Einhörner dagegen finden alle cool und süß und knuffig und wer kann schon einem geflügelten Einhörnchen widerstehen?

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Das geflügelte Einhörnchen wird Geschichte machen, hoffe ich. Nicht, dass wir noch weitere Verniedlichungen für weibliche Geschlechtsteile brauchen Mumu Muschi und co. reichen völlig aus, aber ich finde das Wort Einhörnchen ist gerade deshalb so wichtig, weil es auf liebevolle Art und Weise einen Teil des weiblichen Körpers beschreibt. Ein sehr lesenswerter Artikel dazu ist übrigens im ZEIT Magazin erschienen: „Hallo Welt, hier Vulva“

Von der Idee zur Bühne

Die Idee über die Klitoris und ihre volle anatomische Größe aufzuklären brodelt seit Monaten in mir, doch bislang habe ich alle meine Gedanken und Recherchen dazu nur auf Papier gebracht. Ein best-off als Bühnenprogramm auf die Beine zu stellen erfordert viel Mut, denn Tabus bricht man nicht einfach so über Nacht, man enttabuisiert sie Schritt für Schritt, bis sie komplett tabuløs werden.

Kleinkunstpreis für Studierende: 11. November 2018

Künstlerin: Jorinde Wiese

Titel: Die Klitoris – das geflügelte Einhörnchen

Genre: Wake-Up Comedy

Beschreibung: Im Jahr 2018 befinden sich noch immer viele Menschen im genitalen Winterschlaf. Was bei einer Frau „da unten los ist“ gleicht einem Mysterium. Kein Wunder, dass die Klitoris meist nur als Erbse bekannt ist. Die Klitoris, das weibliche Zentrum der Lust blickt auf eine jahrhundertelange Tradition des Entdeckens, Verschweigens, Vergessens und Verstümmelns zurück: Zeit sie ans Licht zu holen! Mit Witz, Charme und Wissen erklärt Jorinde Wiese was die Klitoris mit einem geflügelten Einhörnchen gemeinsam hat und warum es absolut nicht peinlich ist über die Klitoris zu reden, sondern vielmehr sie nicht zu kennen. Mit dem Song 99 Einhörnchen rundet sie das Programm musikalisch ab.

99Einhörnchen

Kommt vorbei! 🙂 Karten gibt es im Vorverkauf, genau hier.

Erzähl mir eine Geschichte – Shanghai versinkt im Regen –

Erzähl mir eine Geschichte.“, sagst du. „Eine aus China.“, fügst du hinzu „Da gibt es tausend Geschichten.“, sage ich und überlege kurz.  „Fang doch einfach mit einer an, ich habe viel Zeit.“, sagst du und machst die Augen zu. Und ich nehme dich mit in eine andere Welt, 12 Flugstunden entfernt im verregneten Shanghai.

Es ist Oktober 2016 und Shanghai ist schon fast zu meinem Zuhause geworden. Diese neue verrückte Welt fühlt sich erstaunlich normal an. Auf den Straßen steht das Wasser und die Bürgersteine sind so glitschig, dass man aufpassen muss beim Laufen nicht auf dem Hintern zu landen. Autos fahren vorbei und lassen das Wasser nur so spritzen. „Eins, zwei, drei und los geht´s.“, sage ich und pfussch da kommt schon die Welle: (bitte hier klicken). Ich warte an der Ampel bis es grün ist und schaue vorsichtig nach links. Rot ist nicht gleich rot in China, Autofahrer und Motorräder dürfen immer rechts abbiegen und das kann sehr gefährlich werden. Seit ich meinen ersten Unfall nur wenige Meter vom Wohnheim entfernt gesehen habe, passe ich noch mehr auf, damit ich nicht schwupp die wupp unter den Rädern lande.

Vor dem Unterrichtsgebäude stehen Studenten im Regen und reden in allen möglichen Sprachen. Ich höre Chinesisch, Englisch, Deutsch und viele andere undefinierbare Sprachen. Neben der Treppe die zu meinem Klassenzimmer führt stehen im Trockenen große Schüsseln mit Katzenfutter und daneben ist ein Getränkeautomat. Am ersten Tag habe ich mir dort noch Wasser gekauft, weil man das Wasser aus dem Hahn nicht trinken kann. Jetzt schleppe ich immer vorsorglich meine 1,5 Liter Wasserflasche mit mir rum. Man kommt ganz schön außer Puste, wenn man die 3 Stockwerke hochläuft, irgendetwas ist hier mit der Luft. Jedenfalls bin ich viel schneller angestrengt als zuhause, bilde ich mir ein.

Im Flur liegen ganz viele Regenschirme, ich sage auf Chinesisch „All die Regenschirme, kleine große, das hier ist meiner, aber der ist kaputt. So einen großen hätte ich gerne!“ (bitte hier klicken) und dann gehe ich in das Klassenzimmer rein „教师“. Dort sitzen alle nach der Pause und reden miteinander. Meistens auf Chinesisch, wir versuchen es zumindest so gut es geht. Mein Lieblinglingsplatz ist am Fenster, da sitze ich immer wenn die Sonne scheint. Wenn sie denn scheint, manchmal sieht man auch kaum etwas vom Himmel, dann hängt der Smog über der Stadt und verhüllt sogar den Bottle Opener in dichten Nebel.

Nach dem Unterricht gehe ich in einen kleinen Supermarkt auf dem Campus. Man sieht die grüne Wiese gegenüber, die im Regen versinkt. Durch den Plastikvorhang geht es in den Supermarkt rein. Dort gibt es alles was das Herz begehrt, frisches Obst, Wasser, Knabberzeugs, Würste so weit das Auge reicht, Kerne noch und nöcher und natürlich mein absolutes Highlight „getrocknete Entenhälse.“ (bitte hier klicken) Fein, fein, fein!

Am Abend geht es noch einmal raus. Ich muss unbedingt mein Visum verlängern lassen, also los, raus in die nasse Kälte und rein in die Metro. Eng an eng steht man da, fast jeder schaut auf sein Handy. Es wird gerne reingedrückt, während die Leute noch am rausgehen sind. Ich versuche meistens anzukündigen, dass ich bald aussteigen möchte, dann machen die Leute Platz. Vor lauter Aufregung etwas laut auf Chinesisch zu sagen, verspreche ich mich aber mehrmals. Anstatt „Ich steige gleich aus.“, zu sagen sage ich aus Versehen „Ich habe jetzt Unterricht aus.„, oder „Ich das nächste Auto.“ Chinesisch ist verhext, ein paar Zischlaute vertauscht, oder Töne verwechselt und schon ist die Bedeutung eine ganz andere.

Draußen angekommen mache ich einen kleinen Regentanz. Mir ist zwar kalt, weil meine Hose klatschnass ist und die Jacke nicht wirklich warm, aber davon lasse ich mir die gute Laune nicht verderben. „Füdli use, Ärm zrück, daidadatadidadatadidadadaaa…“ (bitte hier klicken)

Das war zwar keine Geschichte, aber ein Tag in Shanghai, so wie er wirklich passiert ist und es warten noch viele weitere kleine Geschichten, die erzählt werden wollen.

Nacht in Shanghai 晚安!

 

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Nihao Deutschland

Zu Gast bei Nihao Deutschland

Kurz nach meiner Rückkehr nach Deutschland im Juli erhielt ich eine Anfrage von der Fernsehsendung „Nihao Deutschland“. Diese Sendereihe beschäftigt sich mit Themen, die mit der Kultur und Wirtschaft Chinas zu tun haben und zeigt Geschichten von Deutschen in China und Chinesen in Deutschland. Es handelt sich dabei um eine Ko-Produktion mit der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua und der DFA Deutsche Fernsehnachrichten Agentur. Der Beitrag über das Chinesisch Lernen ist hier in Episode 181 zu sehen. (Beginn bei 13:45)

Eine chinesische Freundin aus Freiburg macht gerade bei diesem Sender ein Praktikum und schlug mich kurzerhand als geeignete Kandidatin für die nächste Sendung vor. Zu Gast im Studio waren schon das Rap-Kollektiv Feichang Fresh sowie Thomas Derksen, der in China mit Videos auf Youku durchgestartet ist und viele weitere interessante Gäste. Das Studio sei in Berlin und für den gesamten Dreh plane man einen Nachmittag ein. Ohne groß zu zögern sagte ich zu und nutzte die Chance um in Berlin und Umgebung Freunde und Familie zu besuchen.

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Im Studio 2

Mit meiner Gitarre im Gepäck machte ich mich auf den Weg durch Berlin zu den Havelstudios in der Nähe des Olympiastadions. Dort lag das Studio 2 in einer wunderschönen Gegend mit Ausblick auf Boote, welche direkt daneben im Wasser lagen.

 

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Im Studio wurde gerade noch das Interview mit dem vorherigen Gast gedreht und so wartete ich kurz, bis ich in die Maske gebeten wurde und mich entspannt zurücklehnen konnte. Mit geschlossenen Augen begrüßte ich den Leiter der Sendung, während gerade der Lidstrich gezogen wurde und er fragte mich ob ich auch wirklich singen wollte. Na klar wollte ich! Als ich die Augen wieder aufmachen durfte, betrachtete ich neugierig die Makeup Paletten, die sich vor mir ausbreiteten und wie die Visagistin sorgfältig alle Töne miteinander vermischte und mich im wahrsten Sinne des Wortes anpinselte.

Danach galt es zu warten und da sie mit der Technik noch nicht so weit waren, schnappte ich mir meine Gitarre und spielte gegen die aufkommende Panik an. „Wir haben ja alle schon eine Kostprobe hinter der Kulisse bekommen, magst du das nicht mal auf der Bühne ausprobieren?“, werde ich gefragt und ehe ich mich versehe stehe ich verkabelt vor drei großen Kameras.

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Ignorier die Kameras einfach, jetzt geht es erst Mal nur um den Ton. Alles klar und los.“ Ich spiele Gitarre, singe dazu und versuche dabei das Adrenalin abzubauen, welches sich angestaut hat. Nach ein paar Minuten nimmt der Mann für den Ton seinen Kopfhörer ab und gibt mir einen Daumen hoch: „Super! Toll hört sich das an, echt klasse.“ Das Team bespricht sich, schreibt die Ansagentexte um, sie wollen meine chinesische Übersetzung von „Lass es Liebe sein – 让它成为爱“ (Rosenstolz) als eigenständigen Teil der Sendung ankündigen. Ich spiele derweil Rasmus Seebach „Millionær“ und das Liebeslied von Bodo Wartke vor mich hin.

 

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Wir fangen mit dem Lied an, bist du bereit? Fürs Interview ist später noch Zeit.“, wird mir gesagt. Klappe die erste und Action! Ich atme tief ein, fange an zu spielen und singen, Blick in die Kamera, alles läuft gut, doch nach der dritten Strophe verhaspel ich mich plötzlich im Text. Fällt ja niemandem auf, denke ich und breche dann doch ab. Klar fällt das auf! Jeder Chinese wird sich wundern was ich da gerade für einen Quatsch gesungen habe. Also noch einmal, Klappe die zweite und Action! Hinter mir wird der Bildschirm plötzlich schwarz, ein technischer Fehler. Ich trinke einen Schluck Wasser, mittlerweile steht mir das Adrenalin bis zum Hals, jetzt muss es doch endlich klappen!

Im Gegenteil, beim dritten Mal verhaspel ich mich gleich am Anfang und bekomme gar nichts mehr auf die Reihe. Der Text scheint aus meinem Kopf rausgepustet zu sein. Ich spiele ein bisschen vor mich hin und ärgere mich nicht mehr geübt zu haben. Doch eigentlich war genau das Teil meiner Strategie, denn ich wollte das Lied nicht tot spielen. Jedes Lied welches man zu oft übt verliert an Glanz und gerade bei diesem Lied, welches mir so wichtig ist, wollte ich unbedingt die starken Gefühle beim Singen zum Ausdruck bringen.  „Kann man irgendetwas für dich tun? Wir können auch kurz Pause machen.“, ruft mir jemand aus dem Raum zu, aber ich schüttel nur mit dem Kopf. „Ich ziehe das jetzt durch!Klappe die vierte und Action! Es klappt dieses Mal wie am Schnürchen, einmal verspiele ich mich zwar leicht, aber das ist weniger schlimm als im Text einen Verdreher einzubauen. Trotz Nervenflattern geht das Lied einigermaßen gut über die Bühne.

Uff… geht doch!“, sage ich erleichtert als alles im Kasten ist, das Team klatscht und ich torkle mit wackeligen Knien von der Bühne in den Nebenraum. „Große Klasse Jorinde, das hast du wirklich prima gemacht.“, sagt jemand anerkennend und ich bin versucht „不不不!“ (Nicht doch! Nicht doch!) zu sagen, aber hier im Studio versteht ja niemand Chinesisch. Als ich ohne Gitarre zurück ins Studio komme summt Marco, der Moderater bereits das Lied welches ich gerade gesungen habe vor sich hin: „Totaler Ohrwurm…“, sagt er und singt dazu den chinesischen Refrain: 让它成为爱。(= Lass es Liebe sein). Den Titel des Liedes musste er nämlich für die Ansage auf Chinesisch auswendig lernen und kann deshalb jetzt den Refrain auswendig singen. Ich muss schmunzeln, das Lied scheint nicht nur mir so gut zu gefallen!

Danach folgte der zweite Teil, das angekündigte Interview. Es soll ums Chinesisch Lernen gehen und mein Auslandsjahr in Shanghai. Ich hatte mir natürlich im Voraus ein paar Dinge überlegt, die ich gerne sagen wollte, doch als die Fragen auf mich einprasselten quatschte ich munter drauf los und versuchte angestrengt trotz der Aufregung in anständigen Sätzen zu sprechen. Das ist gar nicht so einfach wie es aussieht und manchmal brauchte es einen zweiten Anlauf. Schade eigentlich, dass die lustigsten Patzer und kleinen Versprecher sicher raus geschnitten werden, aber im Fernsehen soll ja immer alles perfekt sein.

Der Sendetermin ist Montag, der 4. September. Ich bin gespannt! Ehrlich gesagt kann ich mich vor lauter Aufregung kaum an den Inhalt des Gespräches erinnern, nur dass ich bei der Frage nach Fettnäpfchen und sprachlichen Missverständnissen in China vergessen habe von dem Tag zu erzählen, an dem ich einem Freund in Shanghai aus Versehen schrieb: „Ich habe einen Menschen gegessen.“ “我吃了一个人。” anstatt zu schreiben „Ich habe alleine gegessen.“ “我一个人吃饭了。” Es war trotzdem super!

Herzlichen Dank an das tolle Team im Studio und an die Einladung zu Nihao Deutschland! Ich war mit großem Spaß dabei und freue mich darüber, dass ich meine Faszination für Chinesisch teilen durfte!

再见! Auf Wiedersehen!

Jorinde 若云